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Hat erst drei Gegentore zugelassen: Der Mainzer Florian Müller.

FSV Mainz 05

Lieber Spaßverderber als Spielmacher

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Der FSV Mainz 05 dürfte es im Auswärtsspiel auf Schalke leichter haben als gegen Wolfsburg.

So weit war Sandro Schwarz noch nicht, dass der Trainer des FSV Mainz 05 am späten Dienstagabend noch die Nummer des Datendienstleiters Opta wählte. Doch einer Nachfrage über die Hotline hielt der Mainzer fast für geboten, als er nach der Nullnummer gegen den VfL Wolfsburg auf den vor ihm liegenden Statistikbogen blickte. Stand da wirklich, dass seine Mainzer eine Passquote von 80 Prozent angehäuft hatten?

Schwarz zog die Kappe hoch und lachte laut. „Da sieht man, wie trügerisch diese Daten sind.“ Für ihn und die nur 19.205 Zuschauer war gefühlt beinahe jeder zweite Pass beim Gegner oder im Aus gelandet. „Wir haben total unsauber gespielt“, lautete das Eingeständnis eines Fußballlehrers, der im Zuge seiner Profilierung die Sachverhalte klar benennt. Gut so. 

Der 39-Jährige sprach direkt an, was bei diesem insgesamt wenig ansehnlichen Bundesligaspiel in einer fast halbleeren Arena mit dennoch ordentlicher Akustik – die Mainzer Fans verdienten sich ein Sonderlob – nicht gut gelaufen war. „Uns fehlte die letzte Frische vom Körper und vom Kopf her.“ Und dann bemühte der Mainzer noch ein Zitat, dass er mal flugs seinem früheren Kumpel Jürgen Klopp zuschrieb: „Wenn du nicht gewinnen kannst, musst du dafür sorgen, dass du zumindest nicht verlierst.“ 

Dabei hätten die Rheinhessen in allerletzter Sekunde noch gewinnen können, wenn   Ridle Baku die Kunststoffkugel nicht an die Lattenunterkante gedonnert hätte – das wäre aber auch wirklich des Guten zu viel gewesen. 

Ergo: Seinen achten Punkt nahm der Karnevalsverein gerne mit. Schon Samstag geht es beim FC Schalke 04 weiter, es ist das dritte Spiel binnen sieben Tagen. Dort ist nach fünf Niederlagen in der Liga „enormer Druck auf den Kessel“ (Schwarz), der Siegzwang für Trainer Domenico Tedesco gewaltig. Der Mainzer Kollege kann kaum Rücksicht nehmen. „Wir wollen unsere Qualitäten einbringen, dass es ihnen weiter nicht gutgeht.“ Aufbaugegner für die Königsblauen sollen bitte andere spielen. 

Schwarz sieht gleichwohl eine „brutale individuelle Qualität“ beim Gegner. Deshalb: „Es wird nicht reichen, nur zu verteidigen.“ Dann spreche schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung dafür, dass der Krisenklub aus dem Revier den Bock umstoße. Doch liegt seiner Mannschaft nicht ohnehin eher das Umschaltspiel? Die Nullfünfer sind halt eher Spaßverderber als Spielmacher. Hinten sicher stehen und dann schnell kontern, wobei dann vermutlich Jean-Philippe Mateta der bessere, weil flexiblere Zentrumsstürmer als Anthony Ujah sein dürfte, der von den beiden lahmenden Flügeln – Karim Onisiwo wie auch Robin Quaison blieben blass – viel zu wenig brauchbare Zuspiele erhielt, aber dennoch torgefährlichster Mainzer Feldspieler war. 

Florian Müller als Faktor

Der beste Mann trug die Nummer 22 auf dem Rücken und stand zwischen den Pfosten: Florian Müller beeindruckte durch Abgeklärtheit, Ausstrahlung und Reflexe wie gegen Josip Brekalo (38.). „Es kamen einige Bälle auf mein Tor, aber kaum 100-prozentige Chancen“, sagte der 20 Jahre alte Schlussmann, der lieber allgemein lobte, „dass wir hinten gut stehen.“

Doch es ist auch sein Verdienst, dass die Mainzer erst drei Gegentore zugelassen haben. Trainer Schwarz sagte über seinen Torwart: „Florian hat eine sehr gute Entwicklung genommen. Er ist ein Faktor geworden.“ In diesem Fall lügen auch die Zahlen nicht.

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