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Beifall für seinen Ex-Klub Mainz 05: Jürgen Klopp. 

Mainz 05

Jürgen Klopps Videobotschaft

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Rheinhessen vermelden bei Mitgliederversammlung Rekordumsatz und Rekordgewinn. Harald Strutz wird zum Ehrenpräsidenten gewählt und gemeinsam mit Ex-Manager Christian Heidel gefeiert.

Die Regie hatte zum Auftakt der mit 653 stimmberechtigten Mitgliedern bestens besuchten Mitgliederversammlung von Mainz 05 Bewegtbilder eingespielt. Zu sehen: Tore der Rheinhessen, gelungene Tacklings, jubelnde Spieler, jubelnder Trainer, jubelnder Sportdirektor. Das Marketing ist schön. Die Realität ist trister, viel trister: Pokalaus in der ersten Runde ausgerechnet in Kaiserslautern, vorletzter Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga, nur sechs Punkte nach acht Spieltagen, zuletzt am Samstag beim 0:1 ein furchtbarer Offenbarungseid in Düsseldorf. Mainz 05 zwischen den Gefühlen.

Die Finanzzahlen stimmen: Rekordumsatz von 145,4 Millionen Euro, Rekordgewinn von 15,8 Millionen Euro. Finanzchef Jan Lehmann kommentierte nüchtern: „Das sind Zahlen, die sicher nicht jedes Jahr wiederholt werden können.“ In der laufenden Saison werden lediglich Einnahmen von rund 118 Millionen Euro und eine Million Gewinn erwartet.

Das Problem: Mainz 05 wächst nicht, wie Nachbar Eintracht Frankfurt, aus sich selbst heraus. Der beträchtliche Jahresüberschuss des Geschäftsjahres 2017/18 ist vor allem der klugen Transferpolitik von Rouven Schröder, aber auch der guten Nachwuchsarbeit mit aktuell 13 U-Nationalspielern zu verdanken. Der Sportvorstand sagte warnend: „Wenn wir weiter so auftreten wie Samstag, werden wir kein zwölftes Jahr Bundesliga nacheinander in Mainz mehr erleben.“ Er spüre den Unmut und die Sorge. Gerade jetzt gelte es, zusammenzuhalten. Das mache gerade diesen Verein aus. Viel Beifall.

Klubchef Stefan Hofmann, der transparent veröffentlichte 7750 Euro pro Monat für seine umfangreiche Führungsarbeit überwiesen bekommt, nahm kein Blatt vor den Mund: „Die aktuelle Saison verlief enttäuschend für uns alle. Wir sind deutlich hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben.“ Zudem beschrieb er die unangenehmen Folgen des vom DFB mit einer Rekordstrafe von 166 000 Euro belegten Pyrotechnik-Exzesses vom Pokalspiel in Kaiserslautern: „Unsere Fanlandschaft ist seitdem gespalten.“

In drei Jahren, so Hofmann, wolle der Klub Geschäftsstelle und Trainingszentrum am alten Bruchwegstadion zusammenführen. Ohnehin habe Mainz 05 dort bereits 35 Millionen Euro investiert. Der Vorstandsvorsitzende sagte auch in Richtung der Stadt Mainz: „Der Aufbau einer Mädchen- und Frauenabteilung wäre wünschenswert“, sei aber bei der vorhandenen Infrastruktur schier nicht möglich.

Klopp mit Videobotschaft

Heftiger Beifall wurde dem vor zwei Jahren noch wegen fehlender Transparenz in den monatlichen Überweisungen von 23 000 Euro an ihn und seine Vorstandskollegen vom Hof gejagten Ex-Vereinschef Harald Strutz zuteil, der ohne Gegenstimme und ohne Enthaltung zum Ehrenpräsidenten gewählt wurde. Jeder spürte: Dieser Klub giert nach Harmonie. Der 68-Jährige rang während der stehend dargebrachten Ovationen ergriffen um Fassung. Er beendete den Satz nicht: „Wenn wir den Zusammenhalt bei Mainz 05 nicht wieder hinbekommen...“. Jeder konnte sich denken, welch düsteres Szenario Strutz dabei im Kopf hatte. Er kennt die trüben Zeiten in der zweiten Liga.

Die Laudatio auf den nunmehr rehabilitierten Strutz, der von 1988 bis 2017 29 Jahre an der Spitze des Vereins stand und ihn gemeinsam mit Christian Heidel zum etablierten Bundesligisten entwickelte, hielt der ehemalige Ligapräsident Reinhard Rauball, der lobend sagte: „Alle Achtung, wie Du das Schiff auf Kurs gebracht und das Image des Vereins in all den Jahren gewandelt hast.“

Der ehemalige Manager Heidel, ebenfalls wie die gesamte Ex-Vorstandsriege von Strutz jetzt neues Ehrenmitglied, war nicht vor Ort, er weilte nach seinem Schlaganfall noch in der Reha und meldete sich, wie Kulttrainer Jürgen Klopp, per Videobotschaft. Klopp stellte für die Geehrten, die allesamt schon den 90-er Jahren für Mainz 05 tätig waren, klar: „Ohne Euch würde Mainz 05 jetzt gegen den FK Pirmasens, Gonsenheim, Schott Mainz oder Eintracht Trier spielen.“ Er dankte vor allem seinem Freund Heidel. Klubchef Hofmann bestätigte: „Ohne Christian Heidel wäre Mainz 05 nicht der Verein, der er heute ist.“

Auch die aktuelle Mannschaft, dem Tabellenstand entsprechend in mausgrauen Jacken gekommen, saß vollständig mitsamt Trainer Sandro Schwarz in der ersten Reihe Sie war freundlich empfangen worden und musste bis zum Ende der Veranstaltung bleiben.

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