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Abgedrängt: Der Mainzer Karim Onisiwo (links) im Laufduell mit dem Gladbacher Denis Zakaria.

Mainz - Mönchengladbach 1:3

Mainz verliert zu schnell den Kopf

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Psychologisch knifflige Situation: Erstmals seit dem Aufstieg 2009 auf Abstiegsplatz.

Im Jahr 2009 ist Mainz 05 nach einem Jahr in Liga zwo wieder zurück in die Bundesliga gekehrt. Seitdem haben die Rheinhessen unter den Trainern Thomas Tuchel, Kasper Hjulmand, Martin Schmidt und Sandro Schwarz nie auf einem Abstiegsplatz gestanden. Bis zu diesem Wochenende, aus dem die Nullfünfer nach dem 1:3 (1:1) gegen Borussia Mönchengladbach als Tabellenletzter gegangen sind. Hinzu kommt das Aus in der ersten Runde im DFB-Pokal beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern, der eine Woche nach dem 2:0 gegen Mainz 0:3 gegen Eintracht Braunschweig verlor. Das nur zur Einordnung.

Auffällig: Die Mainzer kassierten sieben ihrer acht Gegentore – beide in Kaiserslautern, drei beim 0:3 in Freiburg, zwei der drei beim 1:3 gegen Gladbach – in den erweiterten Schlussphasen der jeweiligen Partien. Sandro Schwarz glaubt indes nicht, dass das mit fehlender Kondition oder zu aufwendiger Spielweise zu tun haben könnte: „Das ist keine Frage der Körner.“ Fakt ist allerdings, dass Kapitän Danny Latza sich am Samstag in den letzten zehn Minuten mit hartnäckigen Krämpfen quälte und so keine Hilfe mehr sein konnte. Das ist selbst bei hohen Temperaturen ungewöhnlich für einen etablierten Bundesligaspieler, zumal es zwei Trinkpausen gab.

Der Saisonstart droht nun ein völlig verkorkster zu werden. Nächste Woche steht das Auswärtsspiel ausgerechnet beim FC Bayern an. Dann kommt die zweiwöchige Länderspielpause. Psychologisch ist das eine komplizierte Situation für alle Beteiligten. Wahr ist aber auch, dass Mainz 05 weder in Freiburg noch gegen Mönchengladbach und schon gar nicht in Kaiserslautern die fundamental schlechtere Mannschaft gewesen wäre. Gegen die Borussen gelang den Gastgebern vor 28 000 Zuschauern phasenweise ein konsequentes Pressing, das allerdings bei 30 Grad in der Sonne viel Kraft kostete. Zu viel Aufwand für zu wenig Ertrag, so viel steht fest.

Müller patzt doppelt

Hinzu kam, dass der Mainzer U21-Nationaltorwart Florian Müller das vom eingewechselten Gladbacher Breel Embolo herausgearbeitete Freistoßtor durch Allassane Plea (77.) durch die Hosenträger rutschen ließ und das 1:3 durch Embolo (79.) ins kurze Eck durchließ. Das sollte einem Mann seiner Qualität nicht passieren. Einen Mann von der Klasse und Zielstrebigkeit Embolos hatten die Mainzer nicht in der Hinterhand. Die 05-Angreifer Robin Quaison, immerhin Torschütze zum 1:0, und Karim Onisiwo waren stets bemüht, aber in einzelnen Situationen nicht draufgängerisch und durchsetzungsstark genug. Im Mittelfeld wusste zudem 7,5-Millionen-Mann Edimilson Fernandes nicht allzu viel mit der Achterposition in der Raute anzufangen. Er habe das lange nicht gespielt, erklärte der Schweizer im Nachgang, und müsse sich erst wieder daran gewöhnen. Das sollte besser nicht allzu lange dauern.

Auffällig ist zudem, dass die Mainzer es in allen drei Spielen nicht geschafft haben, auf Rückstände mit kühlem Kopf zu reagieren. Sowohl in Kaiserslautern als auch in Freiburg und gegen Mönchengladbach ging die bis dahin gute Struktur komplett verloren, den Gegnern boten sich riesige Löcher im Mittelfeld und somit einfache Kontergelegenheiten. In Freiburg fielen drei Gegentore binnen sieben Minuten, gegen Gladbach zwei in 120 Sekunden. „So ein Doppelschlag darf nicht passieren“, ärgerte sich Schwarz, dem auch das gemeinsame Abendessen mit Kumpel Marco Rose nicht sonderlich gemundet haben dürfte. Der Gladbacher Trainer freute sich, dass seine Mannschaft sich mit diesem mühsamen Sieg ein Stück „Überzeugung“ für die nächsten Aufgaben geholt habe. Genau diese Verstärkung fehlt Mainz 05 nach sechs anstrengenden Wochen der Vorbereitung und dreimal 90 Minuten in Pokal und Bundesliga.

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