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Für den Herzens-Herthaner Dardai ist es ein schmerzlicher bevorstehender Abschied.

Fußball

Der Abrieb bei den Trainern

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Kontinuität ist in der Zusammenarbeit förderlich. Doch der Abrieb des Trainerjobs kann nicht dauerhaft kompensiert werden. Der Kommentar. 

Wenn diese Saison in der ersten Bundesliga vorbei ist, wird es in der Treuetabelle ganz vorn Christian Streich in Freiburg geben – und dann lange niemanden mit stabiler Erstligazugehörigkeit beim selben Verein. Streich coacht seinen Herzensklub seit mehr als sieben Jahren. Danach kam bislang Pal Dardai, der länger als vier Jahre bei der Hertha im Amt ist, gefolgt von Julian Nagelsmann (über drei Jahre in Hoffenheim) und Dieter Hecking (fast zweieinhalb Jahre in Mönchengladbach). Auch Bruno Labbadia, schon monumentale 14 Monate in Wolfsburg, und Markus Weinzierl nach einem halben Jahr in Stuttgart sind künftig offenbar nicht mehr gut genug für ihre aktuellen Arbeitgeber.

Da davon auszugehen ist, dass es sich bei den sportlich verantwortlichen Michael Preetz (Berlin), Max Eberl (Mönchengladbach), Jörg Schmadtke (Wolfsburg) und Thomas Hitzlsperger (Stuttgart) allesamt nicht um Ahnungslose handelt, erscheint es oberflächlich, deren bereits verübte oder potenzielle Treulosigkeit pauschal zu rügen. Sie alle sind branchenerfahrene Männer, die wissen, dass Kontinuität in der Zusammenarbeit förderlich sein dürfte. Offenbar ist es aber auch so, dass der Abrieb des Trainerjobs selbst durch Identifikation von den Haarspitzen bis in die Fußsohlen, wie im Fall Dardai, nicht dauerhaft kompensiert werden kann. Nur der etwas andere Standort Freiburg mit dem etwas anderen Trainer Streich bildet da eine Ausnahme.

Pal Dardai - ein Kämpfer mir Stallgeruch

Pal Dardai kann seine Position zum Saisonende erhobenen Hauptes verlassen. Der Ungar war hierzulande ein Trainer-Niemand, als er die Hertha im Februar 2015 auf einem Abstiegsplatz und mit entsprechender Atmosphäre in Moll übernahm. Als Kämpfer mit Stallgeruch, kantig und schnörkellos, humorvoll und selbstironisch, sollte er vor allem für einen Stimmungsumschwung sorgen. Das und einiges mehr hat er geschafft. Als Mann, der die ganz großen Linien zieht, war der damals erst 38-Jährige gar nicht vorgesehen. Dafür soll nun ein anderer her, wie in Mönchengladbach und Wolfsburg, wo Hecking und Labbadia sehr rechtschaffene Arbeit abliefern, genau wie das übrigens auch Niko Kovac in München tut, ohne deshalb sicher sein zu können, dass er auch in der kommenden Saison noch dort sein darf, wo er sich gerade befindet.

Für den Herzens-Herthaner Dardai ist es ein schmerzlicher bevorstehender Abschied, dessen Ankündigung beide Parteien unter Wahrung des größtmöglichen gegenseitigen Respekts hinbekommen haben. Dass Dardai sich tatsächlich freiwillig zurück in die Jugendarbeit begeben wird, erscheint gleichwohl schwer vorstellbar. Er ist ja jetzt ein etablierter Bundesligatrainer.

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