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Feierstunde: Karim Onisiwo traf gegen Schalke zweimal.

Karim Onisiwo

Wiener Spätstarter

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Karim Onisiwo will nach drei Jahren Mainz den Durchbruch schaffen.

Nein, Karim Onisiwo weiß noch nicht, welche Verkleidung er sich für die närrischen Tage zulegt. Es mag in der Jecken-Hochburg Mainz für viele gerade nichts Wichtigeres geben, welches Kostüm zu Weiberfasching oder Rosenmontag angezogen wird, aber bei einer Fußball-Mannschaft, die sich aus Spielern aller Herren Länder und unterschiedlichsten Kulturen speist, ist das Thema dann doch eher zweitrangig. Nur so viel wusste Karim Onisiwo, der Stürmer des FSV Mainz 05, zu berichten: „Ich denke, wir gehen Rosenmontag mit der gesamten Mannschaft auf den Karren!“ Der Österreicher hatte sich natürlich versprochen – und den Wagen gemeint, der die Protagonisten des selbst ernannten Karnevalsvereins Anfang nächster Woche durch die Menschenmassen kutschiert.

Bevor die Profis aber Kamelle unters Feiervolk schleudern, sollen noch drei Punkte aufs Konto kommen. Die Aufgabe bei Hertha BSC (Samstag 15.30 Uhr) ist anspruchsvoll, der Gegner pflegt auch im Berliner Olympiastadion bisweilen eine betont abwartende Spielweise. Defensive Stabilität ist Grundtugend unter dem Ordnungsliebhaber Pal Dardai. Umso mehr wird FSV-Trainer Sandro Schwarz abwägen müssen, ob er nicht derselben Angriffsmasche wie beim 3:0 gegen Schalke 04 vertraut: nämlich mit Onisiwo vorne beginnen, der den Gegner mächtig bearbeitet.

„Seine Körperlichkeit hat uns sehr geholfen“, lobte Kapitän Stefan Bell den Doppeltorschützen des vergangenen Wochenendes, „er hat einige Ringkämpfe gemacht.“ Irgendwann war der rustikale Schalker Abwehrrecke Salif Sané davon so entnervt, dass er sich fast freiwillig auf den Hosenboden setzte. Der 1,88 Meter große und 85 Kilogramm schwere Österreicher, Sohn eines Nigerianers und einer Wienerin, kann enorme Präsenz ausstrahlen. Nur müsste er seine physischen Vorteile viel öfter ausspielen, sonst würde er nicht nach drei Jahren bei den Rheinhessen – er kam im Januar 2016 ablösefrei vom SV Mattersburg – immer noch auf den richtigen Durchbruch warten. 2016/2017 kam er auf noch auf 16, in der Vorsaison indes nur auf acht Einsätze. „Ich war öfter verletzt. Nun habe ich die Vorbereitung mitgemacht, bin richtig fit.“

Vertrag läuft aus

Aber hat es ihn dann nicht besonders gewurmt, von außen mit ansehen zu müssen, wie Neuzugang Jean-Philippe Mateta als Mittelstürmer durchstartet und sich unverzichtbar macht? Und dann erobert Robin Quaison als quirlige, schnelle Ergänzung den zweiten Platz im Angriff. Onisiwo verhehlt nicht, dass ihm das zu schaffen gemacht hat, aber er ist nicht der Typ, um negative Stimmung zu verbreiten. „Ich habe positiv gedacht, auf meine Chance gewartet.“ Schwarz belohnt seinen Einsatz regelmäßig: 16 Mal kam die Nummer 21 bisher zum Zuge, aber gegen Schalke war es erst seine zweite Partie über die volle Distanz. Meist wurde der 26-Jährige bislang als Joker gebraucht, wie elf Einwechslungen belegen. Mittelfristig soll sich daran natürlich etwas ändern.

Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, der Verein besitzt allerdings eine Option, um den ehemals als Linksaußen verpflichteten Offensivallrounder noch eine Saison zu binden. Sportvorstand Rouven Schröder scheint nicht abgeneigt: „Karim ist ein absoluter Teamspieler.“ Und was denkt Onisiwo? „Ich könnte mir das durchaus vorstellen, hier weiterzuspielen, auf jeden Fall. Mainz finde ich gut“, sagte er im jüngsten Stadionmagazin.

Die Spaziergänge am Rheinufer erinnern ihn an seine Kindheit, die er meist mit den Kumpels auf den Donauinseln verbrachte. Ein Eldorado für Wiener Jugendliche, die Abwechslung suchen. Der Umzug nach Deutschland, sagt er, habe ihn reifer und selbstständiger werden lassen. Obgleich Onisiwo auch schon in seiner Heimat den Ernst des Lebens kennengelernt hat: Weil bis 22 gar nicht mal klar war, ob er es überhaupt in den bezahlten Fußball schaffen würde, absolvierte er eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. Wenn er auch keinen Blaumann mehr im Kleiderschrank hat, wäre das vielleicht eine Kostümidee für Rosenmontagszug.

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