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Triumphator: Der Mainzer Anthony Ujah jubelt nach dem 2:0.

Anthony Ujah

Der gute Mensch von Mainz 05

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Anthony Ujah dankt nach seinen beiden Toren in Frankfurt dem Fußballgott von Herzen.

Im Januar 2018 hat der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder eine Entscheidung getroffen. Er investierte 3,8 Millionen Euro, um Anthony Ujah, frisch verheiratet, aus China zurück nach Mainz zu holen. Der im privaten Glück befindliche Stürmer sollte im Abstiegskampf auch Mainz 05 glücklich machen: mit Toren am Fließband. Doch bald zeigte sich, dass der Plan nicht aufgehen würde. Der Nigerianer präsentierte sich zwar als guter Kamerad, aber beileibe nicht als austrainiert. Die Folge: kein einziger Treffer und keine Vorlage zum dennoch geglückten Klassenerhalt. Aufwand und Ertrag standen in einem gerade für Mainzer Ansprüche deutlichen Missverhältnis.

Vor dieser Saison nahm sich Ujah, einst unter Thomas Tuchel in Mainz krachend durchgefallen, von Neuem vor, sich durchzusetzen. Anfangs sah es gut aus. Zwei Tore in den beiden Auftaktheimspielen gegen Stuttgart und Augsburg blieben dann aber für lange Zeit die einzige Ausbeute. Trainer Sandro Schwarz verschob den im Kombinationsspiel und der Balltechnik auffällige Schwächen offenbarenden Angreifer zurück ins zweite Glied. Der Franzose Jean-Philippe Mateta, der Österreicher Karim Onisiwo und der Schwede Robin Quaison waren schlicht besser, Ujah kam meist nur auf ein paar Kurzeinsätze oder blieb gar gänzlich außen vor.

Dank an den Fußballgott

An diesem Sonntag beim Mainzer Auswärtsspiel in Frankfurt durfte der 28-Jährige mal wieder mitmachen. Mit ansehnlichem Ergebnis: Ujah schoss als Stellvertreter des im Abschlusstraining verletzten Quaison beide Tore zum Mainzer 2:0-Sieg. Hinterher wurde der beliebte gute Kerl mit viel Lob bedacht, das von Herzen kam. „Es gibt keinen, der Tony das nicht gegönnt hat. Wenn sich das einer verdient hat, dann er“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder und bezeichnete Ujah im selben Atemzug als „Top-Charakter“ sowie „vorbildlichen Sportsmann“. Trainer Schwarz stimmte vorbehaltlos zu. Es sei ihm gerade im Fall des Nigerianers schwergefallen, dem Spieler immer wieder zu erklären, weshalb er so oft nicht spiele. Denn Ujah offenbare ein „hohes Verantwortungsbewusstsein“ für die Gruppe, „er ist einer, der auf Menschen zugeht, um ihnen zu helfen“. Insoweit hat sich Sandro Schwarz am Sonntag besonders gefreut, dass Ujah sich selbst belohnt hat in Frankfurt.

Entsprechend breit lächelnd kommentierte der Strafraumstürmer das in der Arena im Stadtwald Erlebte am Ende einer für ihn „schweren Saison“. Er habe, seit er am späten Samstagabend vom Trainer erfuhr, dass er spielt, „viel gebetet“. Gebete, die erhört wurden. Ergo ist Ujah „dankbar, dass mir der Fußballgott geholfen hat“, denn: „Alles, was kommt, kommt von Gott.“

Oder, ganz und gar weltlich, vom Trainer. Sandro Schwarz ließ durchblicken, dass er den Offensivmann auch kommenden Samstag im letzten Saisonspiel gegen die TSG Hoffenheim aufbieten wird. Denn die beiden Tore in Frankfurt und der positive Gesamteindruck als Mensch mit besonderer Sozialkompetenz fließe in die Entscheidung mit ein, „ohne deshalb eine Garantie zu geben“. Garantiert kämpferisch würde sich seine Mannschaft zum Ultimo der Spielzeit präsentieren, darauf könne Eintracht Frankfurt sich im Entscheidungskampf um die europäischen Plätze verlassen. „Wir haben zum ersten Mal in dieser Saison gegen eine Top-Acht-Mannschaft gewonnen“, rechnete Schwarz vor, „das zeigt die Entwicklungsschritte, die wir gemacht haben.“ Die gelte es gegen Hoffenheim zu bestätigen.

Für Anthony Ujah kann das eine Chance sein, sich ins Schaufenster zu stellen. Er mache sich gerade „viele Gedanken“ um die Zukunft, sagte er, denn natürlich möchte er öfter spielen, wiewohl: „Ich denke nicht nur an mich, sondern auch an die Mannschaft.“ Am besten, er schießt einfach weiter verlässlich Tore. Sozusagen im gegenseitigen Einvernehmen.

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