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Voll daneben: Der Mainzer Abdou Diallo (rechts) trifft Thomas Müller - und nicht den Ball.

Spiel gegen Bayern

Mainz ist ein bisschen stolz - trotz Niederlage

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Mainz 05 versucht, aus der unglücklichen Niederlage gegen Bayern München Honig zu saugen - auch wenn sie dadurch noch tiefer in den Abstiegskampf gerutscht sind.

Kaum war das Spiel vorbei und Mainz 05 unglücklicher 0:2-Verlierer gegen den FC Bayern, da rollten die Ultras der Nullfünfer schon ihr mit einem Reim vorbereitetes Banner aus: „Heute war egal – gegen Frankfurt habt ihr keine Wahl.“ Man kann das wohlmeinend als gutmütige Motivationshilfe interpretieren oder bösmeinend als Drohung. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Immerhin hatte es zuvor Beifall gegeben für die aufrechten Verlierer, die der Übermannschaft aus München anderthalb wenig behagliche Stunden bereitet hatten und hinterher angesichts ihres Chancenplus’ nicht recht wussten, ob sie sich darüber freuen sollten, dass die so ansehnlich Fußball gespielt hatten oder lieber ärgern, dass all das Gerenne und Gekämpfe nichts gebracht hatte. Ganz im Gegenteil: Durch den gleichzeitigen Sieg von Werder Bremen bei Schalke 04 sind die Rheinhessen nun auf einen Relegationsplatz abgerutscht.

Dennoch gab es Grund, ein bisschen stolz zu sein. „Ich habe es selten erlebt, dass die Bayern schon in der 55. Minute auf Zeit spielen“, sagte Kapitän Stefan Bell hinterher und berichtete von „viel Unruhe“ bei den Bayern: „Die haben sich nach jedem Ballverlust angemacht.“ Aber am Ende haben sie dennoch gewonnen, was den guten Stefan Bell folgendermaßen ins Grübeln brachte: „Wir haben ein Topspiel gemacht, es fühlt sich wirklich gut an, und ich weiß gar nicht recht, warum wir verloren haben.“ In der Videoanalyse dürfte er erkennen, dass seine Mitspieler Levin Öztunali beim 0:1 und Gerrit Holtmann beim 0:2 jeweils in Sekundenschlaf gefallen waren. So viel Müdigkeit kann man sich gegen die Bayern nicht leisten.

Sein gutes Gefühl plant Abwehrspieler Bell nun mit nach Frankfurt zu nehmen, wo am Mittwoch (18.30 Uhr) das Viertelfinale im DFB-Pokal auf dem Terminkalender steht. In der Partie bei der klar favorisierten Eintracht werden zwar keine Bundesliga-Punkte verteilt, die Bedeutung ist für Mainz 05 jedoch weitaus größer, als sie das in der Vergangenheit bei Cup-Spielen gewesen ist. „Wir können uns in Frankfurt richtig Körner für den Abstiegskampf holen, wenn wir dort als verschworene Gemeinschaft auftreten“, sagt Rouven Schröder.

Der Sportchef kämpft schon seit Monaten wie verrückt gegen die immer mehr um sich greifende Negativstimmung an, die in den sozialen Netzwerken besonders heftig ausgelebt wird und dort kaum Gegenwehr kennt. Auch die Medien haben zuletzt nicht viel Aufbauarbeit geleistet, findet Schröder und stellt klar: „Schwarzmalerei lassen wir nicht zu.“ Auf Nachfrage räumt er allerdings auch ein, dass begründete Kritik sehr wohl akzeptiert wird. In Mainz gab es dazu in dieser Saison auf allen Ebenen reichlich Anlass. Wäre das also geklärt.

Wie dem auch sei: Ein Sieg in Frankfurt würde vor den nächsten direkt aufeinanderfolgenden komplizierten Auswärtsaufgaben in Hoffenheim und Berlin extrem nützlich sein. Das sieht auch Sandro Schwarz so. Der Trainer darf sich nach wie vor der vollen Rückendeckung von Schröder sicher sein. Hinzu kommt, dass der neue, mit ruhiger Hand führende Präsident Peter Hofmann jahrelang bestens mit Schwarz im Nachwuchsbereich zusammengearbeitet hat und somit ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis entstanden ist, das eine Trennung auch dann nicht wahrscheinlich erscheinen lässt, wenn in Frankfurt Endstation sein sollte und man aus Hoffenheim ohne Punkte zurückkehrt. Schröder attestierte Schwarz, die Mannschaft sei gegen die Bayern „top eingestellt“ gewesen. Dem ist in der Tat nichts entgegenzuhalten.

Tatsache ist aber auch, dass Mainz 05 diese mutige Herangehensweise bei weitem nicht in allen bisherigen Saisonspielen dokumentiert hat, gerade auswärts gibt es vor allem im Offensivspiel reichlich Luft nach oben. „Die Haltung, die wir gegen die Bayern gezeigt haben, bleibt der Maßstab“, blickte Schwarz nach vorn, das sei die Basis, um gegen Mannschaften mit weniger Qualität als den Bayern Fußballspiele zu gewinnen, erstmal gegen die Eintracht, dann auch in der Bundesliga: „Die Bilder, die wir heute von unserem Spiel produziert haben, wollen wir auf Mittwoch projektieren.“

Das sind wohlfeile Worte, denen nun aber auch Taten folgen müssen. Der Trainer weiß das. Gegen die Bayern verzichtete Schwarz ganz bewusst auf den Niederländer Nigel de Jong. Der defensive Mittelfeldmann soll nicht überfordert werden, die lösbaren Aufgaben stehen in dieser Woche an. Als kämpferisches Vorbild wird der 33-Jährige in Frankfurt und Hoffenheim mutmaßlich mehr gebraucht als gegen die Über-Bayern.

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