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Leichtfüßigkeit und Handlungsschnelligkeit sieht er als seine Stärken: Jean-Paul Boëtius (links).

Jean-Paul Boetius

Neustart mit Höhen und Tiefen

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Der Niederländer Jean-Paul Boetius will seiner Karriere im Mainz wieder einen Schub geben.

Der 5. März 2014 war ein Datum, das zur Vita von Jean-Paul Boetius gehört wie die Bundesliga zum deutschen Fußball. Schauplatz für ein Testspiel der niederländischen Nationalmannschaft war an diesem Tag das Stade de France und der Bondscoach Louis van Gaal so mutig, den 19-Jährigen in die Startelf zu stellen. Nach 73 Minuten war Feierabend für den Jungspund Boetius – und Memphis Depay löste den Debütanten ab. Für zwei niederländische Toptalente sollte diese Partie eine Weggabelung sein.

Für den Tempodribbler Boetius, mit sechs Jahren in der Fußballschule von Feyenoord Rotterdam ausgebildet, kam seitdem kein Länderspiel mehr dazu, der Trickser Depay ist inzwischen eine feste Größe in der Elftal und hat kürzlich Mats Hummels und Jerome Boateng schwindlig gespielt. Heute steht der eine beim Weiterbildungsverein FSV Mainz 05 unter Vertrag, der andere beim Champions-League-Klub Olympique Lyon.

Boetius fühlt sich wohl auf der Zehn

Boetius war der sechste und vorletzte Sommerneuzugang der Nullfünfer – und ein typischer Mainz-Transfer. Früh mit Vorschusslorbeeren bedacht, geriet der Werdegang ins Stocken. Der 24-Jährige kickte bereits in Basel und Genk, ehe er 2017 nach Rotterdam zurückkehrte. In der Vorbereitung leistete er sich zwei Dummheiten, einmal verweigerte er sogar ein Training der Ersatzspieler. Giovanni van Bronckhorst, der Cheftrainer und ehemalige Weltklasseverteidiger, kündigte sofort an: „Es wird eine sehr schwierige Geschichte für Jean-Paul.“ Sie endete damit, dass Boetius für 3,5 Millionen Euro Ablöse nach Mainz wechselte.

„Normalerweise mache ich das nicht, aber ich war sehr emotional. Das wird nicht mehr passieren“, versprach er bei seiner Vorstellung am Bruchweg. Die Frohnatur („Fußball muss Spaß machen“) hat jedoch auch in neuer Umgebung schon Höhen und Tiefen durchlebt. Gegen den FC Bayern (1:2) gelang ihm sein erster Bundesligatreffer, gleichzeitig war er am linken Flügel auch derjenige, der taktisch ziemlich überfordert wirkte. Drei Tage später flog er aber nicht aus sportlichen Gründen vor dem Pokalspiel beim FC Augsburg (2:3 nach Verlängerung) aus dem Kader, sondern weil er zu jenem Trio gehörte, das verspätet zu einer Mannschaftssitzung erschienen.

Schwarz gab sich nicht nachtragend, stellte das 67-Kilo-Leichtgewicht mit den schnellen Beinen gegen Werder Bremen (2:1) auf die Zehnerposition. Ein Glücksgriff. Die Nummer fünf gefiel nicht nur mit kreativen Elementen, sondern auch immensen Fleiß. Seine Laufleistung von 12,84 Kilometern war der Höchstwert. 

„In der Jugend habe ich das schon häufig gespielt. In unserer Formation mit Raute ist die Zehn sicher meine beste Position“, sagt Boetius, der nicht an mangelndem Selbstbewusstsein leidet. „Handlungsschnelligkeit, Leichtfüßigkeit, den Key Pass spielen. Das kann ich.“ Tatsächlich scheint die Formation im 4-4-2 gerade für ihn zu passen, und sollte Schwarz diese Anordnung auch für das Auswärtsspiel beim SC Freiburg (Samstag 15.30 Uhr) wählen, dann ist er der erste Anwärter. 

Sein Konterfei hat zuletzt das Cover des Stadionmagazins geziert, wo sich der Holländer als recht lässigen, aber ruhigen Typen vorstellt, der seine Freundin mit nach Mainz gebracht hat. In den Antworten zu abseitigen Fragen fällt eigentlich nur auf, dass er gerne wie Black Panther sein würde, dem schwarzen Superhelden aus dem Reich der Marvel Comics. Ansonsten wird der Profi als wenig abgehoben beschrieben.

Der Sprung in die Bundesliga, heißt es zu einem Bild, auf dem er im orangefarbenen Outfit auf einer Treppe sitzt, sei die nächste Stufe auf seiner Karriereleiter. Aber er wird sich anstrengen müssen, dass es ihn wieder bis in die niederländische Nationalmannschaft führt.

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