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Mainz mit furiosen 17 Minuten

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Comeback der Bruchweg-Boygroup? Choupo-Moting gibt den Vortänzer.
Comeback der Bruchweg-Boygroup? Choupo-Moting gibt den Vortänzer. © dpa

Mit gnadenlosem Attackieren und fixen Umschalten lässt der FSV Mainz den SC Freiburg wie eine Schülermannschaft aussehen. Nur weil sich der FSV nach der Pause zurückhält, bleibt ein Schützenfest aus.

Von Jan Christian Müller

Christian Streich war restlos bedient. Der Trainer des SC Freiburg ist ein auffällig emotionaler Mensch, und so musste sich Schiedsrichter Markus Schmidt nach dem Schlusspfiff im Vorbeigehen noch ein paar deutliche Worte des Fußballlehrers anhören. Schmidt hat das lächelnd ausgehalten. Freiburg hatte beim Mainz 05 1:3 (0:3) verloren, Freiburg hatte schon nach 17 Minuten 0:3 zurückgelegen, Freiburg war schon nach sechs Minuten um einen Mann dezimiert gewesen.

Dass ein Trainer, noch dazu in seinem zweiten Spiel in der Bundesliga und mitten drin im Abstiegskampf, sich dann auch mal etwas Luft machen muss, kennt ein erfahrener Schiedsrichter und schaltet die Ohren dann schon mal gnädig auf Durchzug.

Rot für Diagne

Streich war so sehr in Wallung geraten, weil sein Innenverteidiger Fallou Diagné wegen einer Notbremse im Strafraum gegen den Mainzer Stürmer Adam Szalai bereits in der sechsten Minute die Rote Karte gesehen hatte, ehe Eugen Polanski die Führung durch Eric Maxim Choupo-Moting aus der dritten Minute auf 2:0 ausbaute.

Wiederum Choupo-Moting traf dann recht bald zum 3:0, „und dann“, stöhnte Streich, „war es ein schöner Nachmittag für die Mainzer. Die konnten passen und wir sind hinterhergelaufen.“ Das 1:3 durch Pavel Krmas (68.) ließ die frustrierende Angelegenheit aus Sicht des neuen Tabellenletzten zumindest noch erträglicher aussehen.

Tuchel hat kein Mitgefühl

Man kann Streichs Ärger aus der Sicht durch die Vereinsbrille sogar verstehen, denn selbst die fünfte oder sechste Zeitlupe der Strafstoßszene blieb interpretationswürdig. Aber in Echtzeit hatte es nun einmal so ausgesehen, dass Diagné den einschussbereiten Szalai zu Fall gebracht hätte. Sicher acht oder neun von zehn Unparteiischen hätten da genauso gepfiffen wie Schmidt, und der Platzverweis war danach zwingend, so hart diese Regel auch sein mag.

Streichs Kollege Thomas Tuchel war denn auch wenig geneigt, Mitgefühl zu äußern: „Das war eine Entscheidung, die man so treffen kann. Es reicht auch ein kleiner Kontakt, um aus dem Gleichgewicht zu kommen, dann gibt es Strafstoß und dann gibt es Rot. Das ist hart, aber das ist auch konsequent.“

Und dann ließ Tuchel noch einen wunderschönen Thomas-Tuchel-Satz folgen: Szalai habe den „Kontakt zum Anlass genommen, den Angriff abzubrechen.“ Der Gefoulte war allerdings etwas theatralisch gefallen, wehrte sich aber gegen den Anwurf, er habe eine Schwalbe produziert: „Wenn es kein Foul gewesen wäre, hätte ich aus zehn Metern ein Tor schießen können. Es gab gar keinen Grund für eine Schwalbe. Der Schiedsrichter hat das sehr gut gesehen.“

Tatsächlich wären die mit vier noch nahezu bundesligaunerfahrenen Spielern angetretenen Freiburger gut beraten, die Schuld nicht bei Schmidt zu suchen.

Mainz wie aufgedreht

Denn die wie aufgedreht agierenden Mainzer hatten die Fehler der anfangs naiv wie eine Schülermannschaft agierenden Gäste durch gnadenloses Attackieren und fixes Umschalten plangemäß provoziert.

„Wir waren zu brav“, räumte Streich ein.

Nach dem 3:0 passierte dann allerdings das, was in der Regel immer passiert, wenn eine Mannschaft vor allem darum bemüht ist, nicht zum Schlachtvieh zu werden, und die andere Mannschaft lieber verwaltet als zu gestalten. „Es war nicht an uns, hier ein Schützenfest zu veranstalten“, verteidigte Tuchel die zurückhaltende Spielweise vor allem nach der Pause.

Pfiffe in der zweiten Hälfte

Da gab es dann sogar hier und da Pfiffe von den besseren Plätzen, die Manager Christian Heidel aber nicht sonderlich ärgerten: „Ach, wir dürfen es nicht zu hochhängen, wenn mal drei Leute pfeifen. Die müssen einfach verstehen, dass man in unserer Situation nicht Hurra-die Waldfee-Fußball spielt.“

Hinterher wummerten die Beats umso lauter in der Mainzer Kabine. Platz zwölf, vorbei an Nürnberg, Hertha und Köln, sieht schon viel besser aus in der Tabelle. „Wir sind alle sehr erleichtert“, sagte Präsident Harald Strutz und atmete ganz tief durch.

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