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Gefeierte Mainzer Identifikationsfigur: Niko Bungert kletterte am Freitagabend wieder auf den Zaun.

Mainz 05 - SC Freiburg

Routinierte Rückkehr

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Kurz vor dem Karriereende ist Niko Bungert für Mainz 05 noch mal wichtig.

Erfolg kann eine Fußballmannschaft nur haben, wenn sich in ihr unterschiedlichste Charaktere für eine gemeinsame Sache zusammentun. Insofern war es ganz clever, dass Sportvorstand Rouven Schröder aus Sicht des FSV Mainz 05 in der Nachbetrachtung des befreienden 5:0-Kantersiegs gegen den Lieblingsgegners SC Freiburg gar nicht in Lobhudeleien auf den Dreifach-Torschützen Jean-Philippe Mateta einstimmen wollte, der sich mit dem Spielball noch draußen vor der Arena feiern ließ. Statt dessen betonte der 43-Jährige: „Ein Loblied auf Niko Bungert, der seinen Mann gestanden hat, der die Mannschaft geführt und von hinten heraus gepusht hat.“

Den Fokus auf die Rückkehr des Routiniers war deshalb nicht verkehrt, weil allein dessen Präsenz in der Anfangsformation für Rückhalt auf den Rängen sorgte. Als sich der Kapitän anfangs zu einer furchtlosen Grätsche verstieg, brandete ohrenbetäubender Beifall auf; als der 32-Jährige seinen Arbeitstag nach 68 Minuten von Krämpfen geplagt vorzeitig beendete, gab es stehende Ovationen.

Mainz-Trainer Sandro Schwarz: Bungert  „hat den Laden dicht gehalten“

Der seit 2008 für die Nullfünfer spielende Bungert ist weit mehr als sein Stellvertreter Stefan Bell eine Identifikationsfigur an diesem Nischenstandort. „Die Entscheidung ist in der Woche gereift“, erklärte Trainer Sandro Schwarz, der Bell beim Vier-Augen-Gespräch darüber informierte, den Ersatzkapitän nicht mal in den Kader zu nehmen. Bungert habe „herausragend trainiert“ und sei auch im Spiel ein „stabilisierender Faktor“ gewesen: „Er hat den Laden dicht gehalten.“

Selbstverständlich war eine solche Rolle nicht: Weil Bungerts Körper in den vergangenen Jahren oft streikte, bestritt er erst sein viertes Saisonspiel – das zweite von Beginn an. In der Vorsaison war gar kein Einsatz möglich, weshalb er im Sommer seine Karriere beenden und ein Trainee-Programm im Verein durchlaufen wird. Erst kürzlich hatte der Verteidiger diesen Entschluss mit emotionalen Worten erklärt.

An diesem Entschluss werde indes nicht mehr gerüttelt – ganz egal, wie oft er noch gebraucht wird: „Es bleibt dabei, denn das habe ich nicht spontan entschieden.“ 247 Erst- und Zweitliga-Partien hat der gebürtige Bochumer für die Mainzer bestritten, aber der Moment, endlich mal wieder gebraucht zu werden, wird der Sympathieträger in besonderer Erinnerung behalten: „Darauf habe ich Wochen und Monate hingearbeitet.“ Er sei motiviert „bis unter die Fingernägel“ gewesen, und damit mag er so manch einen Mitspieler angesteckt haben.

Mainz 05: Groteske Statistik

Die finale Konsequenz war für die Schlüsselsituationen durchaus nötig: Der Statistikbogen glich einer Groteske, weil alles für die Gäste sprach: 17:9 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 91 Prozent Passquote, 7:2 Ecken, 12:3 Flanken. Nur bei den Fouls (18:7) hatte der Sieger noch die Nase vorne.

„Wir haben die Kurve gekriegt, weil wir gut verteidigt haben“, analysierte Bungert nach einem „schönen Fußballfest“. Ob sich die Festspiele für ihn noch fortsetzen, also ob die Nummer 26 auch beim entthronten Tabellenführer Borussia Dortmund verteidigt, wird eine knifflige Aufgabe für Cheftrainer Schwarz. Sportchef Schröder versprach ganz generell: „Wir haben voll Bock in der vollen Arena nochmal Gas zu geben.“ Vermutlich darf Niko Bungert gleich noch mal aufs Pedal treten.

Schröders Dementi

Rouven Schröder, Sportvorstand des FSV Mainz 05, soll auf der Kandidatenliste von Borussia Mönchengladbach stehen, um den sportlichen Bereich zu erweitern. Der 43-Jährige sagte dazu: „Ich glaube, dass die Spekulationen um Führungskräfte der Bundesliga nicht neu sind. Ich habe in Mainz einen langfristigen Vertrag und hier etwas aufgebaut – das ist Fakt. Ich liebe meine Arbeit bei Mainz 05 – und mehr muss ich dazu nicht sagen.“

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