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Sollte sich an die eigene Nase packen: Karl-Heinz Rummenigge.

Karl-Heinz Rummenigge

Ablenkung

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Karl-Heinz Rummenigge tobt nach der Pleite bei Real Madrid über den Schiedsrichter, obwohl auch Trainer Carlo Ancelotti eine große Mitschuld an den beiden Niederlagen trägt. Ein Kommentar.

Knapp drei Jahre ist es her, dass der Boss des FC Bayern um Besonnenheit bei der Beurteilung der Schiedsrichter bat. Weil sie in dem immer schnelleren, trickreicheren und auch betrügerischen angelegten Betrieb einfach keine gerechten Entscheidungen mehr fällen könnten. Und so schrieb Karl-Heinz Rummenigge in einem Antrag zur Einführung der Torlinientechnologie an die Deutsche Fußball-Liga (DFL): „Es ist unerträglich, in welchem Maße die Unparteiischen, die nicht auf Wiederholung, Zeitlupen und sogar mathematische Berechnungen zurückgreifen können, öffentlich an den Pranger gestellt werden. Dies kann und sollte künftig verhindert werden.“ Das war im Mai 2014. Im April 2017 sind all die schönen Worte vergessen. Stattdessen hat der FCB-Vorstandschef eine wahre Tirade auf den ungarischen Unparteiischen Viktor Kassai abgelassen. Nach einer „unglücklichen, unverdienten, bitteren“ Niederlage. Gemach, gemach. Sind den Bayern nicht in beiden Partien zwei zumindest fragwürdige Elfmeter zugesprochen worden?

Nein, die Ursachen für das Aus sind andere und münden direkt zum einen, den Rummenigge eigentlich geholt hat, um den Henkelpott zu holen. Carlo Ancelotti. Wer die Spielverläufe von Hin- und Rückspiel seziert, wie der Startrainer auf eine Unterzahl (k)einen Einfluss nahm, der stellt fest: Dass wäre (spiel)entscheidend besser gegangen. In München versäumte es der Italiener, die Auflösungserscheinungen mit der Hereinnahme eines Stabilisators (Joshua Kimmich?) zu stoppen. In Madrid erlag Ancelotti dem Irrglauben, sein Abräumer Arturo Vidal würde der sich abzeichnenden Hinausstellung mit jener Coolness trotzen wie Mats Hummels und Jérôme Boateng ihren Blessuren. Da kannte er den chilenischen Heißsporn schlecht.

Und wenn die Analyse schon einmal in vollem Gange ist, dann muss zwingend auch ein Blick auf den Wirkungsgrad der bayrischen Flügelzange gelegt werden. Sowohl Arjen Robben und vor allem Franck Ribery stießen gegen die überragenden Außenverteidiger Marcelo und Daniel Carvajal, der beste Akteur aus beiden Viertelfinals, an natürliche (Alters-)Grenzen. Es wäre an der Zeit, dass der FC Bayern seine Kaderplanung überdenkt. Die Schiedsrichterschelte lenkt da nur ab. Denn diese These muss erlaubt sein: Auch mit dem Videobeweis hätte wohl eher Real die Tür zum Halbfinale aufgestoßen – als das einen Tick clevere und effizientere Starensemble. Schade, dass dem Bayern-Boss ein solch besonnenes Bekenntnis nicht abzuringen war. Wahre Größe zeigt sich halt immer erst in der Niederlage.

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