1. Startseite
  2. Sport
  3. FSV Mainz 05

Torwartdiskussion am Bruchweg

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Nur Präsident Strutz reißt noch Witze: Beim 2:2 gegen Jena fehlten den Mainzern Kampfgeist, Konzentration und ein sicherer Mann im Kasten

Von DANIEL MEUREN

Wenn bei Mainz 05 die üblicherweise so gute Laune weg ist, dann hat der Klub immer noch Harald Strutz. Der frohgemute Präsident des FSV Mainz 05 haut selbst dann einen lockeren Spruch raus, wenn rundherum Tristesse angesagt ist. Am Freitagabend war deshalb mal wieder höchste Eisenbahn für einen Noteinsatz zur Rettung des Mainzer Frohsinns.

Während Trainer Jürgen Klopp seine Mannschaft zu einer kurzen Krisensitzung in der Kabine versammelte, wurde Strutz noch einmal gefragt, welche Rolle der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann in der Vorwoche beim Verkauf des kirchlichen Grundstücks in den Mainzer Äckern gespielt habe, auf dem Mainz 05 bis 2010 ein neues Stadion errichten kann. Strutz sagte, dass das Vereinsehrenmitglied Lehmann sicher seinen Segen gegeben hat, dass es nun aber wichtiger sei "dass unser Karl jetzt für den Aufstieg betet".

Tatsächlich erwecken die Mainzer derzeit den Eindruck, dass sie höheren Beistand nötig haben, um am Aufstiegsrennen endlich wieder als Favoriten teilzunehmen. Beim 2:2 gegen den Tabellenletzten Carl Zeiss Jena offenbarten die Mainzer wie schon in den vorangegangenen Spielen Schwächen, die vermutlich einer sofortigen Rückkehr in die Bundesliga entgegenstehen. Während die Rheinhessen beim glücklichen Auswärtssieg bei Borussia Mönchengladbach wenigstens mit Kampfgeist und Konzentration in der Abwehr überzeugten, fehlte ihnen am Freitagabend jedwede fußballerische Tugend.

Das von Trainer Jürgen Klopp zum "Spiel gegen den Ball" umgetaufte Pressing war nicht mal ansatzweise zu erkennen, temporeiches Konterspiel brachten die Mainzer selbst in der komfortablen Situation einer zwischenzeitlichen 2:0-Führung nach Toren von Markus Feulner (28. Minute) und Miroslav Karhans Elfmeter in der 56. Minute nicht auf den Rasen.

Stattdessen handelten sie sich neben den schmerzlichen Punktverlusten auch noch eine Torwartdiskussion ein, die bis zum Auswärtsspiel am kommenden Montag beim SC Freiburg den Trainingsbetrieb am Bruchweg belasten dürfte. Daniel Ischdonat war nicht nur am ersten Tor alleinschuldig, als er die Freistoßflanke von Jan Simak ins Tor rutschen ließ. Darüber hinaus sah der etatmäßige dritte Torwart der Mainzer, der durch die schweren Schulterverletzungen von Dimo Wache und Christian Wetklo in der Vorrunde zur Nummer Eins aufstieg, auch beim zweiten Gegentreffer schlecht aus. Sami Allagui durfte in der 83. Minute jedenfalls eine Simak-Ecke im Fünfmeterraum weder vom Torwart noch den Verteidigern ernsthaft bedrängt zum 2:2 einköpfen.

"Ich war mir sicher, dass da ein Spieler dran kommt", sagte der auch in weiteren Situationen unsichere Ischdonat. "Ob ich auch Schuld habe, weiß ich nicht, ich war wohl zu lange mit dem Nachdenken beschäftigt." Sein Trainer versuchte unterdessen, der Torwartdiskussion bereits im Vorgriff die Brisanz zu nehmen. "Die einzige Diskussion, die mich interessiert, ist die bei uns in der Kabine", sagte Klopp. Vermutlich wird aber auch dort diskutiert werden, ob nicht der bereits seit zwei Spielen wieder auf der Bank sitzende Kapitän Dimo Wache ins Tor zurückkehren sollte.

Auch interessant

Kommentare