+
Mainzer Jubeltraube.

Mainz 05

Bilder zum Beschleunigen

  • schließen

Mainz 05 schafft gegen Berlin den ersehnten emotionalen Heimsieg.

Jede Saison braucht einen Urknall, diesen einen Moment, der alles, was folgt, im Nachhinein erklärt. Beim FSV Mainz 05 hofft man, den Urknallmoment am Samstag erlebt zu haben. „Es war wichtig für uns, diese positiven Bilder zu kreieren“, sagte der Mainzer Trainer Sandro Schwarz nach dem 2:1 (1:0) gegen Hertha BSC, dem ersten Saisonsieg am vierten Spieltag, dem ersten Punktgewinn überhaupt.

Die Bilder, die Schwarz so verzückten, entstanden am Samstagnachmittag um zwanzig nach fünf. Der Mainzer Abwehrspieler Jeremiah St. Juste hatte sich bei einer Ecke mit einer puren Willensleistung gegen die Berliner Gegenspieler durchgesetzt und den Ball zum Siegtreffer ins Tor geköpft, 88. Spielminute. Was folgte, war eine Eruption, auf den Rängen und auf dem Rasen, wo Mainzer Spieler und Ersatzspieler und Trainer und Funktionäre bei einer wilden Jubelarie regelrecht aufeinanderprallten. Mit Folgen. Als Schwarz sich später nach der Pressekonferenz von seinem Platz erhob, rieb er sich stöhnend den Nacken. Beim Torjubel sei’s ihm reingezogen.

Robin Zentner mit makelloser Leistung

Glücklich war Schwarz dennoch mit dem Nachmittag, der nicht besser hätte laufen können für die Mainzer – nicht einmal bei optimalem Verlauf. Der Gegentreffer zum 1:1 in der 83. Spielminute, durch Marko Grujic? Nackenschlag und Segen zugleich für den FSV. Denn nur so konnten ja die Emotionen durch den St.-Juste-Treffer entstehen. „Solche Erlebnisse sind wichtig, um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen“, erklärte Schwarz und fühlte sich an das Heimspiel gegen den FC Augsburg vor fast genau einem Jahr erinnert. Damals gelang Alexandru Maxim in der Nachspielzeit das Siegtor. Am Samstag schlich der Rumäne schlecht gelaunt in den Katakomben herum, er ist noch ohne Einsatzminute in dieser Saison. Gefeiert wurden diesmal andere.

Der Torwart zum Beispiel, Robin Zentner. Für den angeschlagenen Stammkeeper Florian Müller in die Startelf gerückt, zeigte der 24-Jährige eine makellose Leistung. Stark auf der Linie, autoritär in der Strafraumbeherrschung, war Zentner vor allem nach der Pause gegen die nun dominant und gefährlich auftretenden Berliner ein entscheidender Faktor für die Rheinhessen. „Er war herausragend“, lobte Schwarz: „Er hat genau die richtige Einstellung, trainiert wie ein Wahnsinniger, und nur so ist es möglich, dass er auf den Punkt da ist, wenn wir ihn brauchen.“ Wenn Müller wieder fit ist, wird Zentner aber erneut auf der Bank Platz nehmen müssen, vielleicht schon am Freitagabend beim Auswärtsspiel bei Schalke 04.

Hertha BSC mit durchwachsenem Saisonstart

Doch so weit wollte am Samstag noch kein Mainzer denken. Zufrieden und glücklich sei er, sagte Schwarz, aber Erleichterung verspüre er keine, und das sei auch okay so. „Du brauchst ja die ganze Zeit den Druck, das Adrenalin und die Anspannung, das gehört dazu“, so der 40-jährige: „Dieser Sieg nimmt nichts raus, aber vielleicht beschleunigt er die Dinge.“ Schwarz redet gerne von Bildern und vom Beschleunigen von Dingen.

Zu beschleunigen gibt es jedenfalls noch Einiges beim FSV. Zwar machte zum Beispiel auch Rückkehrer Adam Szalai ein starkes Spiel im Sturmzentrum, schüchterte die Berliner Verteidiger mit seiner Körperlichkeit regelrecht ein und ebnete den Weg zur Führung durch Robin Quaison (40.). Doch nach der Pause war Mainz das Spiel entglitten, und Hertha, angeführt vom überragenden Ein-Mann-Kraftwerk Grujic rannte an, spielte an. Berlins Trainer Ante Covic verwies später auf „Riesenmöglichkeiten“ seines Teams, mit dramatischer Betonung auf „Riesen“, und insgesamt 16 Torschüsse, mit dramatischer Betonung auf 16. „Das ist sensationell“, fand der neue Hertha-Coach, der nun auf eine Startbilanz mit einem Punkt aus vier Spielen zurückblickt. Tabellenplatz 18. Womöglich knallt es bald auch in der Hauptstadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion