Geschäftsstelle und Trainingszentrum

Muss Mainz 05 Baubeginn verschieben?

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Außerordentliche Mitgliederversammlung für neue Geschäftsstelle und Trainingszentrum beim FSV Mainz 05 wegen Coronavirus abgesagt.

Das Coronavirus hat auch bei Fußball-Bundesligist Mainz 05 Schleifspuren hinterlassen. Die Geschäftsstelle fährt im Standby-Modus, Gäste sind bei dem in der Regel besonders gastfreundlichen Verein derzeit unwillkommen. Die Profispieler, die ursprünglich Dienstag den Trainingsbetrieb unter Ausschluss der Öffentlichkeit wieder hatten aufnehmen sollen, wurden mit individuellen Plänen ins Homeoffice geschickt. Und zwar vorerst auf unbestimmte Zeit. „Eine solche Umstellung ist durch die Entwicklungen der vergangenen Tage wichtig und richtig“, so Trainer Achim Beierlorzer. „Natürlich bleiben sowohl Trainerstab als auch medizinische Abteilung weiter im engen Austausch mit unseren Spielern“, die sich in der Nähe aufhalten sollen.

Somit sind unmittelbare persönliche Gespräche über einen möglichen Gehaltsverzicht derzeit noch nicht möglich. Dass der politische und gesellschaftliche und nicht zuletzt auch der unternehmerische Druck in dieser Frage steigt, ist den Verantwortlichen bewusst, auch wenn sie sich in öffentlichen Statements dazu zurückhalten. Das Thema wurde diskutiert. „Unsere Spieler können hierbei eine Rolle einnehmen, es ist aber noch zu früh, darüber zu spekulieren“, hieß es lediglich. Aber auch Mainz 05 ist klar, dass es sich um Individualverträge handelt, die nur mit entsprechendem Entgegenkommen der hochbezahlten Angestellten abgeändert werden können.

Die Strategie der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die Saison zur Not mit Geisterspielen fortzuführen, wird unterstützt. Jeder Klub sei aufgefordert, „denkbare Szenarien zu analysieren und die zur Fortführung der Geschäftstätigkeit erforderlichen Maßnahmen einzuleiten“, heißt es bewusst unspezifisch in einer Pressemitteilung. „Für uns als Verein steht daher zunächst im Vordergrund, unsere Hausaufgaben zu erledigen und wirtschaftlichen Handlungsmöglichkeiten festzulegen“.

Gute Eigenkapitalquote

Die „Bild“-Zeitung fragte sich aufgrund ausbleibender Antworten des Klubs zuletzt: „Droht auch Mainz 05 die Pleite?“ und zählte die Nullfünfer in einer Liste der besonders gefährdeten Klubs auf. Auch in Ligakreisen fällt der Name Mainz 05 in diesem Zusammenhang. Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau reagierten die Rheinhessen offiziell schmallippig und verweisen auf das veröffentlichte Statement ihres Vereinsvorsitzenden Stefan Hofmann: „Je nachdem, wie sich die Situation weiter entwickelt, kann sie existenzbedrohend werden.“ Zu Spekulationen wolle man sich aktuell nicht äußern.

Das klingt erst einmal irritierender, als es womöglich ist, schließlich dürfte jeder Bundesligist, je nach Länge der Pause, irgendwann in eine wirtschaftliche Extremsituation geraten, wenn er die Profigehälter fröhlich weiter bezahlt. „Irgendwann“ ist nur bei dem einen Klub früher als bei dem anderen. Die Mainzer ihrerseits tagen fast unentwegt, um der DFL deren drängendste Frage nach dem „irgendwann“ beantworten zu können.

Bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Oktober bezifferten die jahrelang mit Gewinnen wirtschaftenden Nullfünfer ihr Eigenkapital auf recht stolze 49,5 Millionen Euro, auch das Stadion ist schon recht weit abbezahlt. Fragt sich nur, wie viel des Eigenkapitals langfristig gebunden ist und wie viel Geld somit als liquide Mittel auf dem Girokonto liegen oder kurzfristig abrufbar sind. Eine Antwort darauf blieb der Verein bislang schuldig.

Eine für den 20. April angesetzte außerordentliche Mitgliederversammlung wurde inzwischen abgesagt. Dort wollten die Mainzer das neue Leitbild absegnen und über die millionenschweren Baumaßnahmen für eine neue Geschäftsstelle mit Tiefgarage und ein hochmodernes Trainingszentrum am Bruchweg informieren. Baubeginn sollte im kommenden Januar sein. Möglich, dass diese Investitionen auf später verlegt werden müssen.

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