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Obenauf: Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz feiert mit den Fans.

Mainz 05

Mainz 05 steckt nach dem Klassenerhalt in einer komplizierten Situation

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3:1 gegen Fortuna Düsseldorf: Die verzwickte Situation bei Mainz 05 nach dem Klassenerhalt.

Beim Bundesligisten Mainz 05 geht es dankenswerterweise manchmal noch so zu wie unten an der Basis. So kam es, dass der Cheftrainer Sandro Schwarz es sich nicht nehmen ließ, den Klassenerhalt in der Eliteliga des deutschen Fußballs nach einem 3:1 (1:1) gegen Fortuna Düsseldorf in der untergehenden Sonne vor der Fankneipe Hasekaste zu feiern.

Mitten unter den Anhängern der Nullfünfer. Kein Selfie und kein persönliches Gespräch waren dem bestgelaunten Chefcoach zu viel. Um die Übersicht zu behalten, hatte Schwarz sich mit tief gespritzter Weinschorle versorgt. Dass sein Herzensverein nun im elften aufeinanderfolgenden Jahr Bundesliga spielen darf, dazu in der dritten Saison unter seiner Führung, erfüllt den 40-Jährigen mit erkennbarem Stolz.

Klubs wie Stuttgart, Nürnberg und Hannover schwächeln

Schwarz hat in einer komplizierten Saison gemeinsam mit dem Sportvorstand Rouven Schröder einen guten Job gemacht. „Die Mannschaft hat sich definitiv weiterentwickelt. Wir haben uns auch generell als Verein entwickelt und die Ruhe behalten in schwierigen Situationen“, sagt er. Das stimmt. Einerseits. Andererseits gehört es auch zur Wahrheit, dass Mainz 05 nur deshalb schon recht früh alle Sorgen los ist, weil Klubs wie Stuttgart, Nürnberg und Hannover so verlässlich schwächeln.

Schröder hat somit vermutlich recht, wenn er prognostiziert: „Es wird nächstes Jahr garantiert nicht einfach in der Bundesliga.“ Und Schwarz ergänzt in einer Nüchternheit, die auch mit dem hohen Wasseranteil in der Weinschorle zu erklären sein könnte: „Es ist schwierig für uns als Klub, andere Ziele herauszugeben. Der Klassenerhalt wird nie eine Selbstverständlichkeit für Mainz 05 sein.“

Harte Konsequenzen

Schwarz ist klug genug zu erkennen, dass die Punkteausbeute nach 30 Spielen auch deshalb recht zufriedenstellend ausfällt, weil seine Mannschaft in zwei Heimspielen, nach der Winterpause gegen Nürnberg und am Ostersamstag gegen Düsseldorf, in zwei entscheidenden Situation hochgradig vom Glück verfolgt war. Einmal halfen Millimeter beim Videobeweis, einmal Zentimeter beim Pfostenstrafstoß des Düsseldorfers Dodi Lukebakio – andernfalls hätten die Nullfünfer jeweils tief in der zweiten Halbzeit 1:2 zurückgelegen und nun womöglich sechs Zähler weniger auf der Habenseite.

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Die sportliche Delle in diesem Frühjahr war zudem derart tief, dass Schwarz harte personelle Konsequenzen ziehen musste, um das Team aus der Krise zu navigieren. Die etatmäßigen Führungsspieler Daniel Brosinski und Stefan Bell verloren ihre Stammplätze in der Defensive. Weil zudem Kapitän Niko Bungert verletzungs-, leistungs- oder krankheitsbedingt kaum einmal zur Verfügung stand, führte gegen Düsseldorf der vierte Mann in der Kapitänshierarchie, Danny Latza, die Mannschaft aufs Feld. Als der Mittelfeldspieler kurz vor Schluss entkräfte ausgewechselt werden musste, übergab er die Binde an Jean-Philippe Gbamin. Der Franzose spricht kaum ein Wort deutsch und ist nach einer allenfalls durchwachsenen Saison abwanderungswillig.

Die Situation zeigt, dass die Mainzer ein Strukturproblem im Team haben. Es wird spannend zu beobachten, wie Schwarz und Schröder das lösen werden. Kaum vorstellbar, dass die aufgrund ihrer Persönlichkeit natürlichen Anführer Brosinski und Bell sich nachhaltig mit Plätzen in der zweiten Reihe zufrieden geben. Beide sind charakterlich gute Typen und verdiente Spieler. Es herrscht nun, da der Klassenerhalt eingetütet ist, Gesprächs- und Handlungsbedarf in zwei besonders kniffligen Angelegenheiten.

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