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Kämpft darum, dass Mainz 05 den Negativtrend stoppt: Chefcoach Sandro Schwarz beim Redaktionsbesuch.

Interview Sandro Schwarz

"Wir müssen die Nähe zu den Leuten wiederherstellen"

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  • Jan Christian Müller
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Mainz-05-Trainer Sandro Schwarz spricht vor dem Spiel der Mainzer bei der Eintracht über ein Leben zwischen Arbeitsplatz in Mainz und Wohnort in Frankfurt und Kindheitserfahrungen am Riederwald.

Redaktionsbesuch bei der Frankfurter Rundschau vor dem Viertelfinale im DFB-Pokal bei Eintracht Frankfurt. Der Mainzer Chefcoach Sandro Schwarz steuert den Dienstwagen mit Groß-Gerauer Kennzeichen höchstpersönlich in die Tiefgarage, begleitet von Pressesprecherin Silke Bannick. Zwei Stunden lang entwickelt sich mit dem 39-Jährigen ein gewiss nicht alltägliches Gespräch, in dem der Trainer einige Entwicklungen im Profifußball deutlich kritisch anspricht. Sein Heimweg danach ist kurz: Schwarz wohnt mit Frau und Kindern unweit der alten Galopprennbahn im Frankfurter Stadtteil Niederrad.

Herr Schwarz, viele Pendler im Rhein-Main-Gebiet sind ziemlich genervt von den vielen Staus. Wie ergeht es Ihnen auf Ihrem täglichen Weg von Frankfurt-Niederrad nach Mainz?
Ich habe nie Stau. Morgens um sieben ist das kein Problem.

So früh ist doch noch kein Mensch auf dem Trainingsgelände?
Doch. Ich treffe mich um acht mit meinen Co-Trainern, wir schauen uns das Training vom Vortag in Sequenzen  noch einmal an und bereiten das Programm für die nächste Einheit vor.

Sie fahren ja jeden Tag an der Arena der Eintracht vorbei. Macht es für Mainz 05 angesichts des Abstiegskampfs überhaupt Sinn, sich auf den Pokal bei der Eintracht  zu konzentrieren?
Spiele zu gewinnen macht immer Sinn.  Wenn Sie irgendwann mal von mir hören würden, dass ich das nicht mehr anstrebe, dann können Sie gerne sagen: „Schwarz, es ist vorbei!“ Aber natürlich müssen wir sensibel auf die Belastungssteuerung achten und die Puzzleteile sehr genau zusammenlegen, weil wir am Samstag schon wieder in Hoffenheim spielen und letzten Samstag gegen die Bayern gespielt haben.

Was zählt, um die Klasse zu halten? Werden am Ende werden diejenigen überleben, die als Team besser zusammenhalten?
Hundertprozentig. In schwierigen Momenten wird das den Unterschied ausmachen. Gerade dann ist die Bereitschaft extrem wichtig, Widerstände gemeinsam als gefestigte Gruppe zu überwinden. Das brauchen wir bei Mainz 05 ganz besonders.

Wenn die qualitativen Unterschiede auf dem Platz nicht so riesig sind, wird der Abstiegskampf…
… im Schädel entschieden! Wenn du im Schädel frei bist, funktioniert auch der Körper. Wenn du da oben nicht frei bist, kommt dir jeder Laufweg relativ schwer vor. Deshalb ist Nigel de Jong für uns ein so bedeutender Faktor. Der Kerl ist klar im Kopf. Der hat nicht nur ein WM-Finale gespielt, sondern ist auch bei uns für die Gruppe da, nicht nur auf dem Platz.

Ähnlich wie Kevin-Prince Boateng bei der Eintracht?
Du brauchst solche Leute in deiner Truppe. Spieler, die Spaß daran haben, als Gemeinschaft alles rauszuhauen. Das ist brutal wichtig.

Was muss ein Trainer können, um eine Mannschaft zu formen?
Führung ist neben der fachlichen Qualität sehr, sehr wichtig. Ich habe relativ schnell gespürt: Die Jungs brauchen in der Bundesliga genau die gleiche Führung, die die jungen Kerle in der U23 brauchten. Ich habe für persönliche Eitelkeiten bis zu einem gewissen Grad Verständnis. Aber es ist immer wieder auch wichtig, dass Mannschaftssport nicht grundlos Mannschaftssport heißt und man somit nur als Team, als eine mannschaftliche Einheit zum Erfolg kommt. Der eine oder andere muss daran immer mal wieder  erinnert werden.

