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Fußball wurde auch gespielt: Wolfsburg holt einen Punkt.

Union Berlin - Wolfsburg 2:2

Fußball im Schatten

Auch an der Alten Försterei in Berlin wird das Spiel unterbrochen.

Mit Schmähungen gegen Dietmar Hopp haben Fans des 1.FC Union den Punktgewinn ihres Teams im Abstiegskampf überschattet und ein weiteres Bundesligaspiel an den Rand des Abbruchs gebracht. Beim 2:2 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg schlossen sich zahlreiche Anhänger der Berliner am Sonntag dem wütenden Protest gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) an und nahmen dafür Hoffenheim-Mäzen Hopp via Plakat ins Fadenkreuz. Die Partie war wie schon das Duell des FC Bayern bei der TSG 1899 Hoffenheim gleich zweimal unterbrochen, die Teams standen kurz vor der Halbzeit minutenlang im Kabinengang.

„Protest ja, aber wenn man Personen persönlich beleidigt, da hört es auf. Wir haben klar gesagt, das Plakat muss runter. Ich finde es gut, dass wir diese Schiene gehen“, sagte Unions Kapitän Christopher Trimmel nach dem Spiel und ergänzte zum Ergebnis: „Wir haben gegen eine sehr, sehr gute Mannschaft gespielt, wir wussten, dass es schwierig wird.“

Das Sportliche rückte aber erst in der zweiten Halbzeit wieder in den Fokus: Zwar verpasste Union trotz einer 2:0-Führung den dritten Sieg aus den vergangenen vier Ligaspielen, hat aber beruhigende neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und konnte die zuletzt starken Wolfsburger bei der Verfolgungsjagd auf die Europapokalplätze ein wenig bremsen. Jeweils per Kopf trafen Sebastian Andersson (41. Minute) und Marvin Friedrich (57.) für die Köpenicker. Ebenfalls per Kopf sorgten Yannick Gerhardt (60.) und Wout Weghorst (81.) noch für das 2:2. „Wir sind sehr gut zurückgekommen und haben am Ende verdient den Punkt geholt“, sagte Weghorst. „Ich finde, dass wir die bessere Mannschaft gewesen sind.“

Beherrschendes Thema war aber lange Zeit wie schon an anderen Bundesliga-Standorten die Machtprobe der Fans mit dem DFB. Zunächst kritisierten die Anhänger hinter dem Union-Tor auf Plakaten den Verband: „2017 Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht!“ Die Partie war für wenige Momente unterbrochen. Nachdem wenig später Hopp diffamiert wurde, schickte Schiedsrichter Bastian Dankert die Teams vom Feld. „Am Ende ist das traurig, das ist ein älterer Mann“, sagte Weghorst über Hopp: „Das muss nicht so sein. Fußball ist etwas, was alle zusammenbringt.“

Union-Manager Oliver Ruhnert wurde deutlicher. „Das ist ein absolutes No-Go“, sagte er zu den Anfeindungen gegen Hopp. „Persönliche Beleidigungen oder Verunglimpfungen sind nicht akzeptabel. Da sind wir uns einig.“

Die Berliner Ultra-Gruppierung „HammerHearts 2004“ rechtfertigte sich umgehend in einer längeren Stellungnahme. „Der Doppelhalter (...) ist keine Morddrohung. Er ist aber ganz klar provokant und kritisiert eine Person und eine stetige Entwicklung. Heute steht er jedoch vor allem entgegen schleichender Zensur und für die Ausdrucksfreiheit der Kurven“, stand darin. Für die erste Kritik am DFB äußerte Ruhnert Verständnis. „Dass man Kritik an Dingen äußert, sachlich, da muss man auch bereit sein, kritische Worte zu akzeptieren.“ Er habe allein deshalb „keinen Grund“ gesehen einzugreifen, sagte er. „Dann muss ich jedes Spiel unterbrechen.“

Auf dem Feld startete Wolfsburg nach zuletzt vier Pflichtspielsiegen in Serie selbstbewusst in die Partie. Union setzte auf seine bewährte Taktik der ersten Bundesligasison der Vereinsgeschichte: Lange Bälle und Standardsituationen.

Die hohen Pässe auf Stoßstürmer Andersson verteidigte die Defensive der Wolfsburger lange Zeit solide – geriet durch einen individuellen Fehler aber doch in Rückstand. Nach einem Freistoß von Trimmel lief Keeper Koen Casteels zu ungestüm aus seinem Tor, Andersson setzte sich gegen Daniel Ginczek durch und köpfte ein. Auch für den zweiten Union-Treffer durch Friedrich leistete Trimmel die Vorarbeit. Kurz danach sorgte Gerhardt per Kopf für das 1:2, Christian Gentner, der für sein 400. Bundesligaspiel geehrt wurde, sah dabei nicht gut aus. Weghorst brachte die Gäste endgültig zurück ins Spiel, bei dem das Sportliche in den Hintergrund rückte. (dpa)

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