Stark: Stürmer Emil Berggreen ist schon ein Mainzer Hoffnungsträger.
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Stark: Stürmer Emil Berggreen ist schon ein Mainzer Hoffnungsträger.

Mainz - Dortmund

Herzflimmern bei Mainz 05

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Warum sich der FSV Mainz mit dem Trainerwechsel beim Gegner Borussia Dortmund ein bisschen schwer tut.

Seit Wochen laufen beim FSV Mainz 05 die Vorbereitung für das Spiel der Herzen 2017 auf Hochtouren. Seit einem Jahrzehnt ist es guter Brauch bei dem sozial engagierten Bundesligisten, das letzte Heimspiel des Jahres einem guten Zweck zu widmen. Vereinsmitarbeiter veräußern gemeinsam mit dem Fan-Dachverband „Supporters Mainz“ und freiwilligen Helfern Motiv-Pins und handgestrickte Wollmützen für karitative Zwecke. Der Gegner könnte besser kaum sein, um den Absatz anzukurbeln: Borussia Dortmund kommt am Dienstag (20.30 Uhr) in die Arena an den Europakreisel.

Gleichwohl ist auch dieses Heimspiel nicht ausverkauft, von 34 000 Karten sind noch 3000, davon 500 für den Gästeblock, zu haben. Neben dem bekannten Mainzer Problem, sein Publikum zu mobilisieren, zeigt der Fakt: Englische Wochen mitten in der Vorweihnachtszeit sind aus Sicht des Stadionbesuchers eine sinnfreie Einrichtung.

Sandro Schwarz will zum Thema Peter Stöger nicht viel sagen

Aber vielleicht ist das Restkontingent ja auch noch an den Mann oder die Frau zu bringen, schließlich hat die Paarung durch die Entwicklung beim BVB auf der Trainerposition eine größere Bedeutung erlangt. Gleichwohl tat sich Sandro Schwarz am Montag auf der Pressekonferenz ziemlich schwer mit einer Einschätzung, was es denn bedeutet, dass der Mainzer Trainer wie bereits am 18. November dieses Jahres auf ein Gegenüber namens Peter Stöger trifft.

„Das ist eine sehr komplexe Situation“, meinte der 38-Jährige, der zum Thema Stöger nicht viel sagen wollte, außer: „Es kam sicher für ihn selbst überraschend.“ Für seine Elf wäre die Heimaufgabe ohnehin „sehr schwierig geworden, unabhängig welcher Trainer auf der Bank sitzt.“ Der bodenständige Fußballlehrer, der für die Zukunft nicht schlecht beraten wäre, sein Profil zu schärfen, verfolgt die Herangehensweise, sich nur damit zu beschäftigten, was er selbst beeinflussen kann: die eigene Leistung. Deshalb hätten auch die Ergebnisse des Wochenendes – vor allem die Siege des SC Freiburg und von  Werder, dem Gegner zum Hinrundenabschluss, „null Einfluss auf unsere Grundstimmung“. Dass der Abstiegskampf dadurch noch länger Begleiter der Nullfünfer werden könnte als ihnen lieb ist, sei „keine ganz große Überraschung“, findet der Coach, der angeblich kein Punkte-Ziel zum Überwintern ausgerufen hat. „Für uns ist immer der Anker, dass wir eine Topleistung abrufen.“

Was ist heute zu erwarten, wenn sich viele Augen auf die Gäste mit ihrem neuen Hoffnungsträger richten? „Dortmund wird sicher kein offenes Spiel anbieten, sondern auf defensive Stabilität achten.“ Für seine Mannschaft werde das ein schmaler Grat, und er müsse die Aufstellung so auswählen, „dass wir vielleicht nach 20, 30 Minuten reagieren können.“ Mit anderer Grundordnung, mit neuer Ausrichtung. Diese Flexibilität hatte bei den Rheinhessen einst ein gewisser Thomas Tuchel hoffähig gemacht, ehe Martin Schmidt letztlich an seiner sehr einseitigen Herangehensweise – Umschaltspiel und sonst nix – scheiterte.

Dass Schwarz kein solcher Sturkopf ist, war zuletzt bei RB Leipzig (2:2) zu beobachten. Das 5-3-2-System mit zwei Spitzen, einem verdichteten Zentrum und dem Verzicht auf echte Flügelspieler funktionierte so gut, dass sich eine Wiederholung anbietet. Weil das Mitwirken der angeschlagenen Gerrit Holtmann, Levin Öztunali, Kenan Kodro und Yoshinori Muto auf der Kippe steht – Kapitän Stefan Bell fällt mir Viruserkrankung sicher aus, dürfte Emil Berggreen seinen ersten Startelfeinsatz feiern.

Der 22 Monate dauerverletzt fehlende Däne hat nur drei Teilzeiteinsätze benötigt, um zwei Tore zu erzielen und eines vorzubereiten. Kein Angreifer wirkte in seinen ersten 91 Einsatzminuten so zielstrebig wie der blonde Skandinavier. „Wir sollen aus ihm keinen Heilsbringer machen“, sagte Schwarz unaufgeregt, „aber er ist weit mehr als nur eine Option.“ Und vielleicht gibt der 24-Jährige sogar denjenigen, der beim „Spiel der Herzen“ hinterher für noch mehr glückliche Gesichter sorgt.

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