Gilt das gerade für Talente, die in ihren Jahrgängen stets die Besten waren und dann lernen müssen, dass die Luft oben ziemlich dünn wird?
Die jungen Kerle sehen sich manchmal weiter, als sie tatsächlich sind.  Von den Beratern würde ich mir wünschen, dass sie ab und an kritischer mit ihren Schützlingen umgehen. Aber der Konkurrenzkampf in der Branche ist derart groß, dass die Ehrlichkeit mitunter auf der Strecke bleibt. Als Trainer hättest du es gerne, dass jemand im Umfeld des Spielers auch mal glasklar sagt: „Hey Freundchen, ganz ehrlich, trainiere einfach mal drei Wochen richtig gut, dann stehst du auch auf dem Platz.“

Sprechen Sie auch mit den Beratern der Spieler?
Das ist Sache unseres Managers Rouven Schröder. Meine Ansprechpartner sind die Spieler.

Sie müssen jedes Wochenende relativ viele Ihrer Profis enttäuschen. Fällt Ihnen das noch schwer?
Ja, brutal schwer. Ich weiß, dass es dazugehört, und diese Konsequenz ist auch wichtig. Aber es tut mir weh, dass ich am Freitag bei der Kaderbekanntgabe mindestens sechs Spieler tief enttäuschen muss.  Ich glaube, ich werde nie so abgestumpft sein, dass ich mich in solchen Situationen nicht in die Spieler hineinversetzen kann. Aber die Wahrheit ist auch: Damit müssen diese Sechs klarkommen und am besten Sonntag auf dem Trainingsplatz eine Reaktion zeigen.  Das gehört zum Job. 

Suchen Sie vorher das persönliche Gespräch?
Bei dem einen oder anderen ist das wichtig, ehe ich vor der Gruppe spreche. Aber du kannst diese Gespräche nicht jede Woche führen. Bei mir ist es so, dass ich schon von Mittwoch an ständig mögliche Aufstellungen in mein Handy tippe, dann einzelne Positionen wieder verwerfe und immer weiter an dem Puzzle bastele. Du bist nur am Rattern im Kopf.  Freitag hast du dann zumindest eine Entscheidung getroffen. Und Sonntag geht es wieder von neuem los.  

Wie verarbeiten Sie diesen Druck persönlich, damit es nicht auch noch abends und nachts weiterrattert?
Da helfen wir meine Kinder und meine Frau. Wenn ich die Kinder ins Bett bringe, beginnt für mich die Family-Zeit. Für eine kurze Zeitspanne. Und trotz allem: An freien Tagen ist es nie so, dass du nicht in manchen Phasen an die Mannschaft denkst. Was kannst du verbessern? Mit wem müsstest du das Gespräch suchen? Welche Trainingsform bietest du an? Komplett abschalten geht nicht. Ich glaube, dass ich mit der Erfahrung auf diesem Feld noch dazulernen werde.

Jürgen Klopp hat erst neulich gesagt, dass die jungen Trainer in einem „unfassbar schweren Umfeld“ arbeiten würden, weil sie „jeden Tag von den Medien kontrolliert“ würden. Empfinden Sie das auch als Belastung?
Nein. Es ist aus meiner Sicht komplette Zeitverschwendung, wenn ich mich damit noch extensiv beschäftigen würde.

Aber ist es nicht etwas anderes, ob Sie die Kritik als Trainer in Eschborn oder Wehen bekommen oder in der Bundesliga als Chefcoach von Mainz 05?
Finde ich nicht. Ich mache mir eher selbst den Druck, als dass ich die Medien als Druck empfinde. Ganz ehrlich: Wenn ich die Zeitung aufschlage und lese einen kritischen Bericht über unsere Niederlage in Leverkusen, ärgere ich mich mehr über mich selbst als über den Artikel. Mein Antrieb kommt von innen heraus. Ich muss an mir selbst arbeiten, dass die Ungeduld nicht zu schnell wächst. Diese Gefahr sehe ich bei mir eher.

