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Mainzer Ernüchterung: Levin Öztunali, Philipp Mwene, Jean-Philippe Mateta und Stefan Bell.

Mainz gegen Gladbach

Jugendlicher Leichtsinn

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FSV Mainz 05 stößt gegen Gladbacher in Galaform an seine Grenzen.

Die Begrüßung ihrer Gäste aus Rheinhessen erledigten die Gladbacher angemessen – und mit einem Augenzwinkern. Zum allgemeinen Aufwärmprogramm spielte die Stadionregie das gequäkte „Gu’n Abend“ der ZDF-Mainzelmännchen ein, und damit war die Etikette dann auch ausreichend bedient. Dachten sich die Niederrheinischen, die eine Veredelung des 3:0 in München vor zwei Wochen zum zentralen Plan für ihr Wochenende gemacht hatten. Das Vorhaben glückte furios, mit dem 4:0 gegen die 05er kletterte das Team von Dieter Hecking vorbei an Berlinern, Leipzigern, Bayern und Bremern auf Rang zwei.

Während sich die Borussen Hand in Hand vor der Nordkurve feiern ließen, schlichen die unterlegenen Mainzer rasch und kleinlaut Richtung Kabine. „Nach dem 0:3 hatte ich keine Hoffnung mehr, und nach dem vierten Gegentor war’s dann total vorbei. Da musst du auch mal sagen: ‚Okay, dann kriegst du hier wenigstens kein fünftes mehr“, kommentierte der eingewechselte Danny Latza. Während sein emotionales Pendant, der dreifache Torschütze Jonas Hofmann, den aktuellen Gladbacher Lauf erklärte: „Wie schon in den letzten Spielen hat uns unsere gute Defensive stark gemacht. Aus der heraus haben wir einen super Spielaufbau – und nutzen unsere Chancen eiskalt.“ Allen voran er selbst.

Nur der BVB ist produktiver als Heckings Ensemble

Entsprechend wurde der frühere Dortmunder von allen Seiten mit Lob überschüttet. Und damit es Hofmann nicht zu gut ging, kommentierte sein Mitspieler Thorgan Hazard hämisch: „Das war der erste Dreierpack in seiner Karriere – und vielleicht auch der letzte.“ Derartige Witzchen auf eigene Kosten würden die Mainzer auch gerne machen. Bis zum Besuch der Bayern am Samstag muss das Personal von Sandro Schwarz nun aber erst mal den Schrecken aus dem Borussia-Park aus den Kleidern schütteln: Vier Treffer hatte das Bollwerk der 05er in den ersten sieben Partien nur zugelassen, nun gab’s dieselbe Menge auf einen Schlag.

Allzu großen Groll ließ der Coach aber nicht durchklingen: „Das war jugendlicher Leichtsinn in der zweiten Halbzeit. Wir hatten einfache Ballverluste und 15, 20 Minuten total verschlafen und dann ist das Spiel natürlich auch gelaufen.“ Der Übungsleiter verneinte die Frage, ob manchen Spielern die Erfahrung fehle: „Nein, wir wollen nach dem 2:0 und 3:0 einfach zu viel. Wir haben einfache Ballverluste, wir hätten für Klarheit sorgen müssen, gerade in den ersten fünf Minuten nach dem Gegentor musst du in der Stabilität drin bleiben. Wir wollten zu viel, zu schnell wiedergutmachen. Die erste Halbzeit war sehr ordentlich, Gladbach hatte die ein oder andere Torchance, wir aber auch.“

Etwa nach acht Minuten: Da passte Innenverteidiger Nico Elvedi am eigenen Strafraum quer auf Angreifer Jean-Philippe Mateta – der die notorische Torphobie der Mainzer eindrucksvoll untermauerte und den Ball links neben das Tor schoss. Passend zum galgenhumorigen Bekenntnis von Schwarz, der berichtet hatte: „Im Training schießen wir eine Menge Tore.“

Rouven Schröder verzweifelte, als er den Fehlversuch des Franzosen verfolgte. „Wenn man hier etwas holen will und dann so eine Chance bekommt, muss man eben auch mal das erste Tor schießen“, seufzte der Sportvorstand des FSV später und grummelte: „Zumindest muss der Ball aufs Tor kommen.“ Kam er aber nicht, und deshalb ist der Vorjahres-14. mit seinen weiterhin vier Treffern das Schlusslicht in dieser Wertung.

Anders die Borussia: Nur die Dortmunder Torfabrik (27 Treffer) ist noch produktiver als Heckings Ensemble (19), und zum Abschluss des achten Spieltags übernahm Jonas Hofmann die Ouvertüre zur Tor-Gala, als er in der 21. Minute eine feine Ballstafette über Stindl und Passgeber Hazard mit Hilfe des Innenpfostens krönte.

Nach dem Seitenwechsel brachen in der Defensive der Gäste dann alle Dämme: In der 53. Minute musste Hofmann nach Vorarbeit von Hazard nur noch den Fuß hinhalten. Anschließend ging’s im Fünf-Minuten-Takt weiter: Zunächst traf Hazard nach einer Flanke von Pléa. Und weitere 300 Sekunden später erneut Hofmann, der den herbeigeeilten Torwart Florian Müller umspielte und im entspannten Gladbacher Vorabendprogramm den Ball zu seinem dritten Treffer ins leere Tor schob. Grund genug für die Borussen-Fans, dem Ensemble von Sandro Schwarz hämisch entgegen zu schmettern: „Ihr seid nur ein Karnevalsverein.“

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