Eigentlich kein Einzelsport: Fußballer im Sonnenuntergang.
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Eigentlich kein Einzelsport: Fußballer im Sonnenuntergang.

Die Probleme beim Re-Start

Fußball für alle

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der DFB ist darauf erpicht, den Ball in diesem Sommer in sämtlichen Alters- und Spielklassen wieder rollen zu lassen. Ansonsten drohe ein Mitgliederschwund.

Zumindest den Rasenflächen auf den abertausenden Sportplätzen in Deutschland hat die Zwangspause in der Corona-Pandemie nicht geschadet. Im Gegenteil: In solch gutem Zustand waren manche Spielfelder seit Jahren nicht, dennoch will sich keiner der knapp 24 500 Vereine an den Anblick verwaister Anlagen gewöhnen. Dass der Ball flächendeckend zur neuen Saison im September wieder rollen soll, ist einhellige Meinung im Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Der Verband hat vor zwei Wochen ein Muster-Hygienekonzept für seine Amateurmannschaften vorgestellt, das als Orientierungshilfe dient. Präsident Fritz Keller deutete am Sonntagabend im Rahmen der DFB-Pokalauslosung an, dass es weiterhin viele Ungereimtheiten gebe. „Die Pandemielage bestimmt alles, die Gesundheit geht vor.“ Und was die Zulassung von Zuschauern angehe, könne man noch „gar nix sagen“. Wissenschaftler und Politiker müssten erklären, was geht.

Relativ einfach ist es für die höchsten Spielklassen unter DFB-Obhut: Für die Frauen-Bundesliga und die Dritte Liga gelten in Abstimmung mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die bewährten Konzepte des Profifußballs. Viel wichtiger ist indes für den größten Sportverband, dass auch die Basis wieder den Betrieb aufnimmt, sonst könnte sich der ohnehin kaum aufzuhaltende Rückgang aktiver Kicker gefährlich beschleunigen. Weil Vereinsmitglieder irgendwann kaum mehr einsehen werden, Beiträge zu entrichten, wenn sie ihr Hobby nicht mehr ausüben können. Zum Stichtag 1. Januar 2020 waren 145 084 Mannschaften gemeldet – das machte schon vor der Corona-Krise ein Minus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die für den Spielbetrieb zuständige Heike Ullrich spricht von einem „ganzen Blumenstrauß“ an Themen für den Re-Start der Amateure, wo für die Umsetzung der in der Pandemielage nötigen Rahmenbedingungen eben nicht unbegrenzt Personal und Geld zur Verfügung stehen. „Corona bleibt für uns eine Herausforderung. Aber wir sind nach den ersten Erfahrungen jetzt besser ausgestattet und haben Netzwerke aufgebaut“, erklärt Ullrich. Ziel sei es, so die DFB-Direktorin Vereine, Verbände und Ligen, „dass wir wirklich vom kleinen Kind bis zur Nationalmannschaft wieder spielen“.

Die Bedrohungslage durch das Virus sei eben nicht weg; auch wisse niemand, ob nicht im Herbst noch eine zweite Ansteckungswelle durchs (Fußball-)Land rollt. Ergo gelte: „Der Fußball darf keine Infektionsketten auslösen, Corona bleibt ein tückisches Virus. Wir müssen leider weiter auf Sicht fahren“, sagt Ullrich. Ein den örtlichen Gegebenheiten und den Spielklassen angepasstes Hygienekonzept soll den landesweiten Spielbetrieb möglich machen. Ein Frühwarnsystem mit einer Art Ampelschaltung ist inkludiert.

Dass die Amateure wieder der wichtigsten Nebensache der Welt frönen, ist keine Selbstverständlichkeit. DFB-Vizepräsident Rainer Koch betreibt als Amateurvertreter reichlich Lobbyarbeit bei der Politik, kann aber Stand jetzt nicht mal seinem Bayrischen Fußballverband die Rückkehr in die Normalität versprechen. „Die Re-Start-Pläne des BFV sehen weiterhin vor, dass die unterbrochene Saison 2019/20 im September fortgesetzt wird. Die dazu erforderlichen Hygienekonzepte des Verbandes sind bereits in Arbeit. Natürlich müssen dies die staatlichen Vorgaben dann auch wirklich erlauben“, schrieb Koch kürzlich fast flehentlich auf seiner Facebook-Seite. „Sicher ist noch nichts.“ Noch sind Fußballspiele in Bayern nur in Ausnahmefällen erlaubt. In Hessen gibt es Grünes Licht jetzt bereits am 1. August, nachdem es zuletzt verstärkt zu einer kuriosen Form des Testspiel-Tourismus ins benachbarte Bundesland Thüringen kam. Selbst Kreisliga-B-Klubs wie der SV Kaufungen 07 fuhren 80 Kilometer über die Landesgrenze, um ein Freundschaftsspiel bei Edelweiß Keilerhauern zu bestreiten. Nur eine von vielen Verrenkungen für die Rückkehr auf den Platz.

Eine weitere Problematik ergibt sich aus der aufgeblähten Staffelgröße, weil fast allerorten zwar oft Auf- aber keine Absteiger gekürt worden sind. Selbst höhere Ligen an den Nahtstellen zum Profibereich improvisieren nun: Die eigentlich eingleisige Zweite Frauen-Bundesliga kehrt nach einer Abstimmung zu einer Nord- und Südstaffel zurück, weil sonst 19 Klubs mitgespielt hätten. Die U19 und U17-Bundesligen spielen hingegen nur eine einfache Runde aus. „Das wären sonst bis zu 34 Spiele gewesen“, erklärte DFB-Junioren-Cheftrainer Meikel Schönweitz, „bei einem Start fünf oder sechs Wochen später ist das nicht anders zu stemmen.“ Die Regionalliga Südwest mit neuerdings 22 Vereinen nimmt hingegen eine Terminhatz über 42 Spieltage und eine radikal verkürzte Winterpause in Kauf.

Ein weiteres Erschwernis ergibt sich aus der föderalen Struktur im DFB, dessen fünf Regional- und 21 Landesverbände sich den Verfügungslagen der Bundesländer unterordnen müssen. Vor allem bei der Zulassung von Zuschauern zeichnet sich ein unvermeidlicher Flickenteppich ab, den auch der DFB-Boss bei allem Bemühen nicht verhindern kann. Alles laufe auf individuelle Entscheidungen der lokalen Behörden und Vereine hinaus, sagte Keller in der ARD, ganz so „wie die Pandemie- und Verfügungslage ist“. Hörte sich so an, dass der eine oder andere Rasen noch weiter unberührt gedeihen kann.

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