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Die Mainzer Spitze: Vorstandsvorsitzender Stefan Hofmann (links) und Jan Lehmann (Kaufmännischer Vorstand).

Mainz 05

„Das würde Mainz 05 schwer treffen“

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Der Fußball-Bundesligist aus Rheinhessen erklärt mögliche Folgen eines Saisonabbruchs.

Die drei Verantwortlichen von Mainz 05 hielten den adäquaten Sitzabstand von mindestens zwei Metern ein, als sie sich am Donnerstag via 05.TV auf Youtube mit frischen Botschaften an Medien und Fans richteten. Es wurde, mit wenigen Einschränkungen, ein top-professioneller 45-minütiger Beitrag von Klubchef Stefan Hofmann, Sportchef Rouven Schröder und dem kaufmännischen Vorstand Jan Lehmann, in dem einige drängende Fragen an den abstiegsgefährdeten Fußball-Bundesligisten beantwortet werden konnten.

Merkwürdig beleidigt reagierten die Bosse indes auf vorgeblich populistische Forderungen aus Politik, Medien und Bevölkerung, die Fußballprofis sollten, bitte schön, einen spürbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Linderung der grassierenden Coronakrise beitragen. Hofmann sagte: „Wir brauchen keinen Populismus“ und fügte an: „Bitte nicht mit dem Finger auf die Fußballmillionäre zeigen!“

Schröder ergänzte, jeder sogenannte „Fußball-Millionär“ habe eine Familie und ganz unabhängig von seiner Einkommenssituation Ängste in der gegenwärtigen Situation (was ja auch niemand bestreitet). Es seien Dinge von außen hineingetragen worden, die von innen längst geklärt worden seien (was aber bisher noch niemand wusste). Der Lizenzbereich, so Schröder, sei bereits auf den Vorstand zugekommen und bereit, mitzuhelfen. Um welchen (prozentualen) Umfang eines Gehaltsverzichts von Spielern und Trainerteam es sich dabei handeln könnte, wurde nicht gesagt.

Konkreter wurde in der von Pressesprecherin Silke Bannick moderierten Runde Finanzchef Jan Lehmann in seinen Ausführungen und bestätigte dabei, wie klein der Anteil der Verwaltung an den Gesamtkosten ist: nämlich lediglich acht Prozent. „Die Märzgehälter werden hundertprozentig so ausgezahlt wie geplant.“ Aktuell seien keine Kündigungen vorgesehen, ohnehin sei es ein möglicher Einspareffekt in diesem Bereich wohl kaum existenzsichernd. Auch der Vorstand sei im Übrigen bereit, Verzicht zu üben, hieß es dann wieder unspezifisch.

Wenig Geld auf dem Konto

Fast exakt bezifferte Lehmann dagegen das Eigenkapital zum 31. Dezember 2019 auf etwas mehr als 55 Millionen Euro, versah diese Zahl jedoch mit einem großen Aber: Der bei weitem größte Batzen dieses Betrages liege keinesfalls auf dem Girokonto, sondern stecke in den aktivierten Spielerwerten. Diese nur möglicherweise zu erzielenden Ablösesummen helfen immerhin als Sicherheit bei potenziellen Krediten, die Mainz 05 bei den Hausbanken abrufen könnte, sollte es tatsächlich eng werden. „Die Signale der Banken sind sehr positiv“, sagte Lehmann.

16 Millionen könnten fehlen

Dieses Szenario ist nicht auszuschließen. Denn, so Lehmann, würde die Saison nicht mehr fortgesetzt werden können und die im Mai erwartete letzte Tranche der ursprünglich erwarteten TV-Erlöse ausbleiben, fehlten dem Verein „15 bis 16 Millionen Euro“ an Barmitteln. „Das würde uns schon sehr, sehr schwer treffen.“ Deshalb sei eine Wiederaufnahme der Spiele so bedeutend für die gesamte Bundesliga.

Das zum Jahresbeginn 2021 avisierte Bauprojekt im zweistelligen Millionenbereich für Geschäftsstelle und modernisiertes Trainingszentrum am Bruchwegstadion muss aufgeschoben werden. „Im Januar oder Februar loszulegen, ist unrealistisch“, gab Vereinsvorstand Hofmann zu. „Aber die Planungen würden wir gern so abschließen, dass wir dann jederzeit loslegen können.“

Auch eine seriöse Kaderplanung für die kommende Saison sei derzeit völlig unmöglich, erklärte Schröder, „da wir das Budget nicht kennen.“ Somit könnten aktuell keine Verträge verlängert und keine Spieler verpflichtet werden. Was die weitere wirtschaftliche Zukunft angeht, formulierte Jan Lehmann einen weisen Satz: „Wenn die Einnahmen künftig geringer werden, müssten wir halt alle etwas weniger verdienen.“

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