Sie pflegen einen sehr offenen Umgang mit der Presse und haben die Reporter sogar aufgefordert, kritische Fragen zu stellen. Das ist durchaus unüblich in der Bundesliga.
Ich finde, die Offenheit passt zu Mainz. Die müssen wir hier leben.

Das ist in der Tat bemerkenswert. Unser Eindruck ist: In der Bundesliga möchten die Klubs am liebsten alles kontrollieren.
Ich bin der Meinung, dass wir auch mal Kritik aushalten müssen. Damit meine ich uns Trainer, aber auch die Spieler und deren Berater. Es passiert doch meist gar nicht so viel. Vielleicht hast du drei Tage ein bisschen Theater, und am vierten Tag interessiert es niemanden mehr. 

Und wenn Sie das Gefühl haben, die Kritik sei unfair?
Wenn es mir zu viel wird, kann ich das direkte Gespräch mit dem Reporter suchen, um ihm zu sagen, dass ich finde, er habe Unsinn geschrieben.  Und danach geht es ganz normal im Umgang miteinander weiter.  Für mich ist es ein hohes Gut, Journalisten auch mitzunehmen und mit den Inhalten mitwachsen zu lassen. Dann fühlen sich doch alle miteinander wohler. Es soll gar nicht immer die große Harmonie sein, eine gute Streitkultur ist wichtig. Ich finde, auch der Umgang mit harter  Kritik hat etwas damit zu tun zu lernen, Widerstände zu überwinden. Im Profifußball musst du die Öffentlichkeit aushalten, auch eine Note fünf oder sechs im „Kicker“. 

Im Fußball spielt ja der Zufall auch eine recht große Rolle. Treibt Sie das manchmal geradezu in den Wahnsinn?
Ich finde nicht, dass der Zufall eine große Rolle spielt. Jedenfalls nicht über mehrere Wochen hinweg. Was es durchaus gibt: ein Momentum, das den Zufall erzwingt, aber das musst du dir erarbeiten. Unser Trainerjob ist es ja auch, den Zufall zu minimieren, indem wir einen Plan entwerfen. Wenn du im Vorfeld vieles richtig gemacht hast, wirst du irgendwann belohnt. Daran glaube ich fest, und das ist im Leben genauso.

Sind dann bei Mainz 05 in dieser Saison zu viele Dinge falsch gelaufen?
Nein. Bisher ist nichts außergewöhnlich schlecht gelaufen, aber ich räume ein: Es ist auch nicht außergewöhnlich gut gelaufen, wie etwa bei Eintracht Frankfurt.  Dort, wo wir uns befinden, musste man uns erwarten.

Hat die Unruhe im Verein auf die Mannschaft abgestrahlt?
Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass der Führungswechsel in stilleren Bahnen verlaufen wäre. Und natürlich haben sich bei uns auch einige Spieler damit mehr beschäftigt als andere. Aber dass nach einer so langen Zeit unter ein und derselben Führung danach Unruhe entsteht, halte ich für völlig normal. Mir kann niemand erzählen, dass etwas Vergleichbares in irgendeinem Unternehmen reibungslos vonstatten geht.

Ist die Unruhe mit der Wahl des ehemaligen sportlichen Leiters der Nachwuchsabteilung zum neuen Präsidenten nun vorbei?
Das erwarte ich schon. Denn Stefan Hofmann ist ein Mann, der weiß, wie es sich anfühlt, vertrauensvoll in der Gemeinschaft und in Ruhe zu arbeiten. Das ist logischerweise hilfreich.

Was verbindet Sie und den neuen Klubchef?
Wir kennen uns aus der Nachwuchsförderung sehr gut. Er weiß, wie der Verein funktioniert und wie er ohne persönliche Eitelkeiten gelebt werden muss. 

Das ist dann ja auch ein Vorteil für Sie und Ihren Job beim Mainz 05?
Es geht hier nicht um mich. Das wird niemals so sein. Ich werde meinen Job immer zu hundert Prozent machen, egal, wer Vorstandsvorsitzender ist.

