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Viel unterwegs: Jean-Paul Boetius (Nummer 5) und Kollegen.

Bundesliga

Mainz 05 schafft den Umbruch

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Sportchef Rouven Schröder freut sich über den gelungenen Umbau in der Mainzer Mannschaft.

Die Drohnenaffäre um Werder Bremen vor dem Spiel am Mittwoch gegen die TSG Hoffenheim dürfte in der wechselvollen Bundesligahistorie lediglich als Fußnote vermerkt werden. Aber da sie, inklusive der Ermittlungen der Polizei, noch recht frisch ist, zudem reichlich viel medialen Staub aufwirbelte und Hoffenheims nächster Gegner Mainz 05 heißt, sind auch die Nullfünfer vor drängenden Fragen nicht verschont geblieben.

So viel steht fest: Die TSG wird ihr Abschlusstraining im wunderschönen Trainingspark in Zuzenhausen am Samstag vor dem Spiel am Sonntag (18 Uhr) gegen die Rheinhessen unbelästigt von unbemannten Flugkörpern absolvieren können. Es war natürlich nur ein Witzchen, als 05-Trainer Sandro Schwarz am Freitag feierlich bekanntgab, er habe keinen geringeren als Colt Sievers beauftragt, „mit seinem Raketenrucksack“ über das Hoffenheimer Klubgelände zu entschweben: „Der ist dort 70 Minuten in der Luft und kommt dann zurück nach Mainz.“ Die Jüngeren müssen dazu wissen: Sievers war der Held einer US-TV-Serie in den 1980er Jahren. Zu einer Zeit, als TSG-Trainer Julian Nagelsmann noch an den Weihnachtsmann glaubte. 

Grundsätzlich ist das Ausspähen gegnerischer Übungsabläufe in Zeiten des Ganzgeheimtrainings zu einem Expertenbusiness geworden, dessen sich eigens beauftragte Spezialisten in Tarnkleidung anzunehmen pflegen. Der Einsatz einer Drohne ist dabei neu, alles andere, inklusive listiger Aufnahmen mit versteckter Kamera, dagegen nicht. Der Mainzer Sportchef Rouven Schröder gehörte einst zu den gefürchtetsten Spähern des deutschen Lizenzfußballs. „Ich habe selbst als Scout gearbeitet und bei gegnerischen Trainingseinheiten vorbeigeschaut“, berichtete der 43-Jährige, findet aber, dass aus der Drohnen-Affäre ein etwas übertriebener Hype gemacht wurde. 

Das mag richtig sein, aber Schröder weiß natürlich auch, dass das Bundesligabusiness nur allzu gerne hyperventiliert, gerade dann, wenn Außergewöhnliches passiert. Grundsätzlich mochten die Mainzer nicht dementieren, dass Gegnerüberwachung bei deren Abschlusstraining, so Chefcoach Schwarz, „situativ vorkommen kann“. Gerade dann, wenn ein Gegner in den Wochen zuvor ständig Taktik und Spielsystem verändert hätte, seien derartige detektivische Nachforschungen eventuell angeraten, könnten aber auch leicht zu Überinterpretationen führen: „Der andere Trainer kann auch eine Lunte legen.“

Mainz: fünf neue Stammkräfte

Grundsätzlich sind sie am nicht ganz unkomplizierten Bundesligastandort Mainz schon vor dem Hinrundenultimo zufrieden mit dem vergangenen Halbjahr. Die Rheinhessen stellen eines der jüngsten Teams der Liga, Sportvorstand Schröder ist froh, im Sommer einen „Umbruch“ weitgehend unfallfrei umgesetzt zu haben: „Sandro hat das wunderbar hingekriegt.“ . Gleich fünf Neue sind zu Stammspielern geworden: Moussa Niakhate (22), Aaron Martín (21), Pierre Kunde (23), Jean-Philippe Mateta (21) und Jean-Paul Boëtius (24). „Wir haben Spieler geholt, die sich auch über Ballbesitz definieren, da sind wir viel besser geworden, die Spieler bekommen dadurch auch mehr Selbstvertrauen.“ 

 Der Einkauf älterer Herren wie in den Wintertransferperioden der beiden vergangenen Jahre, als Bojan Krkic und Nigel de Jong kamen und bald wieder gingen, ist diesmal nicht geplant. „Wir wollen verstärkt junge Leute selbst ausbilden und nachschieben“, sagt Schröder, „wir sind bereit, im Talentebereich noch zuzulegen.“ In dieser Saison schafften es Ahmet Gürleyen und Jonathan Burkardt aus dem eigenem Nachwuchs in die Bundesliga, allerdings nur vorübergehend für eine Handvoll Spiele. Sie folgten damit Mittelfeldspieler Ridle Baku, dem Schröder eine große Karriere voraussagt, den Torhütern Robin Zentner, Jannik Huth und Florian Müller und Verteidiger Alexander Hack. Gute Jungs allesamt. Aber noch nicht sehr gut.

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