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Levin Öztunali (l) und Freiburgs Janik Haberer kämpfen um den Ball.

Mainz 05

Gezwungen kompliziert

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Warum Mainz 05 dem SC Freiburg zwar unglücklich, aber doch auch nicht unverdient 1:2 unterliegt.

Es sind oft die kleinen Dinge, die Fußballspiele entscheiden. Was im nun folgenden Fall auch für die Körpergröße gilt: Die liegt beim Freiburger Chang-hun Kwon offiziell bei 1,74 Meter, was vermutlich heillos übertrieben ist. Im Auswärtsspiel bei Mainz 05 ergab es sich nach einer knappen halben Stunde, dass der winzige Südkoreaner in ein Kopfballduell mit dem Mainzer Innenverteidiger Alexander Hack gezwungen wurde. Hacks Ausmaße von den Fußsohlen bis zur Scheiteloberfläche werden offiziell mit 1,93 Metern angegeben, was keinesfalls untertrieben erscheint. Jedenfalls konnte Zwerg Kwon den Luftkampf gegen den Riesen Hack knapp für sich entscheiden, im weiteren Verlauf erzielte er die 1:0-Führung. Bald darauf folgte das 2:0 durch Nils Petersens 84. Pflichtspieltor, womit der Mittelstürmer den Bundestrainer Joachim Löw endgültig als Freiburger Rekordtorschützen von Platz eins verdrängt hat. Das nur nebenbei.

Am Ende, und das war fraglos wichtiger, gewann der SC Freiburg 2:1 bei einem verzweifelt anrennenden FSV Mainz 05, was unter anderem dafür sorgte, dass SC-Trainer Christian Streich gut gelaunt im nahen ZDF-Sportstudio auf dem Lerchenberg erschien und dort einen noch gelungeneren Auftritt hinlegte als zuvor seine Mannschaft in der Mainzer Fußballarena. Die hatte zum Ende hin nur noch den Gegentreffer von Jean-Philippe Mateta zugelassen. Während sich Streich freute, dass der Abstand zum Tabellenkeller damit für Freiburg gewahrt bleibt, muss sich der geschätzte Kollege Achim Beierlorzer nun damit beschäftigen, die vormals gute Winterstimmung hochzuhalten.

Denn Werder Bremen ist den Nullfünfern nun bedrohlich auf den Pelz gerückt, Beierlorzer klingt fast beschwörend, wenn er nach der insgesamt vermeidbaren Niederlage schon eine Woche weiter denkt und vor der kommenden Auswärtsaufgabe in Mönchengladbach sagt: „Wir brauchen unser Selbstvertrauen, das dürfen wir uns nicht nehmen lassen.“ Will heißen: „Wir dürfen Plea und Thuram nicht ständig in unserem Strafraum rumturnen lassen.“ Das gilt dann natürlich auch fürs nächste Heimspiel gegen den FC Bayern, was aufzeigt, wie unkomfortabel die Mainzer Situation durch das Null-Punkte-Spiel gegen Freiburg geworden ist.

Dort, im Breisgau, „deutet nun einiges darauf hin, dass wir ein weiteres Jahr in der Bundesliga bestehen können“, formulierte Streich in gebotener Bescheidenheit. Diese Gewissheit gibt es bei Mainz 05 keinesfalls. Trainer Beierlorzer ärgerte sich zurecht über die im Vergleich zu den coolen Freiburgern frappierend schwächere Aufwands-und-Ertrags-Rechnung. „Die Effizienz von Freiburg würden wir uns wünschen.“ Auch der große Hoffnungsträger Mateta trug zur Ineffizienz bei. Seine beste Chance, fein herausgespielt, wurde vom guten Torwart Alexander Schwolow zunichte gemacht. Fast im Gegenzug fiel das 0:1. Insgesamt mangelte es dem Mainzer Spiel gegen diesen ekligen Gegner auch an Präzision im Aufbau. Vor allem Rechtsverteidiger Ronael Pierre Gabriel, überraschend in der Startelf, und Eigengewächs Alexander Hack, der den Vorzug vor Millionenmann Jeremiah St. Juste erhielt, fielen dabei auf, auch die zentralen Mittelfeldspieler Ridle Baku, Kunde Malong und Jean-Paul Boetius verloren zu viele Bälle, und am Ende, als es Beierlorzer verzweifelt mit den drei Mittelstürmern Mateta, Robin Quaison und Adam Szalai versuchte, prallten die Angriffsversuche allzu oft von den Freiburger Maurermeistern um Nationalspieler Robin Koch ab.

„Wir haben ein bisschen zu kompliziert gespielt und zu viel über die Mitte“, rügte Torwart Robin Zentner. Coach Beierlorzer konnte das gut begründen: „Die Freiburger haben unsere Außen komplett rausgenommen und so dafür gesorgt, dass wir kompliziert spielen mussten. Einfach ging nicht.“

Und doch bleibt, dass Mainz ein solches Spiel in der gegenwärtigen Situation nicht verlieren darf. „Wir müssen einfach die Null öfter mal halten“, ärgerte sich Keeper Zentner über zwei Gegentreffer, bei denen seine Vorderleute es dem Gegner viel zu leicht gemacht hatten. Zusammen mit Werder sind die Mainzer nach nur einem einzigen Saisonspiel ohne Gegentor – jenem 5:0 in Bremen kurz vor Weihnachten – nun Top in der Schießbudentabelle der Liga. Sie müssen lernen, die kleinen Dinge konzentrierter zu erledigen.

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