Mag ja sein, Herr Schwarz, aber es gibt ja Unterschiede im Handling: Der VfB Stuttgart hat sich jüngst nach der ersten schwereren Krise von Trainer Hannes Wolf getrennt, der SC Freiburg steht auch dann aufrecht zu Christian Streich, wenn der mit seiner Mannschaft absteigt. Es wäre ja vorstellbar, dass Mainz 05 mit dem neuen Präsidenten eher so denkt wie der SC Freiburg und weniger wie der VfB Stuttgart!
Stefan Hofmann weiß natürlich, wie ich arbeite, und es stimmt, dass wir vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Im Übrigen möchte ich mich gar nicht damit beschäftigen, was ein Abstieg bedeutet.

Unsere Frage ging dahin: Kann Mainz 05 gemeinsam mit dem SC Freiburg etwas anderes darstellen als der Rest der Liga? Sie sind aktuell der einzige Trainer der unteren Sechs, der sich seit Saisonbeginn noch im Amt befindet. Alle anderen Kollegen wurden rausgeworfen.
Natürlich würde ich mir als Trainer wünschen, dass es bei uns so wäre wie in Freiburg. Das ist ja ganz klar. Aber es ist nicht mein Thema und nicht meine Aufgabe, darauf eine Antwort zu finden. Das würde sich doch albern anhören.

Die Grundstimmung in Mainz ist nicht gut. Stimmen Sie zu?
Ich würde es so ausdrücken: Die Grundstimmung ist pessimistisch. Das spürst du schon. Die Freude, hier in Mainz in der eigenen Arena alle zwei Wochen Bundesligafußball erleben zu können, ist ein bisschen abhandengekommen.  Bundesliga wird hier als Normalität wahrgenommen. So ist der Mensch halt.

Was können Sie tun?
Wir müssen alles daran setzen, die Nähe zu den Menschen wiederherzustellen, diese Herzlichkeit, die Mainz 05 zu etwas Besonderem gemacht hat.  Da sehe ich mich auch in der Verantwortung. Die meisten wissen doch gar nicht, was beispielsweise der Trainer Sandro Schwarz für ein Mensch ist. Das ist von den Querelen im Verein alles überlagert worden. 

Sie sind in Mainz geboren, haben hier jahrelang gespielt und sind jetzt Trainer bei Mainz 05. Solche Geschichten gibt es im modernen Profifußball ja eigentlich gar nicht mehr.
Oder sie werden nicht erzählt. Ich liebe diesen Klub, doch wir haben es verpasst, die Leute mitzunehmen.  Unsere Stimmungslage ist momentan total ergebnisabhängig. Es muss wieder so werden, dass die Leute spüren, dass wir auch dann auf dem richtigen Weg sind, wenn wir ein Spiel verloren haben. Das müssen wir drehen.

In Frankfurt spürt man eine Aufbruchstimmung. In Mainz hat man seit zwei Jahren das Gefühl, der Klub stecke in einer Lähmung.
Niko Kovac hat mit der Eintracht eine ganz schwierige Situation gemeistert, als sie gemeinsam die Relegation gegen den 1. FC Nürnberg überstanden haben. So etwas schweißt zusammen.  Die Eintracht hat diese Stimmung genutzt, das spürt man auch in der Stadt. Niko leistet hervorragende Arbeit und arbeitet mit Fredi Bobic schon über einen längeren Zeitraum sehr eng zusammen. Bei uns ist doch klar, dass es mit neuen Köpfen nicht von heute auf morgen wieder aufwärts geht. Wir müssen daran arbeiten, unsere Identität wieder aufleben zu lassen.  Dann sind wir durchaus in der Lage, wieder eine Stimmung zu erzeugen.

Wünschen Sie sich, dass die etwa drei Kilometer entfernte Geschäftsstelle mit dem  Mainzer Trainingszentrum zusammenwächst?
Das wünschen wir uns alle. Das muss unser Ziel sein. Denn es ist doch so: Auch unsere Angestellten transportieren ja eine Stimmung in die Stadt hinein. Allein die Tatsache, dass ein Mitarbeiter und ein Spieler sich morgens auf dem Gelände gegenseitig grüßen, hat ja für beide schon eine Wirkung.

