Die Mainzer konnten am vorletzten Spieltag bereits den Klassenerhalt sichern.
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Die Mainzer konnten am vorletzten Spieltag bereits den Klassenerhalt sichern.

Mainz 05

Klare Ansagen

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Mainz 05 zieht ein selbstkritisches Saisonfazit und will zur neuen Saison einiges verändern.

Mit einem Abschlussgespräch zur Mittagszeit hat Mainz 05 seine Fußballprofis am Montag in den Urlaub geschickt. Trainer Achim Beierlorzer hatte zuvor mit jedem einzelnen Spieler zudem persönlich gesprochen und seine „klare Erwartungshaltung“ für die kommende Saison offenbart. Tenor: „Jeder hat die Aufgabe, sich selbst zu integrieren, aber auch die Verpflichtung, andere zu integrieren.“

Genau dieser fast zu spät in der Saison gefundene absolute Zusammenhalt ist von den Verantwortlichen als einer der Gründe identifiziert worden, weshalb der Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag fix gemacht werden konnte. „Wir haben als Team nicht wirklich zusammengefunden“, monierte Kapitän Danny Latza richtig, „wir waren über weite Strecken der Saison nicht immer eine Einheit.“

Beierlorzer will dieses Thema gemeinsam mit Sportchef Rouven Schröder angehen, schließlich sei man erst „unter höchstem Druck zusammengerückt“, nachdem „Tacheles geredet“ worden sei. Künftig solle „der Mannschaftsrat mehr Verantwortung bekommen“, so der Chefcoach. Auch über die Einstellung eines Teampsychologen oder Mentaltrainers wird nachgedacht. Schröder sprach als ein mögliches Problem an, dass zu viele Spieler Mainz lediglich als Durchgangsstation ansehen könnten. „Wenn einer das Gefühl hat, dass es bei uns Provinz ist, dann ist er hier falsch. Wir sind alles andere als Fußball-Provinz. Wir sind ein gewachsener Standort.“ Man werde von den Profis „noch mehr einfordern, sich auf deutsch zu artikulieren und deutsch zu verstehen“.

Schröder wies ausdrücklich darauf hin, Spieler bei Mainz 05 blieben im Schnitt viereinhalb Jahre, „damit sind wir Dritter in der Bundesliga. Bei uns gibt es keine hohe Fluktuation“. Entsprechende Kritik von Ex-Kapitän Stefan Bell hatte für Irritationen in der Führungsetage gesorgt. Mit dem lange verletzten Bell will der 13. der Anschlusstabelle laut Schröder ebenso den Vertrag verlängern wie mit Daniel Brosinski. Die Gespräche sind angelaufen. Beide werden aber spürbare finanzielle Abstriche machen müssen. Auch eine ursprünglich angedachte Rückzahlung des Gehaltsverzichts aller Profis und leitenden Mitarbeiter von rund 15 Prozent bis zum 30. Juni wird es aufgrund der weiterhin angespannten finanziellen Lage nicht geben können, ließ Schröder durchblicken.

Die Nachwuchsarbeit wird weiter intensiv vorangetrieben. „Wir sind“, so Schröder mit berechtigtem Stolz, „europaweit in der Local-Players-Wertung auf Platz vier“. Corona mache diese Strategie noch notwendiger. Vier weitere Talente sollen kommende Saison integriert werden.

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