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Da helfen auch die Karnevaltrikots nichts: Mainz kommt gegen Leverkusen unter die Räder.

Mainz 05 - Bayer Leverkusen

Mainz kommt gegen Leverkusen unter die Räder

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Bei der 1:5-Niederlage gegen Bayer 04 geht für den FSV Mainz alles viel zu schnell.

An einer mutigen Aufmachung hat es im Stadionheft des FSV Mainz 05 nicht gefehlt: „Flutlichtfreitag: Vollgasfußball von der ersten bis zu letzten Minute.“ Dummerweise drückte im Bundesliga-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen nur der Gast dermaßen aufs Pedal, dass den meisten der nur 21 905 Zuschauer die Münder offen standen: Tempomäßig vollkommen überforderten Nullfünfer kassierten mit dem 1:5 (1:4) eine Lehrstunde, die es in dieser Form in der Saison noch nicht gegeben hat. Zeitweise hatte es den Anschein, als seien in der Arena am Europakreisel die Akteure in unterschiedlichen Geschwindigkeitsstufen unterwegs.

Blitzsauber spielten das leichtfüßige Leverkusen seine Tore durch Wendell (5.), Kai Havertz (20.), Julian Brandt (30. und 64.) und Karim Bellarabi (43.) heraus. Der zwischenzeitliche Ausgleich von Robin Quaison (9.) störte die Werkself kaum, die in ihrer gnadenlos stürmischen Ausrichtung duldet, dass auch der Gegner reichlich Einschusschancen bekommt. Die zweite Niederlage der noch jungen Rückrunde ist für die in kunterbunten Narren-Kleidern gewandten Rheinhessen kein Beinbruch, aber höhere Ziele als das gesicherte Mittelfeld sind offenbar vermessen.

Die Rheinländer hingegen betrieben nicht nur Wiedergutmachung für die Pokalblamage beim Zweitligisten Heidenheim, sondern kletterten zumindest für eine Nacht wieder auf einen Europapokalplatz. Dort will Trainer Peter Bosz sein vor Talent nur so strotzendes Ensemble am Saisonende sehen.

Der Mainzer Coach Sandro Schwarz hatte nach der 0:3-Abreibung im Augsburger Schneetreiben das zentrale Mittelfeld neu geordnet: Der erkrankte Jean-Philippe Gbamin und Danny Latza drückten die Bank, dafür durften sich Pierre Kunde Malong und erstmals Leandro Barreira beweisen. Der 19-jährige Luxemburger wirkte bei der Premiere im deutschen Oberhaus in der Handlungsschnelligkeit oft überfordert.

Julian Brandt überragend

Immerhin begannen die Hausherren angriffslustig, als Jean-Philippe Mateta gleich mal am per Fußabwehr klärenden Lukas Hradecky scheiterte (2.). Nur drei Minuten später führte der erste Schnellangriff über Kevin Volland und Bellarabi zum 0:1, das der aufgerückte Linksverteidiger Wendell besorgte. Nach einer Ecke von Daniel Brosinski glückte Quaison zwar der Ausgleich, aber immer, wenn die Bayer-Profis wieder flott kombinierten, kamen Stefan Bell und Co. nicht mehr hinterher. Nach diesem Strickmuster entwischte der überragende Brandt, und Havertz vollstreckte direkt. Der Vorlagengeber trug sich nach Doppelpass mit Volland dann selbst in die Torschützenliste ein, ehe kurz vor der Pause auch der zuvor nach einem Lattenkracher noch hadernde Bellarabi sein Erfolgserlebnis feierte: Nach seinem Schuss ins lange Eck streckte sich der bedauernswerte Keeper Florian Müller vergeblich. Die vor ihm nominierte Dreierkette war einfach keine Hilfe, weil höchst selten die Zuordnung nicht passte. Welchen Vorteil der Sieger in dieser rasanten Auseinandersetzung besaß, zeigte sich bei der Laufleistung: Fast sechs Kilometer mehr sammelte Leverkusen in der ersten Halbzeit auf dem Tacho als Mainz.

Dem vom Kollegen Bosz befohlenen Highspeed-Stil versuchte Schwarz mit einer Umstellung auf eine Viererkette beizukommen, Moussa Niakhaté verteidigte nun links draußen gegen Bellarabi. Und nach 55 Minuten kam auch der schmerzlich vermisste Stabilisator Gbamin, um weiteres Unheil zu verhindern. Was nur bedingt gelang, weil der erneut mit Volland grandios kombinierende Brandt noch mal Lust aufs Toreschießen verspürte. Ansonsten ließen des die Herren in den rot-schwarzen Jerseys nun etwas geruhsamer angehen, was ihnen niemand verdenken konnte. Sie müssen schließlich schon kommenden Donnerstag in der Europa League im russischen Krasnodar wieder auf Betriebstemperatur kommen. Und in Mainz? Dort fand die Fantribüne Zerstreuung in den gängigen Rosenmontagslieder, die offenbar am besten helfen, wenn der Flutlichtfreitag ganz anders verläuft als angekündigt.

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