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Klub der roten Fliegen: Die Absolventen des 64. DFB-Fußballlehrer-Lehrgangs präsentieren ihre Diplome.

Fußballtrainer

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Die neue Trainergeneration tut gut daran, sich in Geduld zu üben ? davon erzählt nicht nur Jürgen Klopp.

Hannes Wolf saß am Montagabend mit offenem Mund neben seiner Gattin am fein gedeckten Tisch, als die Videobotschaft seines Mentors über die Projektionsfläche des Festsaales im Kempinski Hotel Gravenbruch in Neu-Isenburg flimmerte. Jürgen Klopp hatte es sich nicht nehmen lassen, anlässlich der Auszeichnung seines früheren Mitstreiters aus Dortmunder Zeiten zum „Trainer des Jahres 2017“ eine Videobotschaft aus England zu übermitteln.

„Ich habe mich damals schockverliebt – nicht in den Mann, sondern in den Trainer“, erzählte also der einstige BVB-Meistermacher. Der 50-Jährige erinnerte dabei an die erste Begegnung mit dem jungen Spielertrainer, der ihm im Amateurbereich mit dem ASC 09 Dortmund aufgefallen war. Überzeugungstäter traf auf Menschenfänger. So bewertete die Kultfigur den Ritterschlag für seinen Zögling auf der Trainergala beinahe euphorisch. Klopp: „Ich finde, das ist eine ausgesprochen überragende Entscheidung in einer Welt, in der Trainer nur nach dem letzten Ergebnis bewertet werden.“ 

„Untypische Entscheidung“ für einen Arbeitslosen

Es gehört wohl zu den Gegensätzen des Geschäfts, dass der eine mit dem FC Liverpool auf einer Erfolgswelle reitet, während der andere mit dem VfB Stuttgart nach anderthalb Jahren bereits wieder vom Karussell purzelte. DFB-Präsident Reinhard Grindel, verspätet eingetroffen und früher gegangen, wusste, dass die Jury mit der Ernennung eines Arbeitslosen eine eher „untypische Entscheidung“ getroffen hatte. Aber warum nur immer die belohnen, die sich ohnehin im Rampenlicht sonnen?

In acht schlechten Wochen, sagte Wolf, habe er „die ganze Wucht“ gespürt, was ihn letztlich zur Aufgabe zwang. In der Rückschau wüsste der 36-Jährige „schon ein paar Sachen, die ich hätte besser machen können“; nun habe er „auch mal die Schattenseiten des Trainerdaseins kennengelernt“. Wichtig schien ihm noch diese Anmerkung in Richtung seines unerwartet erfolgreichen Nachfolgers. „Ich habe den Verein auf einem vernünftigen Platz übergeben. Dass Tayfun (Korkut; Anm. d. Red.) jetzt jedes Spiel gewinnt, ist gut.“ Aber deswegen ist der auch von BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken über Gebühr belobigte Wolf („Ihm gehören eigentlich vier statt drei Meisterschaften unser B- und A-Junioren“) gewiss kein Fußballlehrer, der sein Handwerk nicht beherrscht. 

Der gebürtige Bochumer hat für sich entschlossen, dass er den Sport, aber auch das System, so faszinierend findet, dass er weiter in ihm mitwirken möchte. „Ich möchte diese Energie nicht missen, Verantwortung für junge Menschen zu tragen. Es geht zurück auf die Trainerbank“, sagte einer, der seine Berufswahl offenbar zu keiner Sekunde bereut. Und neben erster und zweiter Liga führt Wolf auch den Juniorenbereich (oder den Verband?) gedanklich im Portfolio. Vermutlich keine schlechte Idee. 

Mediales Haifischbecken

Schließlich gibt der Prototyp der neuen Generation ein Lehrbeispiel ab, wie gnadenlos der Verdrängungswettbewerb geworden ist. Die gesamte Branche, stellte der mit dem Ehrenpreis bedachte Erich Rutemöller mit nachdenklichem Tonfall fest, sei doch schneller, hinterhältiger und gemeiner geworden. Schon zu seiner Zeit, erzählte der 73-Jährige, hätten die Medien unangenehme Fragen gestellt, aber heutzutage sei ein Haifischbecken entstanden. Ganz unrecht hat Rutemöller damit sicherlich nicht. 

„Es klingt so, dass es für die jungen Trainer ein reines Geschenk wäre, auf den Markt losgelassen zu werden“, gab Klopp zu bedenken. „Aber: Im Gegensatz zu früher, als Jupp Heynckes, Felix Magath oder Udo Lattek scheitern durften, um bald wieder einen Job zu bekommen, sieht es heutzutage so aus, als müssten die Jungs vom ersten Tag an funktionieren.“ 

Ausbilder Frank Wormuth gab zu seinem Abschied vom Verband – der 57-Jährige übernimmt auf eigenen Wunsch den niederländischen Erstligisten Heracles Almelo – noch den Rat, dass sich auch die junge Trainergeneration „spiegeln“ solle. Vielleicht sind die 25 Absolventen, die nach 22 Wochen Präsenzausbildung, zwölf Wochen Praktikum und sechs Wochen Selbststudium – inklusive Besuch der U21-EM in Polen – ihr Diplom überreicht bekamen, da bereits auf einem guten Weg. 

Zum einen bewies die Gruppe nicht nur bei der Kleiderwahl – geschlossen mit roter Fliege erschienen – eine gute Wahl, sondern auch der Primus ihrer Gruppe sammelte Sympathiepunkte. Nicht Ex-Profis wie Markus Daun, Francisco Copado oder Rainer Zietsch, sondern Robert Klauß, aktuell verantwortlich für die U19 von RB Leipzig, avancierte zum Lehrgangsbesten. 
Seine Vorgänger Domenico Tedesco (2016) und Florian Kohfeldt (2015) sind beide bereits in der Bundesliga angekommen. Der 33 Jahre junge Musterschüler stellte vorsichtshalber sofort klar, dass es nicht seine erste Ambition sei, nun auf die Schnelle Ralph Hasenhüttl zu beerben.

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