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Abschied? Müller rudert wieder etwas zurück

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Von: Jan Christian Müller

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Wo führt ihn sein Weg hin? Thomas Müller.
Wo führt ihn sein Weg hin? Thomas Müller. © dpa

Der Bayer will sich noch Zeit lassen mit seiner Entscheidung über die Zukunft beim DFB. Sollte er gehen, wäre es das Ende einer Ära.

Es klang verdächtig nach Worten des Abschieds, live nach dem brachialen WM-Aus in der ARD. „Wenn das mein letztes Spiel gewesen sein sollte“, sagte Thomas Müller, „dann möchte ich noch ein paar Worte an die deutschen Fußballfans richten. Es war ein enormer Genuss, liebe Leute. Wir haben tolle Momente erlebt. Ich habe in jedem Spiel versucht, mein Herz auf dem Platz zu lassen. Ich habe immer Einsatz geliefert und manchmal gab’s Freudentränen durch meine Aktionen, manchmal hatten die Zuschauer auch Schmerzen im Gesicht. Auch wenn mir nicht alle Aktionen gelungen sind, ich habe es mit Liebe gemacht.“ Da klang Wehmut durch.

Ein symbolischer Kopfball

War das 121. Länderspiel das letzte des 33-Jährigen? Eine Stunde und eine warme Dusche später klangen seine Worte nicht mehr ganz so konkret. Im Bauch des Al Bayt Stadions sagte Thomas Müller: „Ich habe meinen Emotionen freien Lauf gelassen und beschrieben, was in mir vorgeht. Was die Zukunft betrifft, werde ich mir die nötige Zeit geben, ein paar Tage nachdenken, mich mit meiner Frau besprechen, mit Hansi besprechen, was der Plan ist.“

Wäre es nach Form und Leistung gegangen, hätte der Ur-Bayer nicht dreimal bei dieser verkorksten WM zur deutschen Startelf gehört. Dann hätte spätestens gegen Costa Rica Niclas Füllkrug stürmen müssen. Müllers letztes Turniertor für Deutschland: damals, in einer längst vergangenen Zeit der Führungstreffer beim 7:1 gegen Brasilien. Seitdem kein einziger Treffer mehr bei einer Welt- oder Europameisterschaft, nicht 2016, nicht 2018, nicht 2021, nicht 2022. Die Durchschnittsnote im Fachblatt „Kicker“ in dieser Zeit: vier minus. Eine Szene in Al Khor am Donnerstagabend gegen Costa Rica hatte Symbolcharakter: Joshua Kimmich flankte präzise, niemand weit und breit um Thomas Müller herum. Sein Flugkopfball missriet ohne Gegnerdruck. Der Ball flog weit am Tor vorbei.

Unorthodoxe Weltklasse

Ex-Bundestrainer Joachim Löw hat eine Menge Gegenwind ertragen müssen, als er Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng im Frühjahr 2019 mitteilte, dass sie künftig in seinen Planungen keine Rolle spielen sollen. Im Rückblick lag Löw nicht falsch. Er reaktivierte Müller und Hummels zwei quälende Jahre später unter dem Druck der Öffentlichkeit und weil die Jungen sich nicht so entwickelten. Aber weder Hummels noch Müller lieferten Löw beim vorzeitigen EM-Aus das, was er sich durch deren Rückkehr versprochen hatte. Müller vergab beim 0:2 in Wembley gegen England eine Ausgleichschance, die ein Spieler auf diesem Niveau nicht vergeben darf.

Er wird dennoch in der Galerie der ganz Großen verewigt bleiben, er war das kluge und frohgelaunte Gesicht des deutschen Fußballs über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, seit er 2010 in Südafrika eckig und kantig und wild entschlossen die Fußballwelt verzauberte. Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Lothar Matthäus, Rudi Völler, Philipp Lahm, Manuel Neuer. Und Thomas Müller. Er hat der Mannschaft viel gegeben. Tief in der Nacht zum Freitag sagte er noch: „Von meinem Gefühl her gehen wir heute mit deutlich erhobenerem Haupt nach Hause als 2018.“ Dann wollte er gehen. Aber er wurde gestoppt. Ein internationaler Journalist wollte ein Selfie mit dem vielleicht unorthodoxesten Weltklassemann, den der deutsche Fußball je produziert hat. Müller erfüllte dem Mann den Wunsch. Aber er lächelte nicht.

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