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Nicht überall Lächeln: Die Mainzer Profis Leon Balogun (links) und Robin Quaison.

Abstiegskampf

Tröstliches von der Basis

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Wie Mainz 05 in unruhigen Zeiten nicht vollends aus der Spur geraten will.

Es gibt gute Nachrichten aus dem Hause Mainz 05. Die zweite Mannschaft ist zwar immer noch Tabellenletzter in der Dritten Liga, sie hat aber unter der Woche überraschend 2:0 beim SV Wehen-Wiesbaden gewonnen. Der Cheftrainer des kriselnden Mainzer Bundesligateams, Martin Schmidt, hat in Wiesbaden erfreut auf der Tribüne gesessen. Schmidt hält einen starken Unterbau für bedeutsam, damit Mainz 05 langfristig oben mithalten kann. Kurzfristig ist das schon schwierig genug. Am Sonntag um 15.30 Uhr, kommt Schalke 04 mit dem vormaligen Mainzer Manager Christian Heidel in die Arena. Es ist ein Duell der Underperformer: Mainz 05 und Schalke 04 sind nach wie vor gefährdet, bis zum Saisonende auf den Relegationsplatz abzurutschen. Beide Mannschaften haben im bisherigen Verlauf der Bundesligasaison keine Konstanz in ihre Leistungen bekommen, in beiden Klubs sind im Besonderen nun auch die Trainer gefordert.

Schmidt setzt auf die Kraft der Ruhe. Dem Schweizer hilft es, dass er die Welt seit jeher nicht nur aus der Sicht eines Fußballtrainers wahrnimmt, sondern schon immer über den Tellerrand hinweg geschaut hat. Der in knapp einem Monat 50-Jährige spürt natürlich den Druck, genau wie seine Spieler. Er sagt: „Die Lebensqualität darf darunter nicht leiden. Es bringt uns allen nichts, wenn wir uns Zuhause einsperren. Den Puls der Stadt zu spüren, ist mir wichtig.“ Also geht Schmidt an freien Tagen nach wie vor in eines der Mainzer Stadtcafés, liest die Politikseiten der Zeitungen und hält Smalltalk. „Nur so kannst du deine Mitte halten.“ Zumal er von den Fans zumeist aufmunternde Worte hört.

So ist es auch den Profis nach der tristen 1:2-Niederlage vom vergangenen Samstag in Darmstadt ergangen, die tags darauf mit bibbernden Knien zu Besuch bei diversen Mainzer Fanclubs waren. Sie hatten befürchtet, sich angesichts des insgesamt bislang enttäuschenden Saisonverlaufs mit dem frühen Aus im DFB-Pokal, dem Scheitern in der Europa League bereits in der Vorrunde sowie dem bislang durchwachsenen Abschneiden in der Liga böse Worte anhören zu müssen. Doch siehe da: Es kam anders, „die Spieler kamen zurück und waren begeistert“, berichtete Schmidt, „sie wurden getröstet und aufgebaut. Der Besuch bei den Fanclubs war ganz wichtig und hat gut getan.“ Gerade zu einem Zeitpunkt, an dem die Spieler in den Zeitungen und Fachblättern regelmäßig zu lesen bekämen, was sie alles nicht können.

Auf die „Kraft des zwölften Mannes“ baut Schmidt auch gegen Schalke. Man darf allerdings gespannt sein, wie Ultra-Gruppierungen darauf reagieren, dass Mainz 05 ihnen nach den Geschehnissen von Darmstadt (Abbrennen von Pyrotechnik, Raketen Richtung gegnerischer Fanblock) nicht mehr aktiv Auswärtstickets besorgen wird. „Wir lassen uns nicht auf der Nase herumtanzen“, hat der Mainzer Vizepräsident Jürgen Doetz den „konsequenten Schritt“ erklärt. Die Ultras vom Q-Block Mainz werden sich die Karten anderweitig besorgen. Ihr Aufruf ist unzweideutig: „Jetzt heißt es für alle, den Arsch hoch zu bekommen und mit Sack und Pack nach Ingolstadt (nächstes Auswärtsspiel am übernächsten Sonntag, die Red.) zu fahren, um dort unsere Mannschaft zum Sieg zu schreien.“ Versehen mit einer Botschaft an den Vorstand der Nullfünfer: „Und erst Recht lassen wir uns dabei nicht von ein paar grauen Männern aufhalten!“ Reaktionen auf die Partie in Darmstadt gab es auch vom Fanprojekt Mainz: Danach sei es „nach dem Spiel am Darmstädter Hauptbahnhof zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Mainzer Fans“ gekommen. „Das Ausmaß der Brutalität des Polizeieinsatzes war für uns neu und wir können uns nicht erinnern, etwas derartiges schon einmal im Rahmen unserer Arbeit erlebt zu haben.“

Es hat, so viel steht fest, schon deutlich geruhsamere Zeiten gegeben bei Mainz 05. „Es ist Abstiegskampf – dessen sollte sich so langsam mal jeder bewusst werden“, verkünden die Ultras, Martin Schmidt will das so noch nicht formulieren. Vor drei Wochen hätten manche noch von Europa geträumt, jetzt würde Abstiegskampf ausgerufen. „Zwischendrin ist die Wahrheit. Wir sind gut beraten, wenn wir nach Siegen nicht mit Fahnen und Trompeten durch die Stadt ziehen und jetzt nicht in Beerdigungsstimmung verfallen. Wir müssen bei uns bleiben und dürfen solche Emotionalitäten nicht an uns heranlassen.“ Unter der Woche hat Schmidt den Sieg von Leicester City gegen den FC Sevilla verfolgt. Er war begeistert von Leicesters „Kraft der Mentalität“. Genauso müssten seine Spieler die eigenen Fans „durch unsere Körpersprache anfeuern“. Die Zweite hat es in Wiesbaden vorgemacht.

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