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Hält Geisterspiele für möglich: Virologe Alexander Kekulé.

Wie geht es mit der Fußball-Bundesliga weiter?

Fußball im Reagenzglas

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Virologe Alexander Kekulé erklärt, wie die Bundesliga fortgeführt werden könnte

Die Debatte um eine Fortführung des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga ist um eine weitere Expertenmeinung reicher. Während eine medizinischen Task Force im Auftrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an möglichen Rahmenbedingungen tüftelt, wie denn ab Mai sogenannte Geisterspiele in einer virenfreien Sonderzone ablaufen könnten, hat der Virologe Alexander Kekulé seine Meinung kundgetan

„Machbar ist natürlich alles. Man könnte theoretisch die Spiele speziell absichern und dafür ein Programm machen“, sagte Kekulé am Samstagabend im ZDF-Sportstudio. Der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle/Saale erklärte, das sei für die Profis mit drakonischen Maßnahmen verbunden: Sie müssten unter „ganz besonderen Sicherheitsbedingungen“ leben, „damit man Infektionen vermeidet, weil auf dem Spielfeld unmöglich zu verhindern ist, dass sie miteinander in Kontakt kommen.“ Laut des Mediziners hätte man „dann so eine Art spezielle Blase für die Fußballspieler“. Jede Mannschaft müsste in eine „Spezial-Quarantäne“. Der Experte glaubt zudem nicht, dass in diesem Jahr noch Spiele mit Publikum zustande kommen: „Im Moment sieht es nicht so aus, als könnten wir dieses Jahr ernsthaft sowas ins Auge fassen.“

Der Virologe hält die Durchführung von Geisterspielen in Erster und Zweiter Fußball-Bundesliga zeitnah für möglich, die Frage sei nur, „wie man den Menschen erklärt, dass der Fußball so eine Spezialbehandlung bekommt und die Menschen in der Gastronomie, in der Reisebranche und in vielen Dienstleistungsbereichen in ähnlichen oder viel größeren Schwierigkeiten stecken. Ich weiß nicht, ob das politisch gewollt ist.“

Die DFL als Dienstleister der 36 Profiklubs beruft sich ihrerseits darauf, dass es sich bei der ausdrücklich nur nach Erlaubnis der Behörden geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs um eine Berufsausübung handele, die juristisch und gesellschaftlich völlig anders zu beurteilen sei als Amateursport oder Freizeit. FDP-Chef Christian Lindner sagte gleichwohl im Sport1-Fußballstammtisch „Doppelpass“: „Für mich ist es nicht realistisch, dass man als Hobbysportler auf dem Bolzplatz bestraft wird, während Profifußball wieder stattfindet.

Die DFL und ihre 36 Lizenznehmer stehen selbst gehörig unter finanziellem Druck, denn ausdrücklich wurde nicht dementiert, was das Fachblatt „Kicker“ vermeldete: 13 Klubs seien demnach noch in dieser Saison von der Insolvenz bedroht, falls nicht bald wieder gespielt wird. Akut würde dieses Szenario bereits im Mai für einen Erstligisten, bis Ende Juni für vier Klubs aus dem Oberhaus. Die Situation ist also einigermaßen dramatisch.

Die DFL, die auch politisch und gesellschaftlich nicht noch mehr unter Druck geraten will, legt zudem Wert darauf, dass es kein konkreten Planungen für eine Fortsetzung der Saison Anfang Mai gibt. „Entscheidend für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist die Bewertung der Lage durch Politik und Behörden, denen sich der Fußball selbstverständlich unterordnet“, hieß es. Die DFL sieht es aber gleichwohl als ihre Verantwortung für die arg gebeutelten Vereine an, intensiv an Szenarien für einen Saisonabschluss zu arbeiten. Die medizinische Task Force unter Führung des internistischen DFB-Teamarztes Prof. Dr. Tim Meyer soll dabei behilflich sein, in dem sie ein taugliches Konzept erarbeitet.

„20 000 Tests nötig“

Virologe Kekulé hat überschlagen, dass für die Spieler und deren direktes Umfeld vom Trainer, Betreuer, Zeugwart bis zum Masseur rund 20 000 Tests bis Saisonende nötig seien – derzeit schaffe Deutschland ungefähr 100 000 Tests am Tag. Eine „engmaschige, unabhängige Testung von Spielern und weiterem Personal“ lautet der DFL-Auftrag an die Task Force. Virologe Kekulé weiß: „Es handelt sich nicht um die typischen Risikogruppen, sondern es sind junge, gesunde Menschen.“ Vertretbar ist das eigentlich erst, wenn es keine Engpässe bei den Testkapazitäten und Arbeitsmaterialien gibt, die in den Laboren derzeit knapp werden. Die DFL setzt darauf, dass sich die Situation in den Laboren in einem Monat durch neue Verfahren entspannt oder sie in der Lage ist, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.

Kekulé wies darauf hin, dass es „ja auch andere Sportarten“ gebe, die betroffen seien – „die würden dann zuschauen, wie die Fußballer besser behandelt werden.“ Er schlug der DFL indirekt vor, sich durch ein deutliches Zeichen finanzieller Art („Indem sie zehnmal so viele Tests ermöglicht wie sie selber braucht“) öffentlicher Zustimmung zu versichern.

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