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Feiner Techniker: Paul Nebel.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (1)

FSV Mainz 05: Viel Nebel und ein bisschen Sonne

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Rheinhessen stehen mal wieder vor einer hoffnungsvollen, aber auch komplizierten Saison.

Nach Jahren des Zitterns und Bibberns möchte Mainz 05 mal wieder geruhsam durch eine Spielzeit kommen. Aber das dürfte schwierig werden.

Wie ist die Stimmung?

Könnte besser sein. Der späte Klassenerhalt scheint immerhin einige Schweißnähte verstärkt zu haben. Das war auch bitter nötig, weil die Fliehkräfte innerhalb des sehr international besetzten Kaders größer zu werden drohten als der Zusammenhalt. Jüngstes Beispiel: Die wiederholten Verspätungen des abwanderungswilligen Mittelstürmers Mateta, die zwischenzeitlich zur Suspendierung des Franzosen führten. Trainer Achim Beierlorzer hat gespürt, dass er mächtig aufpassen muss, um seine Autorität vor den Spielern zu wahren. Was das Mainzer Umfeld angeht, könnte der Zusammenhalt mit dem Verein enger sein. Zuletzt haben 81 renitente Fans und Vereinsmitglieder dem Klubchef Stefan Hofmann einen Offenen Brief geschrieben. Tenor: Kritik am Auftreten der Mannschaft, Kritik am Gemeinschaftssinn im ganzen Klub, Kritik am Umgang des Profifußballs und explizit auch Mainz 05 mit der Corona-Krise. Der Klub hält mit Fannähe bei mehreren Hof-Festen für die Anhänger und Präsenz in der Stadt dagegen.

Wie stark ist der Kader?

Gute Frage, schwierige Frage. Vergangene Saison glaubte der damalige Trainer Sandro Schwarz nicht zu Unrecht, ein gewachsenes Team könnte einstellige Tabellenplätze angreifen. Auch Sportvorstand Rouven Schröder war optimistisch. Dann verletzte sich Mateta schwer am Knie - und schon im Herbst war Schwarz weg. Diesmal ist das Aufgebot nicht schlechter, aber um dringend benötigtes Geld in die Kasse zu bekommen, soll neben Mateta mindestens einer der beiden Top-Innenverteidiger gehen. Kapitän Niakathé oder Nebenmann St. Juste. Und auch einer der beiden voll bundesligatauglichen Keeper, Müller oder Zentner, soll noch transferiert werden. Dann darf sich der andere Torwart aber nicht wieder, wie vergangene Saison, verletzen oder in ein Formtief geraten

Worauf steht der Trainer?

Als ausgebildeter Pädagoge legt der ehemalige Gymnasiallehrer Achim Beierlorzer Wert auf eine künftig bessere Kommunikation mit dem Mannschaftsrat, mit dem er sich ab sofort einmal im Monat treffen will. In der abgelaufenen Spielzeit hatte der Chefcoach gewisse Erosionsprozesse im Team erst spät bemerkt. Das soll ihm nicht wieder passieren. Sportlich dürfte Beierlorzer voll auf die Viererkette und Doppelsechs setzen. Darin fühlt sich Truppe recht wohl. Beierlorzer weiß: Er ist intern nicht vollkommen unumstritten und muss liefern.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Luca Kilian (SC Paderborn 07), Dimitri Lavalee (Standard Lüttich), Issah Abass (FC Utrecht, Leihe beendet), Ahmet Gürleyen (FC Liefering, Leihe beendet), Gerrit Holtmann (SC Paderborn 07, Leihe beendet), Paul Nebel, Suliman Mustapha (beide eigene U19), Marius Liesegang (1. FSV Mainz 05 II).

Abgänge: Marin Sverko (1. FC Saarbrücken), Alexandru Maxim (Gaziantep FK), Aaron Seydel (SV Darmstadt 98, war zuvor ausgeliehen an den SSV Jahn Regensburg), Jonathan Meier (Dynamo Dresden, Leihe), Ronaël Pierre-Gabriel (Stade Brest, Leihe), Taiwo Awoniyi (FC Liverpool, Leihe beendet), Jeffrey Bruma (VfL Wolfsburg, Leihe beendet).

An der Kommunikation. Weil zu viele der ausländischen Profis keine hörbaren Fortschritte in deutscher Sprache gemacht haben, soll darauf fortan mehr Wert gelegt werden. Das Zauberwort heißt Integration. Auch dafür wurden die Verträge mit den Altmeistern Brosinski und Bell mit erheblichen Gehaltsabschlägen von bis zu mehr als 50 Prozent verlängert. Beide sollen neben dem Platz zumindest ebenso gute Dienste leisten wie auf dem Feld.

Wer sticht heraus?

Neben dem gerade vorgestellten neuen goldenen Ausweichtrikot sorgt vor allem Paul Nebel für Sonnenschein! Der Kerl mit den extrem kurzen Hebeln ist erst 17 Jahre alt und durfte schon vergangenen Sommer unter Schwarz Teile der Vorbereitung als seinerzeit 16-Jähriger absolvieren. Seitdem hat sich das aktuelle Toptalent der hervorragenden Mainzer Nachwuchsarbeit noch mal weiterentwickelt. So weit gar, dass der offensive Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2024 zuletzt im Test gegen den Zweitligisten Würzburg (6:0) der beste Mainzer war. Trainer Beierlorzer ist jedenfalls schwer beeindruckt auch von der Mentalität und Widerspenstigkeit des Technikers.

Die Bundesliga-Tipptabelle der FR-Redaktion für die Saison 20/21

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In Klammern: Platz in der letzten Saison

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Der heißt Jan Lehmann und würde sich in seiner Funktion als Finanzchef sehr freuen, wenn die geplanten Verkäufe zu jeweils zweistelligen Millionensummen klappen sollten. Dann wäre der ganz große Leidensdruck aus der Corona-Krise erst mal raus. Den geplanten Umbau des alten Bruchwegstadions zu einem modernen Trainings - und Geschäftsstellenzentrum hat Lehmann mit Blick auf die Zahlen lieber aufgeschoben. Ein Rückschlag, der wehtut.

Was ist drin?

Alle Teams ab Platz zehn bewegen sich dort, wo auch Mainz 05 sich bewegen kann. Um an einem einstelligen Rang zu kratzen, müsste viel zusammenpassen, um abzusteigen, eine Menge schiefgehen. Also: Der Raum zwischen zehn und 15 ist klassischer Mainz-05-Raum, seit die Höhenflug-Ära Tuchel vorbei ist und Nach-Nachfolger Martin Schmidt immerhin noch einmal einen Europa-League-Platz erreichen konnte. Seitdem: Abstiegskampf Schmidt, Abstiegskampf Schwarz, Abstiegskampf Beierlorzer. Das dürfte so ähnlich bleiben. Zumal gleich zum Saisonstart besonderes Ungemach droht: ein Auswärtsspiel in Leipzig. Bilanz 2019/20 gegen die Rasenballer: 0:13 Tore - 0:8 und 0:5.

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