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Traf gleich drei Mal für Mainz: Robin Quaison.

Mainz 05 zerlegt Werder Bremen

Mainz macht dem Namen alle Ehre

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Der beschwingte FSV Mainz 05 feiert einen furiosen 5:0-Auswärtssieg beim desolaten SV Werder Bremen.

Es ist fast schon Gewohnheit, dass der FSV Mainz 05 bei seinen Heimspielen immer ein bisschen flunkert. Um den Nullfünfer-Markenbegriff zu unterstreichen, wird bei der Meldung der eigenen Zuschauerzahl immer eine Zahl mit „05“ verkündet. Am Dienstagabend machte der selbst ernannte Karnevalsverein aber keinen Scherz, als er mit einem bemerkenswerten 5:0 (4:0)-Auswärtssieg beim SV Werder dem Namen alle Ehre machte.

Die bemerkenswert selbstbewusst auftrumpfenden Gäste hatten ihren wehrlosen Gegner wie Knecht Ruprecht ungezogene Kinder bestraft. Der überragende Robin Quaison (10./19. und 38.), Jiri Pavlenka mit einem kuriosen Eigentor (15.) und der eingewechselte Jean-Philippe Mateta (82.) sorgten unter weitgehend entsetzten 37 720 Augenzeugen am Osterdeich für den höchsten Saisonsieg der Mainzer.

Für das von ehemaligen Bremer Kaderplaner Rouven Schröder zusammengestellte Ensemble fühlte sich das fast dritte Erfolgserlebnis unter Neu-Trainer Achim Beierlorzer prächtig an. Der Erfolg erinnerte an den Einstand des kernigen Franken beim 5:1 gegen die TSG Hoffenheim. „Seit vier Wochen habe ich eine willige offene Mannschaft vorgefunden, die viel Potenzial hat. Wenn wir es so machen, werden wir die Klasse definitiv halten“, sagte Beierlorzer. Abermals kam der 52-Jährige ohne jedes Triumphgeheul aus, dabei hat er sich ja das richtige Konzept ausgemacht, um Werder zu zerlegen: In einer 4-2-3-1-Formation setzten die Nullfünfer ihre fünf Nadelstiche mit chirurgischer Präzision.

Perfekt wäre die Halbjahresbilanz, sollte sich im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen der Trend noch fortschreiben lassen. „Wir waren im Ballbesitz ruhig und effektiv: Für mich war das wieder ein Spiel, das zeigt, wie verrückt der Fußball ist“, erklärte Schröder. „Die Mannschaft hatte das Gefühl, hier geht richtig was.“ Für Taktgeber Jean-Paul Boetius war das Plus an Geschwindigkeit, Laufbereitschaft und Durchsetzungsvermögen entscheidend: „Wir hatten die höhere Qualität.“ Und Vorlagengeber Adam Szalai formulierte recht treffend: „Wenn man Eier zeigt, kommt so etwas heraus.“

Die griffigen Gäste gewannen anfangs gefühlt jeden Zweikampf, wirkten viel entschlossener und handlungsschneller. Nach zehn Minuten gab der von Levin Öztunali freigespielte Quaison die Initialzündung zum fröhlichen Schützenfest. Beim zweiten Treffer lenkte Milos Veljkovic die Kugel an den eigenen Pfosten, der Ball sprang an den Rücken des unglücklichen Torwart Pavlenka und über die Linie. Danach durfte noch zweimal der quirlige schwedische Nationalspieler Quaison treffen, erst von Boetius, dann von Szalai bedient.

Und am Ende setzte sich auch Mateta mit seinem ersten Saisontreffer noch in Szene. Die aus der Mannschaftskasse mit einer Spende für Bier und Bratwurst verwöhnten 300 mitgereisten Mainzer Fans skandierten unter dem Dach der Westkurve: „Null fünf, null fünf.“ Ihre Bescherung schien eine Woche vor Heiligabend vorgezogen.

Die Hanseaten hingegen bewegten sich „im wichtigsten Spiel der vergangenen zwei Jahre“ (Geschäftsführer Frank Baumann) im Auflösungsmodus über den bestens gepflegten Hybridrasen. „Ich spare mir eine fußballerische Erklärung: Das war eine unerklärliche, katastrophale Leistung“, räumte Florian Kohfeldt ein. Er müsse eine Nacht drüber schlafen, beschied der angeschlagene Werder-Trainer. „Das war indiskutabel in allen Belangen.“ Von niemand sei etwas gekommen. Die Distanz, die der Coach auf einmal zu seinen Akteuren aufbaute, schien plötzlich riesengroß. Dass sich Bremens Berufsfußballer offenbar in der Kabine entschuldigen, „hilft hinterher keinem“, giftete Kohfeldt. „Diese Leistung kann man sich gar nicht vorstellen – das war gar nichts.“

Natürlich denke er auch über sich nach, doch eines könne er versprechen: „Ich werde hier nicht weglaufen, definitiv nicht.“ Ihm hätten die Fans in der Kurve zugerufen, weiterzumachen. Auch Geschäftsführer Frank Baumann erneuerte das Bekenntnis zu seinem vertraglich bis 2023 gebundenen Trainer-Eigengewächs: „Wir diskutieren mit ihm, nicht über ihn. Wir sind überzeugt, dass wir mit ihm da rauskommen.“ Dennoch wird nun das Auswärtsspiel beim 1. FC Köln am Samstag zum Lackmustest für solche Lippenbekenntnisse.

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