+
Das Volk huldigt dem Mainer Cheftrainer Cäsar.

Mainz 05

Losfahren! Sehen! Siegen?

  • schließen

Trainer Achim Beierlorzer ragt bei der Fastnachtsitzung von Mainz 05 heraus, aber wird das Cäsar-Kostüm auch symbolträchtig.

Es war mächtig was los am Dienstagabend im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. Der einheimische Fußballklub hatte zur Fastnachtssitzung geladen – da durften Trainer und Spieler unter den mehr als 800 Gästen nicht fehlen. Es gab Musik von den Rot Rock Rappern, den Mainzer Hofsängern, den Humbas und Thomas Neger, ja, und es gab auch die eine oder andere auffällige Kostümierung an diesem närrischen Abend, der in die Nacht hinein ragte, von den Profis des FSV Mainz 05 aber so zeitig verlassen wurde, dass einer ligareifen Leistung am Samstagnachmittag in Mönchengladbach nichts entgegenstehen sollte.

Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta war mit Bauchprothese als Rapper „The Notorious B.I.G.“ erschienen, Mittelfeldmann Jean-Paul Boëtius und Verteidiger Jeremiah St. Juste ließen – schöner Vorgriff auf die WM 2024 in Katar - als reiche Scheichs Spielgeld regnen, der Vorstand gab sich geschlossen in roten Anzügen im Klubdesign-Muster mitsamt roten Perücken, und Cheftrainer Achim Beierlorzer führte die Gattin Kleopatra als Cäsar in die gute Stube. Cäsar? Das war doch der, der das römische Reich einst groß gemacht und mit einem selbstbewussten „Veni, vidi, vici“ („Ich kam, sah und siegte“) daherkam.

Der Mainzer Eigenwahrnehmung hätte vermutlich ein als Asterix und Obelix verkleidetes Trainer-Ehepaar eher entsprochen, aber Cäsar und Kleopatra sahen natürlich besser aus. Und dass mit dem „Kommen, Sehen und Siegen“ ist natürlich auch ein schönes Bild, das in Mönchengladbach nur noch von einer Klasseleistung der Mainzer Mannschaft umrahmt werden müsste. Einer Mannschaft, die in zweien ihrer letzten drei Auswärtsspiele jeweils fünf (!) Tore erzielt hat (beim 5:1 in Hoffenheim und dem 5:0 in Bremen), was in der Fremde Anlass gibt, nicht zu verzagt aufzutreten. Wahr ist aber auch, dass die Nullfünfer daheim unter Beierlorzer noch mehr zu Punktelieferanten geworden sind, als er es Vorgänger Sandro Schwarz schon war. Schwarz musste nach einem 2:3 gegen Union Berlin gehen, seitdem haben die Rheinhessen zu Hause von vier Spielen deren drei verloren, zwar nicht allesamt immer verdient, aber immer so, dass sie dem Gegner zu viele Torgelegenheiten beschert hatten.

Beierlorzers kniffliger Job ist es nun, dass das von ihm (in Anlehnung an große Vorgänger Jürgen Klopp und Thomas Tuchel) postulierte Vorwärtsverteidigen auch mit einem Rückwärtsverteidigen zu kombinieren, das seriös dafür sorgt, „es dem Gegner schwerzumachen, unser Tor zu bedrohen“. Viel besser hätte es auch Cäsar damals, noch vor Christi Geburt, nicht formulieren können, hätte er nur ein bisschen Ahnung von Fußball gehabt.

Cäsar-Beierlorzer fand den Abend im Schluss übrigens klasse. „Ich war begeistert. Das Identifikation mit dem Verein, mit der Stadt und mit der Kultur pur.“ Und nebenbei sogar noch eine „teambuildende Maßnahme“. Wenn jetzt die Schlacht am Niederrhein noch gewonnen würde...

Wie der Trainer von Mainz 05, Achim Beierlorzer, mit dem Mainzer Kunde umgeht, der bei der Auswechslung seinen Handschlag missachtet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare