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Mainz 05 will zum Geisterspiel gegen RB Leipzig den Hygiene- und Matchplan ganz penibel umsetzen.

Geisterspiel

Kein Hokuspokus

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Mainz 05 will gegen RB Leipzig den Hygiene- und Matchplan ganz penibel umsetzen. Dabei ist das 0:8 aus dem Hinspiel immer noch präsent.

Der Frohsinn hat im deutschen Profifußball keine Chance mehr. Wie sehr sich der Blick auf Bundesligaspiele ändert, erfahren gerade auch die zehn Print-Journalisten, die an einem Spieltag ins Stadion dürfen. Mancherorts sind Aufpasser instruiert, permanent mit dem Rücken zum Spielfeld darüber zu wachen, ob der Mund-Nasen-Schutz richtig sitzt. Wehe, da will einer wegen beschlagener Brillengläser mal ein bisschen Luft an die Sinnesorgane lassen: Das bringt schnell einen Rüffel von oberster (Presse-)Stelle ein. Auch der FSV Mainz 05, einziger Karnevalsverein der Liga, wird zum Heimspiel gegen RB Leipzig (Sonntag 15.30 Uhr) nicht alle Fünfe gerade sein lassen – wie das sonst bei der Verkündung der Zuschauer gerne geschah, wenn stets eine Zahl vermeldet wurde, die mit „05“ endet.

Solch Hokuspokus ist im ersten Geisterspiel am Mainzer Europakreisel nicht erlaubt. Alles ist penibel geregelt, wie beispielhaft die Anweisung für Berichterstatter belegt. Dort steht: „Das permanente Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist im gesamten Stadionbereich vorgeschrieben. Wir bitten Sie darum, Ihre eigene Mund-Nasen-Bedeckung mitzubringen und diese bereits vor dem Aussteigen aus dem Auto anzulegen. Sollte sie mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß anreisen, bitten wir Sie um das Anlegen, sobald sie die asphaltierte Fläche um das Stadion erreicht haben.“

Was sein muss, muss sein. Die Abläufe innerhalb der Arena sind mehrfach eingeübt worden. „Wir wollen den hohen Anforderungen gerecht werden“, betont Sportvorstand Rouven Schröder. Und wer weiß, wofür der veränderte Rahmen gut ist. Die Nullfünfer haben die Hälfte ihrer 28 Punkte auswärts geholt.

Vergangen Sonntag diente das 2:2 zum Re-Start beim 1. FC Köln als weiterer Beleg, dass der aufputschende Effekt durchs eigene Publikum für die Rheinhessen nicht mehr so wichtig ist wie zu den gerne verklärten Zeiten im alten, engen, fast immer ausverkauften Bruchwegstadion.

Ihr schlechtestes Auswärtsspiel bestritten die Mainzer dieser Saison in Leipzig: Die 0:8-Abreibung bei den Bullen, die das damals von Sandro Schwarz trainierte Team wie eine wilde Herde überrollten, war an der späteren Trennung vom Cheftrainer nicht unschuldig. Bilder des Spiels will Nachfolger Achim Beierlorzer seinen Spielern ersparen, „aber ich spüre, dass alle das Ergebnis korrigieren wollen.“

Der gebürtige Franke arbeitete zwischen 2014 und 2017 für den Brauseklub. Überwiegend im Juniorenbereich, ein Jahr aber als Assistent von Ralf Rangnick. Der 52-Jährige kennt die RB-Philosophie daher aus dem Effeff. Seine Devise für den Sonntag: „Wir brauchen Balance, Mut, viel Selbstvertrauen, aber ganz besonders eins: Brutale Maloche.“ Als Blaupause könnte das Heimspiel im Mai 2019 gelten: Damals glichen die Mainzer nach 1:3 kurz vor Schluss noch zum 3:3 aus. Dem damaligen Torschützen Jean-Philippe Mateta wollte Beierlorzer am Freitag aber noch keine Einsatzgarantie geben. Frohsinn war halt mal.

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