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Kämpferisch: Der kranke Bologna-Trainer Sinisa Mihajlovic.

Italien

Ein Abend mit viel Gänsehaut

Vom Krebs gezeichneter Sinisa Mihajlovic kehrt auf die Bank zurück.

Nach dem 1:1 zwischen Hellas erona und dem FC Bologna zum Saisonauftakt der italienischen Serie A gab es nur einen Sieger: Sinisa Mihajlovic. Der an Leukämie erkrankte Gästecoach war bereits vor dem Anpfiff von beiden Fanlagern mit lautstarken Sprechchören gefeiert worden, als er im grauen Klubshirt, einer dunklen Kappe und gezeichnet von seiner Krebserkrankung mit einem großen Pflaster am Hals den Innenraum des Stadio Marcantonio Bentegodi betrat.

Der 50-Jährige war sichtlich gerührt, winkte Richtung Tribünen, wo sich die Anhänger von ihren Sitzen erhoben, und ging dann schweren Schrittes zur Bologna-Bank. Erst kurz vor dem Anpfiff hatte der Klub mitgeteilt, dass Mihajlovic im Teamhotel zu seiner Mannschaft gestoßen sei und auch am Abend an der Seitenlinie stehen werde. „Krieger erkennt man aus der Ferne“, hatte Mihajlovics Frau Arianna Rapaccioni mit einem Bild ihres Mannes gepostet.

Mihajlovic hatte bei einer Pressekonferenz am 13. Juli unter Tränen erklärt, dass er an Leukämie erkrankt sei. Mit Erlaubnis seiner Ärzte im Krankenhaus Sant Orsola in Bologna, wo sich der ehemalige serbische Nationalcoach seit 40 Tagen einer Chemotherapie unterzieht, reiste er am Sonntag überraschend nach Verona.

„Ich habe meinen Spielern gesagt, dass ich um meine Gesundheit kämpfen werde, wie sie auf dem Spielfeld kämpfen. Ich werde diese Herausforderung bewältigen, davon bin ich überzeugt“, sagte Mihajlovic mit leiser Stimme nach der Partie und erntete damit Applaus der Offiziellen und Medienvertreter. Er hatte bei seinem vorläufigen Abschied Mitte August seiner Mannschaft versprochen, beim ersten Ligaspiel auf der Bank zu sitzen. Und er hielt Wort.

Der Job als Therapie

„Ein Stadion liegt Mihajlovic zu Füßen. Der Trainer ist wieder zu Hause. Er ist mager und gezeichnet. Doch die Fotos Mihajlovics auf dem Spielfeld vermitteln eine außerordentliche Kraft“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“, und „Tuttosport“ titelte: „Bologna hat seinen Krieger wieder auf der Trainerbank.“ Der „Corriere dello Sport“ dachte noch weiter: „Er wollte und musste zum Meisterschaftsauftakt anwesend sein. Die Trainerbank ist seine Therapie.“

Die Mannschaft hätte Mihajlovic gerne einen Sieg geschenkt. „Das hat er verdient. Wir wollten es alle besser machen, wir müssen seinen Kampfgeist einsetzen“, sagte Mihajlovics Vertreter Emilio De Leo, der auch in den vergangenen Wochen ständig mit seinem Chef telefonisch in Kontakt stand. „Er war ein bisschen enttäuscht“, berichtete der Interimstrainer weiter. Denn Bologna verpasste trotz 77-minütiger Überzahl nach einer Roten Karte für Veronas Pawel Dawidowicz einen Auftaktsieg.

Doch das Ergebnis spielte an diesem Gänsehautabend ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Sportdirektor Walter Sabatini betonte anschließend, dass Mihajlovic weiterhin Bolognas Trainer bleibe. „Wir sind seine Familie“, sagte er. (sid)

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