+
Hatte nicht viel Zeit, sein Team kennenzulernen: Achim Beierlorzer.

Mainz 05

Wechsel für den ersten Dreier

  • schließen

Mainz 05 reist mit dem neuem Trainer Achim Beierlorzer und einer Menge Zuversicht hinüber nach Sinsheim.

Am Montag hat der bis vor kurzem noch beim 1.FC Köln angestellte Trainer Achim Beierlorzer das Kommando am Mainzer Bruchweg übernommen, zwei Tage später beging er in gebotener Kürze und Flüchtigkeit seinen 52. Geburtstag, weitere 48 Stunden später trat er zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit vor die Journalisten, die über den ins Schlingern geratenen Bundesligisten aus der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt berichten. „Es war einiges los“, bekundete der Fußballlehrer am Freitag um die Mittagszeit. Und so ganz nebenbei musste er sich ja auch noch seiner neuen Mannschaft nähern. „Das war schon so eine Art Speed-Dating.“

Der Seitenwechsler, der drei Tage nach seiner Entlassung in Köln bei den Rheinhessen anheuerte und dort den kurz zuvor geschassten Sandro Schwarz ersetzte, musste sich auf die Schnelle ein Bild von seinem neuen Team machen, in die Tiefe konnte er dabei nicht gehen, was angesichts der beschränkten Zeit absolut nachvollziehbar ist. „Ein individuelles Kennenlernen war nicht möglich“, sagte Beierlorzer. „Wir müssen uns erst mal sportlich kennenlernen.“ In absehbarer Zeit soll das aber schon anders sein, dann wird der Franke versuchen, „den Mensch hinter dem Sportler“ zu ergründen. „Das ist außerordentlich wichtig, um Dinge richtig einschätzen zu können.“

Für die erste Partie der Ära Beierlorzer muss er sich auf seine ersten Eindrücke verlassen, am Sonntag geht es für den Mainzer Tross 130 Kilometer gen Süden, in Sinsheim wartet die TSG Hoffenheim auf den Tabellensechzehnten. Eine harte Nuss, die Kraichgauer haben ihre letzten fünf Pflichtspiele allesamt gewinnen können, sind „die Mannschaft der Stunde“, wie Beierlorzer findet. Doch die Nullfünfer gehen voller Zuversicht in dieses eher ungleiche Duell, wollen den ersten Dreier mit neuem Coach. „Wir wollen mutig sein“, führte Beierlorzer aus.

Gerade der Trainerwechsel habe noch einmal neue Kräfte freigesetzt. „Wir haben jetzt den Resetknopf gedrückt und starten noch mal neu“, befand der Coach. Das Spielchen ist fast so alt wie der Fußball selbst: Durch einen neuen Chef werden neue Impulse gesetzt und der Konkurrenzkampf wird neu entfacht; Profis, die ihren Platz sicher hatten, müssen ihn verteidigen, andere, die außen vor waren, wittern ihre Chance. „Vielleicht startet ja einer von der Tribüne direkt auf den Platz durch“, schwadronierte Sportvorstand Rouven Schröder. „Jeder muss sich neu beweisen, das ist positiv fürs Ganze.“

Doch sensationelle Umwälzungen sind eher nicht zu erwarten, Beierlorzer wird nicht alles holterdipolter umwerfen und auf den Kopf stellen. Das hat viel mit seinem Vorgänger zu tun. „Sandro Schwarz ist ein Fußballfachexperte“, betonte der Nachfolger. „Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass jetzt alles abweicht. Die, die gespielt haben, standen ja nicht umsonst auf dem Platz.“ Doch natürlich gehe es für alle Akteure nun darum, „ein Ausrufezeichen zu setzen und sich zu präsentieren.“ Klare Sache.

Dass die Trennung vom Mainzer Urgestein Sandro Schwarz nicht für alle Protagonisten reibungslos verlief, erzählte jetzt Routinier Daniel Brosinski: „Wir alle hatten eine enge Bindung zu Sandro, er ist als Mensch einwandfrei. Er hat nicht nur den Verein, sondern auch uns Spieler gelebt und geliebt. Was in den Stunden nach der Entlassung in der Kabine abgelaufen ist, war noch sehr emotional. Das ist kein schönes Erlebnis. Es hat in der Länderspielpause noch ein paar Tage gedauert, um das verarbeiten zu können.“

Dass Nachfolger Beierlorzer nicht bei allen Fans wohlgelitten ist und für viele offenbar nicht als Lieblingstrainer durchgeht, ficht den früheren Mathelehrer nicht an. „Die Meinungsfreiheit ist außerordentlich wichtig in unserer Gesellschaft.“ Es bringe ja nichts, sich über Ansichten den Kopf zu zermartern, die er nicht beeinflussen könne. „Denn was ich nicht beeinflussen kann, sollte mich auch nicht beschäftigen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion