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Johannes Geis (li.): Einer mit Zukunft.

Mainz 05

Schon wie ein Alter

Der 20-jährige Mittelfeldspieler Johannes Geis macht sich und Mainz 05 froh und hat das Zeug zum kommenden Nationalspieler.

Von Jan Christian Müller

Vor einer Woche, beim Mainzer 2:1-Sieg im Schwäbischen, haben sich einige Stuttgarter Reporter droben auf der Pressetribüne mächtig gewundert über einen jungen blonden Mann im Mittelfeld der Null-Fünfer, der das Spiel bestimmte wie ein Alter. Sie erkundigten sich bei den Kollegen, und danach wunderten sie sich noch mehr. 

Denn der blonde Kerl, Johannes Geis heißt er, ist erst 20. Er wurde zu Saisonbeginn für knapp unter einer Million Euro als Perspektivspieler von der SpVgg. Greuther Fürth verpflichtet. Inzwischen hat er alle 18 Ligaspiele der Mainzer mitgemacht, und Thomas Tuchel sagt in dem ihm eigenen Fußballlehrer-Duktus über den defensiven Mittelfeldspieler: „Wir sind alle erstaunt, wenn wir auf sein Geburtsdatum schauen und auf seinen Werdegang, dass er so stabil Wettkämpfe auf dieser exponierten Position bestreitet.“

Anfangs war es nur das Ziel des Neuen gewesen,  „ab und an zu spielen und regelmäßig im Kader dabei zu sein“, jetzt findet er es „richtig schön, dass mir in Mainz der Durchbruch gelungen ist.“

Souverän im Pass- und Stellungsspiel

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, seit Geis das erste Mal in der Bundesliga mitmachen durfte. Er kam mühevoll auf acht Einsätze für die sang- und klanglos abgestiegenen Fürther. Öfter war er in der Regionalliga für die zweite Mannschaft unterwegs – in Memmingen, Rosenheim oder Bamberg. Nachdem der gebürtige Schweinfurter mit nur 17 Jahren und drei Monaten schon für die Spielvereinigung in der zweiten Liga debütiert hatte, sei er in der Aufstiegssaison „in ein kleines Loch gefallen“, berichtet er rückblickend, „das war nicht einfach, ich hatte als 17-Jähriger regelmäßig gespielt und war dann plötzlich nur noch Bankdrücker. Da war dann auch bald das Selbstvertrauen weg. Ich habe ein bisschen an mir gezweifelt, aber mein Papa hat gesagt: „Arbeite weiter hart an Dir!““

Das hat er getan, und zuletzt spielte er mit der Nummer sechs auf dem Trikot derart strategisch geschickt und souverän im Pass- und Stellungsspiel, dass ein Fan auf seiner Facebookseite prophezeite: „Geis MUSS über kurz oder lang in die Nationalmannschaft.“  Ganz so weit ist es natürlich noch nicht, wenngleich der Hochgelobte als aktueller U21-Nationalspieler auch schon in den erweiterten Fokus von Bundestrainer Joachim Löw gerückt ist. „Es war schon als Kind immer ein Traum von mir, in der Nationalmannschaft zu spielen“, sagt Geis, „das ist noch immer mein Traum, aber er ist noch relativ weit weg. Erst einmal muss ich so gut spielen, dass ich nicht mehr wegzudenken bin aus unserer Mannschaft bei Mainz 05. “ 

Einer für Standards

Im Grunde ist es schon jetzt so weit. „Geisi“ hat die Lücke, die der österreichische Nationalspieler Julian Baumgartlinger aufgrund einer Knie-Operation hinterlassen hatte, mit verblüffender Selbstverständlichkeit komplett geschlossen. „Der Junge will jeden Ball, der hat das Herz am richtigen Fleck“, diagnostiziert der Mainzer Manager Christian Heidel. Heidel war seinerzeit erheblich interessierter an einer Verpflichtung des Talents als etwa Eintracht Frankfurt, das sich auch kurzzeitig mit einer Verpflichtung von Geis beschäftigt hatte. Die Mainzer hatten mal wieder den richtigen Riecher, ähnlich wie zuvor bei Nicolai Müller, den sie ebenfalls aus Fürth holten und der inzwischen sogar zweimal bei der A-Nationalmannschaft zum Einsatz kam. Johannes Geis, dessen Vater nahezu bei jedem Spiel vor Ort dabei ist, besitzt alle körperlichen und technischen Voraussetzungen, um es Müller nachzutun. Die Nachmittage beim Torschuss- und Flankentraining mit dem Papa auf dem Sportplatz im fränkischen Oberstreu haben ihren Teil dazu beigetragen.

Sie Standards vom Junior gehören zu den gefährlichsten der Liga, seine Spielanlage ähnelt der von Bastian Schweinsteiger.  „Die 6 ist meine Position, da fühle ich mich pudelwohl“, sagt der robuste Zweikämpfer und sieht Optimierungsbedarf, der von gestiegenem Selbstbewusstsein zeugt:  „Ich will die Mannschaft noch besser auf dem Rasen dirigieren können.“ Und ein paar Tore dürften es gerne auch sein. Für Fürth traf er ausgerechnet im prestigeträchtigen Derby beim 1. FC Nürnberg, für Mainz noch gar nicht, was auch daran liegt, dass er es „in erster Linie“ als seinen Job ansieht, „hinten dicht zu machen“.

Heidel hat den Jungen mit der blonden Haartolle mit einem Vertrag bis 2017 ausgestattet. Das Mainzer Geschäftsmodell beruht auf der Entdeckung junger, noch relativ unbekannter Spieler, die später mit erheblichem Aufschlag verlauft werden. Wenn die Entwicklung von Johannes Geis so weiter geht, dürfte er sich eines Tages hinter Manuel Friedrich, Neven Subotic, Mohamed Zidan, André Schürrle, Adam Szalai und möglicherweise alsbald auch Nicolai Müller einreihen. Aber erst einmal fühlt er sich in Mainz in der Wohnung mit dem Blick auf den Rhein pudelwohl. Erst recht, wenn Freundin Irina nach ihrer Ausbildung aus Nürnberg dazu kommt.

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