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Mainzer Jubel nach dem 2:0 durch Jean-Philippe Gbamin (r.)

Mainz 05 - Werder Bremen

Mainzer Befreiungsschlag

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Beim verdienten 2:1 gegen Bremen zeigt Mainz 05 alte Qualitäten.

Unmittelbar nach Schlusspfiff fehlte noch die Kraft zum großen Überschwang. Beinahe ermattet ließen sich die meisten Profis des FSV Mainz 05 auf den Rasen plumpsen, als der Befreiungsschlag am Sonntagabend Wirklichkeit geworden war. Erst die hernach einsetzenden Feierlichkeiten, die in Ausmaß und Phonstärke an die besten Zeiten im alten Bruchwegstadion erinnerten, ließen erahnen, was dieser 2:1 (1:0)-Heimerfolg gegen Werder Bremen in der Arena am Europakreisel bedeutete: eine fast unendliche Erleichterung. 

„Nur so können wir in der Liga bestehen: Fußball spielen und leidenschaftlich kämpfen“, konstatierte Verteidiger Daniel Brosinski, der die spannende Partie gut zusammenfasste: „Wir haben 80 Minuten top gespielt. Dann haben wir noch mal zittrige Knie bekommen und das Ding über die Bühne geschaukelt.“ Tatsächlich kamen die unter dem Strich klar besseren Hausherren nach der 2:0-Führung durch Jean-Philippe Mateta (25.) und Jean-Philippe Gbamin (51.) noch einmal in Bedrängnis, als der eingewechselte Altmeister Claudio Pizarro traf (78.). 

Doch der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder, früher auf der Gegenseite tätig, hatte Recht, als er ohne Umschweife feststellt: „So stellen wir uns vor, Fußball zu spielen. Der verdiente Sieger kann nur Mainz 05 heißen.“ Der gebürtige Sauerländer räumte ein, dass „gewisser Druck auf dem Kessel“ gewesen sei. Sieben sieglose Pflichtspiele hatten am Selbstbewusstsein genagt. „Umso wichtiger war der Sieg. Von mir aus können die Jungs draußen so lange feiern wie sie wollen.“ Die erste Halbzeit sei eine der besten seit langer Zeit gewesen, befand Schröder. Sandro Schwarz lobte die „totale Kontrolle“. Der Cheftrainer stellte vor allem die hohe Laufleistung von 124 Kilometern heraus, um den Siegeswillen er zu erfassen. „Wir hatten das Spiel lange im Griff, sind aber am Ende auf der Felge gelaufen.“ Drei aufreibende Partien binnen acht Tagen hätten eben viele Körner gekostet.

Werder seltsam uninspiriert

Aber auch taktisch machten die Mainzer fast alles richtig. Die Anordnung in einem 4-4-2 mit Raute – eigentlich mal Bremer Markenkern – erwies sich gepaart mit einem geschickten Verschieben und ausgeprägter Zweikampfführung als die geeigneten Mittel, um merkwürdig matte Hanseaten klar zu dominieren. Nur mit der Torausbeute sollte es anfangs noch nicht klappen, als Mateta etwas nach Aaron-Vorarbeit den Ball an die Lattenunterkante hämmerte (10.). Doch nach 25 Minuten durfte die Mainzer Nummer neun dann jubeln, als der 21-jährige Franzose den Ball nach Brosinski-Flanke im Torjägerstil versenkte. Dass der Bremer Abwehrchef Niklas Moisander in besagter Szene ein kapitales Luftloch schlug, stand symbolhaft für die vielen Ungereimtheiten auf grün-weißer Seite. „Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen. Punkt. Aus. Ende“, schimpfte Trainer Florian Kohfeldt. „Wir waren nicht griffig, wir waren nicht wach.“

So viel Lob den Nullfünfern für die couragierte Darbietung gebührte: Den Hausherren spielten die merkwürdig uninspirierte Vorstellung der Gäste natürlich in die Karte. „Wir haben erst die letzten 20, 25 Minuten angefangen, Fußball zu spielen. So reicht es nicht. Wir sind in der Realität angekommen“, gab Maximilian Eggestein zu, der der Grund gewesen sein dürfte, dass Bundestrainer Joachim Löw auf der Tribüne weilte. Auch Löw dürfte sich über eine Werder-Mannschaft gewundert haben, die laut Davy Klassen „einfach schlecht, richtig schlecht“ spielte. Gbamin nutzte mit seinem fast ansatzlosen Linksschuss zum 2:0 die Passivität ein zweites Mal.

Die Bremer versteckten bis auf die Schlussviertelstunde ihre hohen Ambitionen. Florian Zentner bekam die erste Stunde nicht einen richtigen Ball zu halten. Stammtorhüter Florian Müller fällt für vier Wochen aus, weil sich der 20-Jährige am Donnerstagabend im Training eine Innenbandverletzung im Sprunggelenk zugezogen hat. Dass der vier Jahre ältere und etliche Kilo schwerere Vertreter keinen Deut schlechter hält, offenbarte die Schlussphase. Nachdem nämlich Pizarro eine Vorlage von Johannes Eggestein zum Anschlusstreffer verwertet hatte, wankte Mainz kurzzeitig. Zentner war es dann, der gegen den ansonsten weitgehend wirkungslosen Max Kruse den unverdienten Ausgleich verhinderte (82.). Der hünenhafte Keeper kam später mit einem breiten Grinsen vom Feld: „Man hat gesehen, dass jeder wollte. Mit dieser Einstellung werden wir noch mehr Spiele gewinnen.“

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