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Abgestraft für Ehrlichkeit

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Von: Daniel Schmitt

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Sebastian Rode sagt, was er denkt - das kommt beim BVB nicht gut an.
Sebastian Rode sagt, was er denkt - das kommt beim BVB nicht gut an. © dpa

Schert jemand aus der Reihe beim BVB, ist er fällig - so wie Sebastian Rode. Die Dortmunder wollen offenbar keine mündigen Spieler. Ein Kommentar.

Peter Stöger wird nur noch ein Spiel Trainer von Borussia Dortmund sein. Eine Information, so wenig überraschend wie der FC Bayern als Deutscher Meister. Schließlich winden sich die BVB-Verantwortlichen seit Wochen derart gekonnt aus Fragen zur Zukunft des Österreichers heraus, dass es nur eine logische Erklärung dafür gibt: Die Trennung kommt. Auch für das kickende Personal scheint das Stöger-Aus beschlossene Sache zu sein, zumindest verkündete ein Spieler das auch öffentlich. Er soll dafür bestraft werden.

Gemeint ist Sebastian Rode. Der bodenständige Südhesse, an der Bergstraße aufgewachsen, später über Darmstadt 98 und Kickers Offenbach zur Frankfurter Eintracht gelangt, ehe er mit dem FC Bayern zweimal den Meistertitel holte und dann zur Borussia wechselte. Dieser Sebastian Rode erdreistete sich doch tatsächlich, in einem TV-Interview zu sagen, dass er mit einem neuen Übungsleiter rechne. „So wie er sich in der Kabine ausdrückt, gehen wir fest davon aus, dass wir in der kommenden Saison einen neuen Trainer haben werden“, sagte Rode. Auch kritisierte der verletzte Mittelfeldspieler Stögers Umgang mit BVB-Kapitän Marcel Schmelzer, der zwischenzeitlich auf die Tribüne verbannt wurde: „Das hätte man anders lösen können. Marcel ist ein verdienter Spieler.“ Zwei Aussagen, die man so stehen lassen kann. So denkt Rode, also spricht er es aus. Einfach ehrlich.

Warum wird Rode sanktioniert?

Trotzdem fühlt sich die Borussia dazu bemüßigt, ihrem Spieler eine Geldstrafe aufzubrummen. Motto: Schert jemand aus der Reihe, ist er fällig. Aber was hat Rode eigentlich falsch gemacht? Warum wird er sanktioniert? Klar, Loyalität zu seinem Arbeitgeber ist ein wichtiges Gut. Ruhe im Umfeld eines Klubs sicher auch. Beides sollte aber nicht dazu führen, sogar sachte Kritik gleich zu sanktionieren.

Gerade die Dortmunder müssten in dieser für sie schwierigen Saison doch gelernt haben, dass es für sportlichen Erfolg mehr braucht als nur gute Ballartisten. Es braucht Spieler, die sich nicht nur abducken, sondern ab und an den Finger in die Wunde drücken. Die mit Sinn und Verstand vorangehen. Nun ist Sebastian Rode sicher keiner dieser Lautsprecher, die sich vor jedem TV-Mikro dazu aufgerufen fühlen, markige Worte abzusondern. Aber er ist ein 27 Jahre alter Mann, mit dem ein sachlicher Austausch möglich ist.

Doch statt sich mit ihm auseinanderzusetzen, wird Rode abgestraft. Das Signal, das der BVB damit sendet, ist ein falsches. Die Dortmunder wollen offenbar keine mündigen Spieler. Dabei würden gerade diese dem zweifelsohne begabten Team in seiner Entwicklung helfen.

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