Mainz 05

Das Kontrastprogramm

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Jubel, Trubel, Heiterkeit kehren rechtzeitig vor den närrischen Tagen zum FSV Mainz 05 zurück.

Die Spieler in den knallroten Trikots waren am Samstagnachmittag so klug, bei ihrer ausgedehnten Ehrenrunde die königsblaue Kurve mit einem gewissen Sicherheitsabstand abzuschreiten. Dort gingen ja nicht nur Mittelfinger wütender Menschen in die Höhe und rüttelten Krakeeler den Zaun, sondern es flogen auch viele Bierbecher Richtung Rasen. Der geballte Schalker Volkszorn bildete das Kontrastprogramm zu dem, was die Mainzer Protagonisten veranstalteten: sich endlich mal wieder abfeiern zu lassen. Jubel, Trubel, Heiterkeit sind bei den Rheinhessen zurück; pünktlich vor den närrischen Tagen hätte es kein besseres Erlebnis gegen können als den verdienten 3:0-Heimsieg gegen den erschreckend schwachen FC Schalke 04.

„Ausstrahlung, Körpersprache und Entschlossenheit“, stellte der verbesserte Kapitän Stefan Bell fest, hätten nach drei Nackenschlägen (mit 1:11 Toren) wieder gestimmt, „und dann aus der Balleroberung in Führung zu gehen, ist top.“ Der Dreiklang durch Karim Onisiwo (18. und 84.) und den diesmal erst spät von der Bank gekommenen Jean-Philippe Mateta (73.) drückte aus, was das Team unter Anleitung von Sandro Schwarz an guten Tagen zu leisten imstande ist.

„Die Mannschaft hat auf den Punkt die richtige Antwort gegeben“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder, „wir waren in jedem Zweikampf drin.“ Dass die Spieler vom Trainer gut eingestellt worden sei, war eine wichtige Randbemerkung – denn damit erhielt die unter der Woche verkündete Vertragsverlängerung mit dem Cheftrainer bis 2022 eine „gewisse Bestätigung“ (Schröder). Schwarz selbst saß am Sonntag erstmals im Sky-Studio bei Moderator Jörg Wontorra, um über die Entwicklung unter seiner Regie zu reden, und dabei klang einige Zufriedenheit mit. „Du bist als Trainer unabhängig vom Standort Identifikationsfigur. Der Trainer ist schon ein sehr wichtiger Faktor, um den gesamten Verein, Mitarbeiter, Staff, Spieler, sein Trainerteam mitzunehmen. Die Leute waren zurecht kritisch mir gegenüber. Die erste Saison war total schwierig, aber jetzt haben wir 30 Punkte.“

Onisiwo als Mann des Tages

Nebenbei ist nach zwei Saisondritteln ein Nachweis erbracht, dass der Kader vielleicht doch breiter aufgestellt ist als gedacht. Der fast schon vergessene Giulio Donati verteidigte für Daniel Brosinski, Anthony Ujah und Onisiwo stürmten für Robin Quaison und Mateta ohne Qualitätsverlust. Vor allem der bei den Nullfünfer so lange auf seinen Durchbruch wartende Österreicher Onisiwo erwies sich als belebendes Element. Die Mitspieler mussten den 26-Jährigen fast auf den Zaun tragen fürs obligatorische Humba. „Es gehen viele Emotionen durch einen durch, wenn man zum ersten Male zwei Tore in einem Bundesligaspiel macht“, meinte der körperlich sehr robuste Angreifer, der vielleicht doch mehr als ein Joker sein kann. Schwarz wollte in seinem Fall einfach auch Trainingseinsatz belohnen.

Wenn es einen Wermutstropfen gab, dann mal wieder die Zuschauerzahl: 26 005 Besucher – und damit mehr als 7000 freie Plätze – belegten einmal mehr, dass der Klub den schleichenden Rückgang nicht aufhalten kann. Vermutlich hilft dagegen auch nicht, dass an diesem Wochenende wegen Christian Heidel ganz Fußball-Deutschland auf den Standort Mainz geschaut hat.

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