+
Sandro Schwarz will mit den Mainzern raus aus der Ergebniskrise.

FSV Mainz 05

Kein Liebesentzug

  • schließen

Trainer Schwarz fordert in einer frustrierenden Phase wieder die Mainzer Tugenden ein - was ihm aber schwer fällt.

Von einer ernsthaften Erkrankung war bis zum gestrigen Tage nichts bekannt. Keine Erkältung, kein Fieber, nicht mal Heiserkeit. Sandro Schwarz hat keine der nicht-öffentlichen Trainingseinheiten des FSV Mainz 05 versäumt, die im Vorfeld der nächsten Bundesligapartie beim SV Werder (Samstag 15.30 Uhr) abgehalten werden. Gleichwohl brach dem Fußballlehrer zwei Tage zuvor auf der Pressekonferenz immer wieder die Stimme weg. Nur mühsam presste der Fußballlehrer die Sätze hervor, die in krächzenden Tonfall fast schon Mitleid erregten. Da half auch alles Räuspern nichts. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist.

Denn als Schwarz noch einigermaßen flüssig reden könnte, stellte er seiner Mannschaft kein gutes Zwischenzeugnis auch. Und monierte wiederholt den „Spannungsabfall“ seiner Spieler. Sechs verlorene Bundesligaspiele mit insgesamt 19 Gegentoren in den vergangenen sieben Begegnungen kommen nicht zufällig zustande. „Das ist gerade keine gute Phase. Das haben wir reflektiert. Es war eine gewisse Selbstzufriedenheit drin“, konstatierte Schwarz. Wie beim Coach die Stimmbänder gestern den Geist aufgaben, haben die Akteure die „letzten paar Prozentpunkte“ vermissen lassen. Fatal für ein Team, das sich trotz eines fußballerischen Fortschritts in dieser Spielzeit über Tugenden wie Einsatz, Leidenschaft und Hingabe definieren muss.

Der 40-Jährige betonte, dass das Problem „nicht das Training“ sei. Dort seien alle Akteure – zumindest diejenigen, die nicht zu Länderspielen abgestellt worden waren – mit Feuereifer am Werke gewesen. Deswegen müsse er bei seinen Jungs „auch keinen Liebesentzug veranstalten“. Und: „Ich habe auch niemals das Gefühl gehabt, dass man mich im Stich gelassen hat.“ Zudem haben Levin Öztunali mit der deutschen U21-Nationalmannschaft oder der schwedische Nationalspieler Robin Quaison (gegen Rumänien und Norwegen erfolgreich) abseits des Alltags am Bruchweg ihre Qualitäten nachgewiesen. „Von jedem einzelnen“ verlangt der Trainer am Samstag eine Ausstrahlung, „dass wir dieses verdammte Spiel gewinnen wollen.“ Sonst könnte es trotz der 30 Punkte noch mal ungemütlich werden. „In den letzten acht Spielen müssen wir wieder das Mainz-05-Gesicht zeigen. In Bremen fangen wir an.“

Sportvorstand Rouven Schröder wird nicht am heutigen Freitag mit in den Flieger steigen, sondern wegen einer Vorstandssitzung erst abends mit dem Auto fahren und vermutlich erst weit nach Mitternacht in Bremen eintreffen. Es ist eine Dienstreise an die alte Wirkungsstätte: Zwei Jahre hat der 43-Jährige an der Seite des damaligen Werder-Geschäftsführers Thomas Eichin als Direktor Profifußball und Scouting die Kaderplanung der Grün-Weißen in einer schwierigen Konsolidierungsphase mitgestaltet, und natürlich verfolgt er aufmerksam, welche Entwicklung sein ehemaliger Arbeitgeber nimmt. „Sie waren sehr mutig, dass sie Europa als Ziel ausgegeben haben. Die größte Qualität ist es, wenn dieser Anspruch dann mit Taten untermauert wird“, lobte Schröder.

Bremen zahlt mehr

Er glaubt aber auch, dass Werder Bremen finanziell im Vorteil sei. Gehälter wie von Max Kruse, Davy Klaassen und wohl bald auch Maximilian Eggestein könne Mainz nicht stemmen, „das würde unser Budget komplett sprengen.“ Die Umgebung könne doch durchaus beflügeln, findet der gebürtige Sauerländer: „In Bremen herrscht eine tolle Atmosphäre, eine sehr besondere Stimmung. Die müssen wir für uns ins Positive drehen.“

Als Mutmacher wirkt der 2:1-Hinspielsieg, als ambitionierte Mainzer pomadige Bremer teilweise an die Wand drückten. Werder hat aber in diesem Jahr noch kein Spiel verloren. Sandro Schwarz zollte dafür seinem Kollegen Florian Kohfeldt großen Respekt: „Er macht eine sehr gute, herausragende Arbeit. Das ist eine klare Handschrift zu erkennen.“

Die gegnerischen Vorzüge seien eine flexible Ausrichtung („4-3-3 oder 4-4-2 mit Raute“), ein starker Max Kruse („müssen wir im Kollektiv angehen“) und viel Erfahrung im Kader. Was spricht dann für die Mainzer? Zuerst einmal die Statistik: Seit fünf Spielen sind die Rheinhessen an der Weser ungeschlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion