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Nicht so glücklich wie manch Mainzer Fan: Robin Quaison.

Mainz 05

Kunterbunte Klamotte

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Der FSV Mainz 05 bietet bei der Deutung der 1:5-Klatsche gegen Leverkusen eine Vielfalt wie auf seinen Fastnachtstrikots.

Irgendwie wollten die Mienen der Mainzer Protagonisten direkt nach Abpfiff nicht so recht zur Schunkelstimmung des Publikums passen. Daniel Brosinski kratzte sich verlegen im Haar, Robin Quaison verzog die Mundwinkel, Gerrit Holtmann senkte den Kopf: Dieses Bild stellte der FSV Mainz 05 in der Nachbetrachtung der 1:5-Abreibung gegen Bayer Leverkusen übers Wochenende auf seine Homepage. Am Flutlichtfreitag hatte nämlich ansonsten zu viel Frohsinn geherrscht. Die Fans sangen und klatschten, als habe die Anzeigetafel etwas zwischen Gast und Gastgeber verwechselt.

Die Fankurve verlangte zuvorderst FSV-Trainer Sandro Schwarz keine allzu kritische Aufarbeitung ab. „Kompliment an die Zuschauer, die ein sehr gutes Gespür für meine junge Mannschaft bewiesen haben“, betonte der Coach, doch einige seiner Akteure wollten sich in der auf Jubel. Trubel und Heiterkeit getrimmten Atmosphäre nicht zu Fehlinterpretationen verleiten lassen. „Wir haben den Gegner zum Toreschießen eingeladen. Wir dürfen es uns nicht zu gemütlich machen“, warnte Verteidiger Brosinski mit Blick auf die zweite klare Niederlage nach der 0:3-Abfuhr beim FC Augsburg.

Erstaunlich aber, dass einige Mitspieler den Fakt, binnen sechs Tagen acht Gegentore eingeschenkt bekommen zu haben, als nicht besonders besorgniserregend empfanden. „Wir sind für kleine Fehler im Ballbesitz bestraft worden. Aber die erste Halbzeit war eigentlich ganz gut“, sagte Verteidiger Stefan Bell.

Mal abgesehen davon, dass der Kapitän mit seinen Defiziten im Antritt in den ungleichen Eins-gegen-Eins-Duellen am unglücklichsten wirkte, sprach der Halbzeitstand von 4:1 für Leverkusen eine ganz andere Sprache. Aber vielleicht wollten die Kicker in den blau, gelb, rot gemusterten Trikots, die der selbsternannte Karnevalsverein bereits mehr als zwei Wochen vor dem närrischen Treiben trug, die zweithöchste Heimniederlage ihrer Bundesliga-Geschichte in ähnlicher Vielfalt wie ihre kunterbunten Klamotten interpretieren.

Schwarz-Plan geht nicht auf

Schwarz hatte seinen Teil zum hohen Unterhaltungswert dieser Begegnung ganz bewusst beigesteuert. „Wir haben uns für einen aktiven Spielstil entschieden. Unsere Idee war mit einem hohen Risiko behaftet.“ Hohes Pressing, frühes Anlaufen, um selbst die Leverkusener Lücken zu nutzen. Ein Plan, der nicht aufging, denn diese Ausrichtung ging zu Lasten der defensiven Kompaktheit. Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Selten lief die Mainzer Mannschaft derart krass Ball und Gegner hinterher wie am vergangenen Freitag.

„Das kann schon mal passieren, wenn man sich die Leverkusener Truppe so anguckt“, sagte Rouven Schröder. Der Sportvorstand der Nullfünfer sah „keinen Grund zur Panik, wir werden das richtig einordnen“. Gewiss, die nächsten Begegnungen beim VfL Wolfsburg am 16. Februar und gegen den FC Schalke 04 am 23. Februar dürften eher wieder auf Augenhöhe geführt werden. Trainer Schwarz möchte bis dahin „die Sinne fürs Defensivverhalten schärfen“. Dann dürfte auch Mittelfeldabräumer Jean-Philippe Gbamin wieder mitwirken, der nach einer Erkrankung noch kein Kandidat für anspruchsvolle 90 Minuten war.

Für ihn stand überraschend Leandro Barreiro in der Mainzer Startelf. Der 19-jährige Bundesligadebütant hatte erkennbare Schwierigkeiten, bei Spieltempo und Handlungsschnelligkeit mitzuhalten, aber Schwarz machte den ersten Luxemburger in der Bundesliga seit knapp zwei Jahrzehnten – der letzte war der lauterer Jeff Strasser – trotzdem nicht als Schwachpunkt aus. „Er hat die Woche gut trainiert, bringt eine gute Passqualität mit.“

Letztlich ließ sich der Eindruck aus dem Training nicht mit den erhobenen Daten im Wettkampf unterfüttern: Der Novize verbuchte lediglich 39 Ballkontakte – für einen zentralen Mittelfeldspieler ziemlich wenig. Und seine elf Fehlpässe bei 25 Versuchen waren eindeutig zu viel. Wofür Barreiro am wenigsten konnte: Nach einem Zusammenprall mit ihm zog sich der ehemalige Mainzer Julian Baumgartlinger einen Nasenbeinbruch zu und verließ erkennbar schlecht gelaunt seine alte Wirkungsstätte.

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