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Viele enge Duelle: In diesem Fall zwischen Dominik Kohr (l.) und dem Mainzer Moussa Niakhate.

Mainz 05

Tiefschlag in bester Phase

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Mainz verliert 0:1 in Leverkusen. Havertz bestraft einen Abstimmungsfehler.

In den Gesichtszügen von Heiko Herrlich war die Befreiung noch nicht erkennbar, als er am Sonntag in den Feierabend verschwand. Aber immerhin sprach der Trainer von Bayer Leverkusen von einer „Riesenerleichterung“, die ihm das 1:0 gegen Mainz 05 verschafft habe, er schwärmte von der „tollen Moral“ seines Teams, das ja am Donnerstag schon einen 3:2-Sieg in der Europa League im bulgarischen Rasgrad erkämpft hatte. Es deutet sich eine Wende an, aber die ersten Saisonwochen, in denen ein ganzes Heer an Experten an seiner Tauglichkeit für diesen Job gezweifelt hatte, sind nicht spurlos an Herrlich vorbeigegangen. Natürlich weiß er genau, dass schon eine Niederlage in Düsseldorf am kommenden Mittwoch die Stimmung wieder kippen kann.

Die Leverkusener hatten ihren Gegner aus Mainz 45 Minuten lang regelrecht demontiert. Sie kombinierten zügig nach vorne, wirkten beweglicher, technisch überlegen und auch wacher. 14 Mal kamen sie vor der Pause zum Abschluss, „die Intensität war hoch, wir hätten zwei, drei Tore machen müssen“, sagte Herrlich. Allerdings war der Mangel an Effizienz erschreckend. Es war deutlich sichtbar, wie sehr das Selbstvertrauen der Leverkusener gelitten hat. Es fehlte Klarheit im Strafraum, „natürlich müssen wir an unserer Chancenverwertung arbeiten“, sagte etwa Defensivmann Sven Bender.

Und wie so oft nach solchen Phasen des verschwenderischen Umgangs mit der eigenen Überlegenheit drohte plötzlich ein Rückstand. Kurz vor der Pause ließ der Leverkusener Torhüter Lukas Hradecky einen eigentlich ungefährlichen Schuss des Mainzers Levin Öztunali genau vor die Füße von Jonathan Burkardt prallen. Der 18-Jährige, zum zweiten Mal nacheinander von Trainer Sandro Schwarz in der Startelf aufgeboten, vergab jedoch zu hastig. 

Lucky Punch verpasst

Ob es nun dieses offensive Lebenszeichen der Mainzer war oder die Pause, in jedem Fall sah das Spiel zu Beginn des zweiten Abschnitts plötzlich völlig anders aus. „Wir hatten fast den Lucky Punch vor der Pause und haben dann in der Halbzeit besprochen, dass wir mutig bleiben müssen. Das haben wir in der zweiten Halbzeit sehr gut gemacht“, sagte Schwarz, der auf einige Stammkräfte verzichten musste. 

Dennoch waren die Nullfünfer nun dominant, der eingewechselte Robin Quaison erzielte sogar einen Treffer, den der Videoassistent allerdings wegen eines vorangegangenen Handspiels annullierte (47.). „Wir hatten die absolute Kontrolle, und dann kriegen wir in unserer besten Phase das Gegentor. Aus dieser Sicht war es eine ärgerliche Niederlage“, sagte der Mainzer Trainer.

Nach einer Flanke von Nationalspieler Julian Brandt traf der immer prachtvoller aufblühende Kai Havertz per Kopf zur 1:0-Führung (62.), die die Leverkusener irgendwie über Zeit schaukelten. Die Mainzer Verteidiger hatten sich in dieser Szene alle auf den kurzen Pfosten orientiert und im Rücken Havertz aus den Augen verloren. Ein fataler Fehler, den der beste Mann auf dem Platz sofort bestrafte. „Mit Blick auf die zwei unterschiedlichen Halbzeiten hatten wir durchaus das Gefühl, hier etwas mitnehmen zu können“, sagte Schwarz. Er hatte zumindest nicht ganz unrecht.

Während in Mainz nach der Pleite keine Unruhe aufkommen wird, werden auch die Diskussionen um Herrlich vorerst etwas leiser werden, verstummen werden sie jedoch erst, wenn das Team Anschluss ans obere Tabellensegment gefunden hat. Vor der Saison hatte Werner Wenning, der Chef des mächtigen Gesellschafterausschusses klar gefordert, dass der Werksklub sich in dieser Saison doch bitte für die Champions League qualifizieren müsse. „Das sage ich auch in Richtung von Heiko Herrlich. Und da ist noch der Traum vom Titel“, hatte Wenning erklärt. Mit diesem Rucksack sind der Trainer und seine Spieler seither unterwegs. Und wer will, kann auch eine gehörige Portion Skepsis gegenüber Herrlich aus den Worten heraushören. (mit dpa/dani)

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