Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Thomas Müller.
+
Thomas Müller.

Fußball Bilanz

2021 - ein Jahr fast zum Vergessen

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Das zu Ende gehende Jahr bewegte sich für Fußballdeutschland zwischen Langeweile und Peinlichkeiten. Vieles kann nur besser werden. Die Chancen dafür stehen gar nicht mal so schlecht.

Man muss es so deutlich sagen: 2021 war kein gutes Jahr für den deutschen Fußball. Hier die Übersicht:

Amateure und Jugend: Die Ligen mussten wegen der Pandemie abbrechen. Auch der Trainingsbetrieb unterhalb des Profifußballs ruhte monatelang, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Amateurvereine klagten, der DFB habe sich nicht ausreichend für sie eingesetzt. Das stimmt grundsätzlich, denn der Dachverband verpasste es angesichts der Streitigkeiten der Spitze, sich als Lobbyist in Berlin zu zeigen.

Andererseits war das ganz gut so, denn dass der Amateurfußball mit 128 000 Mannschaften im Winter 2020/21 kein Pandemietreiber gewesen wäre, blieb unbewiesen. Eine vom DFB vorgelegte recht dünne Studie betrachtete lediglich die Kontaktzeiten auf dem Platz. Die Realität in dampfenden Umkleidekabinen ist eine komplett andere. Vorgebliche Hygienekonzepte erschöpften sich mancherorts in entleerten Desinfektionsspray-Spendern.

Zwischendurch taten Präsident Fritz Keller und Vize Rainer Koch kurz mal so, als würden sie sich gut verstehen und forderten bei einer Pressekonferenz im März gemeinsam, der Ball müsse bald wieder rollen. Ein Schauspiel, das schnell durchschaut wurde.

Talentförderung: Das „Projekt Zukunft“ - vor drei Jahren ersonnen von DFB-Direktor Oliver Bierhoff und dem gerade ausgeschiedenen DFL-Boss Christian Seifert - ist nicht nur nach Ansicht von Seifert größtenteils „gegen die Wand gefahren worden“. Die Landesverbände folgen der Bierhoff-Direktion und deren vielfach innovativen Plänen noch nicht mal widerwillig.

DFB-Führung: Eine Leerstelle, die im Mai im Rücktritt von Präsident Keller mündete.

Finanzen: Der DFB ist trotz Corona mit einem Gewinn von zwei Millionen Euro gut über die Runden gekommen, die Bundesligaprofis noch viel besser, Laut der Wirtschaftsberater Deloitte stiegen deren Gesamtbezüge von 1,8 Milliarden Euro leicht an, derweil die Umsätze der Klubs von 3,35 auf 3,21 Milliarden Euro schrumpften. Mancher Verein kam mit einem blauen Auge davon, weil eine Schieflage durch Steuergelder vom Staat behoben wurde.

Spannung Bundesliga: Zwei große Traditionsmarken stiegen ab: Werder Bremen und Schalke 04, die Nummern drei und sieben der Ewigen Bundesligatabelle, gesellten sich zur Nummer vier des Langzeit-Klassements, dem Hamburger SV, ins Unterhaus. Dort herrscht Hochspannung.

Der Titelkampf im Oberhaus bleibt gewohnt langweilig: Die Bayern wurden mit 13 Punkten Vorsprung Meister. Derzeit führen sie mit neun Zählern Abstand und stehen vor der zehnten Meisterschaft in Folge. Positiv: Zwischen Rang drei (Freiburg, 29) und Rang 17 (Bielefeld, 16) liegen nach der Hinrunde nur 13 Zähler. Negativ: Das ist ein Punkt weniger als die Riesenlücke zwischen Platz eins (Bayern, 43) und Platz drei.

Uefa-Wettbewerbe: In der Champions League 2021/22 sind nur noch die Bayern übrig. Wolfsburg, Dortmund, Leipzig allesamt raus, ohne Applaus. In der Champions League 2020/21 schaffte es keine deutsche Mannschaft ins Halbfinale.