Haben Sie eigentlich eine App, mit der sie beispielsweise das Schlafverhalten und die Ernährung der Spieler überprüfen können?
Nee, haben wir nicht. Ich finde, man muss auch aufpassen, dass es nicht überhandnimmt und dass die Eigenverantwortung der Spieler unterstützt wird. Alles zu kontrollieren, ist irgendwann auch nervig für die Spieler. Die sollen doch auch mal richtig feiern, nachdem sie ein Fußballspiel gewonnen haben. Am besten zusammen.

Wie war das bei Ihnen in den Profijahren? Sie wohnten gemeinsam mit Marco Rose, der inzwischen  Chefcoach bei RB Salzburg ist, in einer WG in Mainz. Gab´s da immer nur Pommes mit Ketchup?
Wir haben auf unsere Ernährung sehr geachtet. Marco hat gekocht. Ich war mehr für das Füllen der Spülmaschine verantwortlich. Und gefeiert haben wir natürlich auch. Wir wussten, wann das ging. Ich bin aber auch nach Niederlagen dagegen, dass die Spieler sich wegschließen.  Mir ist auch persönlich eine gewisse Entspanntheit immer wichtig.

Was passiert bei Ihnen vor dem Pokalspiel in Frankfurt zu Hause. Ihre Frau ist in Frankfurt geboren und bestimmt auch Eintracht-Fan?
Nein. Die hält zum Ehemann. Aber ich räume ein: Der Bruder meiner Frau ist Eintracht-Fan. 

Was verbindet Sie persönlich mit Eintracht Frankfurt?
Meiner Freundschaft zu Alex Schur, mit dem ich gemeinsam meine Trainerlizenz absolviert habe.

Und noch mehr?
Ein erfolgloses Probetraining, als ich zwölf Jahre oder vielleicht 13 Jahre alt war. Ich spielte bei SV 07 Bischofsheim in der C-Jugend und wurde dann von der Eintracht eingeladen. Ascheplatz am Riederwald. Die anderen trugen alle Puma King-Fußballschuhe, und ich stand da in meinen alten Galoschen. Da habe ich dann relativ schnell gemerkt: Okay, das könnte eng für dich werden. Drei Tage später habe ich dann auch die Benachrichtigung bekommen, dass es nichts wird mit mir und der Eintracht.

Würden Sie sagen, dass Sie als Zweitligaspieler das Optimale aus Ihrer Spielerkarriere herausgeholt haben?
Definitiv! Zu mir haben alle gesagt, ich sei zu langsam. Hinzu kamen drei Kreuzbandrisse. Ich war im Grunde schon abgeschrieben, als ich aus der A-Jugend herauskam.

Ist es gut für die Trainerwerdung, wenn man als Spieler langsamer war und das Spiel deshalb besser lesen musste, um mitzuhalten?
Das könnte stimmen. Auf der Sechserposition musst du strategisch denken. Wir hatten das große Glück in Mainz, dass wir großartige Trainer hatten. Was Wolfgang Frank mich geprägt hat, können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich kann heute noch seine 14 Lebensgrundsätze auswendig. Zum Beispiel: „Vor jeder guten Tat steht eine Idee“.  Ich wollte deshalb sehr früh schon Trainer werden. Später kam dann „Kloppo“, dann Thomas Tuchel als Chefcoach in Mainz. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr Vater ist Italiener. Was von der Mentalität eines Italieners steckt in Ihnen?
Ich glaube schon, dass ich von der italienischen Emotionalität einiges abbekommen habe. Typisch deutsch bei mir ist sicher das strukturierte Arbeiten. Ich bin sehr ordnungsliebend.

Was bedeutet für Sie Ihr Arbeitsort Mainz und was Ihr Wohnort Frankfurt?
In Frankfurt bin ich abends zum Schlafen, hin und wieder an der Eisdiele oder auf dem Spielplatz in Niederrad. In Mainz bin ich geboren, als Fan groß geworden und habe dort in einer tollen Gemeinschaft Fußball gespielt. Diese Gemeinschaft hat mir sehr viel gegeben. Das verbindet brutal.

Ein Umzug nach Mainz ist kein Thema?
Bestimmte Themen muss man bei Frauen länger ansprechen, um zu überzeugen.

Interview: Jan Christian Müller, Arnd Festerling, Jörg Hanau, Jakob Böllhoff

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