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Ab Sommer wird’s heikel

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Von: Daniel Schmitt

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Noch Kollegen, bald Rivalen: Yann Sommer (li.), Manuel Neuer. Foto: Imago Images
Noch Kollegen, bald Rivalen: Yann Sommer (li.), Manuel Neuer. Foto: Imago Images © Norbert Schmidt/Imago

Die Vertragsdauer bis 2025 für Yann Sommer ist vor eine Kampfansage an den vormaligen Platzhirsch Manuel Neuer. Im Kern reagiert der FC Bayern aber nur professionell.

Viele Jahre galt die Leistung des Oka Nikolov nicht nur in Frankfurter Gefilden als Nonplusultra eines Gästetorwarts im Norden der Südmetropole. Anfang November 2007, München-Fröttmaning, Fußball-Bundesliga, der Tabellenführer gegen den Abstiegskandidaten, 38 Schüsse des FC Bayern, dazu 34 Flanken, und dennoch ein dröges 0:0. Dem ewigen Oka sei dank, zumindest aus Eintracht-Sicht.

Es war also diese Performance des Schlussmannes, die den Maßstab setzte. Bis vergangenen August. Ein 1:1 zwar, aber doch keine minder schwächere Leistung des gegnerischen Ballfängers bei hochhaushoch überlegenen Bayern. Besagter Gästekeeper trieb sie schier in den Wahnsinn. Mit 19 Paraden, darunter etliche erstklassige, stellte er einen neuen Bundesligabestwert seit Datenerfassung auf. Es war, wie passend, Yann Sommer.

Klare Ansage an Neuer

Der Schweizer Internationale, dessen Wintertransfer von Borussia Mönchengladbach nach München für acht Millionen Euro (plus mögliche Bonuszahlungen) nach langem Hin und Her nun doch über die Bühne ging, soll die Münchner Manuel-Neuer-Lücke füllen. Es ist ihm, Sommer, ohne Wenn und Aber zuzutrauen. Der 34-Jährige verfügt über gehobene Klasse, er wies sie achteinhalb Jahre in Gladbach und auch bei der Nationalmannschaft nach, ist international erfahren, verfügt über prächtige Reflexe und ist fußballerisch fast so stark wie Neuer. Ein allemal wichtiges Kriterium für die Münchner bei der Vertreterwahl.

Doch was heißt schon Vertreter? Sommer, ist mehr als das, seine Verpflichtung für zweieinhalb Spielzeiten ist eine klare Ansage an Neuer. Der ehemals Weltbeste seines Fachs hat durch den Skiunfall im Urlaub die für ihn sicher unangenehme Situation selbstverschuldet herbeigeführt, die Bayern reagierten mit der Verpflichtung einer Nummer eins lediglich professionell.

Der 36-jährige Neuer wird noch eine Weile fehlen, die Heilung seiner Fraktur des Unterschenkels, die gar ein offener Schien- und Wadenbeinbruch gewesen sein soll, noch dauern. Der DFB-Keeper peilt zwar eine Rückkehr zur kommenden Saison an, manch einer im Bayern-Zirkel soll mit Blick auf die Schwere der Blessur sowie das Alter des Betroffenen daran aber längst leise Zweifel geäußert haben. Insofern ist es nur richtig von den Bayern-Bossen, ihrem Vorzeigemann unter der Latte zwar extern den Rücken zu stärken, schließlich hat er für den Klub enorm viel geleistet, intern aber die Lage klar zu analysieren. Mit dem offensichtlichen Ergebnis: Wir müssen handeln - und das über die laufende Saison hinaus.

Für die Bayern ist das Risiko auf den ersten Blick minimal, das Ablöse- und Gehaltspaket für Sommer kann der Ligakrösus locker stemmen, hat somit sportliche Sicherheit. Einzig zwischenmenschlich könnte Neuer verstimmt sein, ob des offenbar nicht in Gänze vorhandenen Vertrauens in seine Comebackqualitäten. So könnte es ab - Achtung: Wortspiel - Sommer heikel werden.

Neuer wird sich nach seiner Rückkehr, ob nun im Sommer, Herbst oder Winter, dem Konkurrenzkampf stellen müssen, ihm droht gar die Rolle als Nummer zwei. Das mag hart klingen für einen mit seinen Ansprüchen, zumal mit Blick auf die erworbenen Meriten, entspricht aber schlicht dem Leistungsprinzip eines nach dem Champions-League-Titel strebenden Klubs. Es geht ums Hier und Jetzt, nicht um Vergangenes.

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