In der Europa League 2020/21 fand schon das Achtelfinale ohne deutsche Beteiligung statt. In der Europa League 2021/22 haben Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen als Tabellenführer ihrer Vorrunden überzeugt und somit bereits die K.o.-Runde erreicht.

In der neu aufgelegten Conference League hat Union Berlin enttäuscht und ist als Gruppendritter ruhmlos ausgeschieden.

Europameisterschaft: Die Nationalmannschaft scheiterte im Achtelfinale an England. Zuvor hatte sie sich mühselig durch die Vorrunde geächzt und die Qualifikation für die K.o.-Runde trotz Heimvorteils erst kurz vor Schluss im letzten Gruppenspiel gegen Ungarn erreicht.

WM-Qualifikation: Joachim Löw übergab das DFB-Team nach einer Niederlage im März gegen Nordmazedonien als Gruppendritter an seinen Nachfolger Hansi Flick. Der navigierte die Mannschaft ohne weitere Peinlichkeiten zur WM 2022.

Abschied von Jogi Löw: Zur offiziellen, in der Komposition der öffentlichen Feierlichkeit missratenen, Verabschiedung des verdienten Ex-Bundestrainers in Wolfsburg schafften es langjährige Weggefährten wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos oder Mario Götze nicht. Peinlich! Andere, wie der von Löw verstoßene Jerome Boateng, der 2014 nicht in den Weltmeisterkader berufene Mario Gomez oder der nach dem WM-Achtelfinale gegen Algerien 2014 nicht mehr in der Startelf berücksichtigte Per Mertesacker zeigten Größe und reisten an. Vorbildlich!

U21: Stefan Kuntz gelang es, mit einem mäßig talentierten Team, zum dritten Mal unter seiner Regie das Finale zu erreichen und es zum zweiten Mal zu gewinnen. Persönliche Glückwünsche von Direktor Bierhoff und dem damaligen Bundestrainer Löw vermisste Kuntz. Seine Streichung aus dem Kandidatenkreis als Löw-Nachfolger erfuhr Kuntz zunächst nur schriftlich. Stil geht anders. Kuntz verabschiedete sich in die Türkei.

Fluthilfe: DFB und DFL gründeten einen mit drei Millionen Euro gefüllten Hilfsfonds. Das DFB-Team, einzelne (Ex-) Nationalspieler und viele Bundesligisten engagierten sich ebenfalls großzügig,

DFL: Geschäftsführer Christian Seifert ging per Trommelwirbel mit Fundamentalkritik an Politik, Fanvertretungen und DFB. Diplomatische Floskeln ließ er dabei aus. Fanorganisationen reagierten verstimmt, nachdem Seifert deren Wirkmacht für viel zu hoch befunden hatte. Sie kontern, Seifert habe seiner Nachfolgerin Donata Hopfen ein schweres Erbe hinterlassen. Mühsam aufgebautes Vertrauen zur DFL sei erodiert.

Perspektiven: Am 1. Januar übernimmt Hopfen die Seifert-Nachfolge. Sie gilt als toughe Managerin, muss aber Acht geben, dass die Alteingesessenen um Aufsichtsratschef Aki Watzke nicht versuchen werden, sie am Gängelband durch die Manege zu führen.

Der DFL-Neujahrsempfang fällt im Januar 2022 zum zweiten Mal der Pandemie zum Opfer. Kein Druck für Donata Hopfen, an die großen Reden ihres Vorgängers anknüpfen zu müssen.

Am 11. März wird ein neuer DFB-Präsident gewählt. Favorit ist Bernd Neuendorf, wie Hopfen im großen Fußballbusiness unbelastet. Das ist die Chance zu einem Neuanfang. Das Verhältnis der DFL zum DFB befindet sich laut Seifert „auf dem Tiefpunkt“. Es kann also nur besser werden.

Hansi Flick hat derweil sein Nationalteam so auf Sieg getrimmt, dass es im November/Dezember in Katar was werden könnte. Vielleicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare