+
Regional verwurzelt: Rouven Schröder (li.) und Sandro Schwarz auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt.

Mainz 05

"Wir schauen nicht nach Frankfurt"

  • schließen

Bei Mainz 05, dem nächsten Gegner der Eintracht, wissen sie, dass sie in der Nische wachsen müssen, nicht in die Welt hinaus.

Wer sich am Dienstag aufmachte nach Mainz, um dort der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel am heutigen Mittwochabend (20.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt beizuwohnen, wurde auch als weit angereister Frankfurter Reporter freundlich mit frisch gebrühtem Kaffee und Knackwürstchen im Brötchen empfangen. Es sind nette Menschen dort auf der anderen Seite des Rheins. Aber drängende Fragen, die die Entwicklung von Mainz 05 gegen die von Eintracht Frankfurt spiegeln, gehören gerade nicht zur liebsten Leidenschaft von Trainer Sandro Schwarz und Sportvorstand Rouven Schröder. Was natürlich nicht heißt, dass die beiden sportlichen Macher der Nullfünfer diese Fragen böse wegbeißen. So sind sie nicht in Mainz. Siehe oben.

 Schwarz lobt stattdessen den Gegner in sämtlichen Facetten („super Sturm, extrem fleißig gegen den Ball, wuchtige Abwehr, machen es hervorragend“), und Schröder steht dem bald darauf kaum nach: „Gute Führungsstruktur, starker Cheftrainer“, man müsse „neidlos“ anerkennen: „Der Nachbar ist gut drauf.“ Überdies könnte das Verhältnis kaum besser sein: „Wir verstehen uns gut mit allen Verantwortlichen der Eintracht.“

Was aber, darauf legt Schröder besonderen Wert, nun nicht heißt, dass Mainz 05 der Eintracht hinterherhechelt wie ein räudiger Windhund dem künstlichen Hasen auf der Greyhound-Rennbahn. „Wir“, sagt Schröder, „stehen ganz bestimmt nicht jeden Morgen auf und schauen, was die Eintracht gerade macht.“ Also gerade nicht nach dem Motto: „Die bauen einen neuen Platz, also bauen wir auch einen.“

Was nicht heißt, dass sie in Mainz keine Neubaupläne in der Schublade hätten, während in Frankfurt bereits die Bagger für eine neue, 30 Millionen Euro teure Geschäftsstelle mitsamt Proficampus am ehemaligen Fedcup-Tennisstadion angerollt sind. So weit sind sie in Mainz noch nicht, noch befinden sich Geschäftsstelle, Trainingszentrum und Spielstätte deshalb an drei verschiedenen Standorten. Immerhin: Das Trainingszentrum hat seit Kurzem endlich eine eigene Postanschrift: Stadion am Bruchweg, Dr.-Martin-Luther-King-Weg 15. 

Auch die Internationalisierungs-Anstrengungen der Hessen, die inzwischen sogar in einem eigenen Eintracht-Büro in China gemündet sind, will und kann Mainz 05 nicht nachahmen. „Wir schauen da nicht zu Eintracht Frankfurt. Es wird keine Kopie geben“, sagt Schröder mit Bestimmtheit. Dafür ist die Marke Mainz schlicht nicht groß genug, da machen sie sich in der mit den Fachleuten Jan Lehmann, Präsident Stefan Hofmann und Michael Welling aufgepeppten Mainzer Führungsetage nichts vor. 

Der Versuch, sich auf dem amerikanischen Markt mit einem US-Trip ein wenig bekannter zu machen, verlief vor einigen Jahren noch mit Manager Christian Heidel reichlich ernüchternd. Aufwand und Ertrag standen im Missverhältnis. Auch der sicher gut gemeinte Versuch, sich asiatischen Ballungsräumen auf der Klubseite im Internet in koreanischer und japanischer Sprache zu präsentieren, wurde längst wieder eingestellt. Zumal die Japaner Shinji Okazaki und Yoshinori Muto gewinnbringend nach England verkauft wurden und die Südkoreaner Joo Ho Park und Ja-Cheol Koo nur Fußnoten der Mainzer Vereinshistorie blieben. 

Rouven Schröder empfiehlt deshalb, die „Regionalität von Mainz 05“ zu stärken: „Unsere Wurzeln sind ganz klar hier in Mainz. Wir gehen unseren eigenen Weg.“ Dass das weiterhin dringlich ist, zeigen die rückläufigen Zuschauerzahlen und die im Vergleich zur Eintracht auffällig undynamische Mitgliederentwicklung. Fürs Rhein-Main-Duell sind am Mittwochabend noch reichlich Karten an der Abendkasse erhältlich, bis 30 Stunden vor dem Anpfiff waren 28 700 Karten für die 34 000 Plätze in der Arena verkauft. 

Es gebe halt „unterschiedliche Voraussetzungen, was die Standorte angeht“, erklärt der gebürtige Mainzer Sandro Schwarz nüchtern. Der Trainer muss es wissen: Mit Frau Katarina und den kleinen Kindern Frida und Carlo ist er derzeit noch in Frankfurt-Niederrad zu Hause. Im Herzen von Europa sozusagen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion