Bayern_210920
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Abstand? Fehlanzeige! Die Bayern blamieren sich auf der Tribüne.

Voll daneben

Abstandsregeln aus dem Hühnerstall

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die ignoranten Delegationen aus München und Schalke handeln sich einen Shitstorm ein - völlig zu Recht.

Hätte nur gefehlt, dass sie sich gegenseitig auf dem Schoß gesessen hätten. Olli Kahn auf Edmund Stoiber zum Beispiel, oder Kalle Rummenigge auf Uli Hoeneß. So, wie die hohen Herren da in der viel, viel, viel Platz bietenden Münchner Arena beisammen hockten, dürften sich auch Hühner auf der Stange im warmen Stall wohlfühlen. Die Münchner Führungsentourage mit Boss Rummenigge, Nachfolger Kahn, Präsident Herbert Hainer, Ehrenoberst Hoeneß und noch ein paar mehr Leuten aus Vorstand und Aufsichtsrat ließ immerhin eine Reihe Platz dazwischen. Die Schalker Delegation, zu der betrüblicherweise auch der wegen der Coronafälle in seiner Schlachterei unehrenhaft ausgeschiedene Ex-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies gehörte, gruppierte sich noch enger beisammen. Möglicherweise, um mehr Zusammenhalt als die zerfleddernde Truppe drunten auf dem Platz beim 0:8 bei enthemmt stürmenden Bayern zu dokumentieren.

Abstand von zumindest 1,50 Metern? Masken? Fehlanzeige! Es waren die falschen Signale in Zeiten der Pandemie, in welcher der Profifußball seine Musterrolle für die Gesellschaft ja nie unterschlagen hatte. Stattdessen: Ignoranz für Anfänger. Setzen. sechs!

Besser mit Abstand platzierten sich Ligachef Christian Seifert und Geschäftsführer Christian Pfennig über den Abordnungen aus München und Gelsenkirchen. Fast, als wollten sie non-verbal sagen: So einfach ist das. Offiziell will sich DFL lieber nicht dazu äußern. Das tat am Sonntag immerhin Rummenigge bei Sky: „Wir sind uns alle einig, dass das Bild nicht vorbildlich war. Wir werden das ändern.“

Bayernvorstand Kahn hatte Freitagabend noch darauf hingewiesen, man habe sich „an die bayerische Verordnung gehalten, die genau das erlaubt“. Mal ganz abgesehen davon, dass laut bayerischem Gesundheitsministerium „bei bundesweiten Sportereignissen grundsätzlich 1,5 Meter Mindestabstand vorgesehen“ sind, fragt man sich schon: Hallo, Top-Fußballfunktionäre - haben Sie den Schuss nicht gehört? Haben Sie nullkommanull kapiert, dass Sie vor fast sieben Millionen TV-Zuschauern eine andere Rolle einnehmen als bei der privaten Grillparty beim Nachbarn?

Bei Twitter ging es jedenfalls hoch her, und klar, auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, nicht gerade beliebt in Fußballerkreisen, meldete sich ebendort: „Kinder sollen in der Klasse im Unterricht Maske tragen. Die FC-Bayern-Manager genießen den Fußball, und es ist ihnen offenbar völlig egal, dass sie Vorbild für keinen sind.“

Tja, und leider auch herzlich egal war es dem guten Herrn Tönnies, dass es komplett die falsche Botschaft an die ausgeschlossenen Schalke-Anhänger war, der einfühlsamen Einladung der Bayern zu folgen und sich auf der Tribüne zu lümmeln. Reaktionen aus Kreisen der Knappen-Fans waren entsprechend: Tönnies habe „echt kein Gewissen“ und „gar kein Schamgefühl“. Ist das etwa eine Überraschung? mit dpa/sid

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