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Vergab die zwei besten Mainzer Möglichkeiten: FSV-Mittelfeldmann Jean-Philippe Gbamin (l.) im Duell mit dem Berliner Ondrej Duda.

Mainz 05

Gute Laune trotz Langweiler-Rekord

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Mainz 05 trifft beim 0:0 gegen Berlin wieder das Tor nicht, führt eine Statistik an, die niemand anführen will und ist dennoch zufrieden.

Schlecht gelaunt war Sandro Schwarz trotz des vierten Spiels nacheinander ohne eigenen Torerfolg nach dem 0:0 im eigenen Stadion gegen Hertha BSC gewiss nicht. Ganz im Gegenteil. Der Trainer des FSV Mainz 05 lachte ausgelassen, sein inbrünstiges „Hahaha“ schwappte in den Pressekonferenzraum rüber, das selbst die Reporter mitschmunzeln mussten. Er neckte sich mit seinem Trainerkollegen aus Berlin, klatschte sich auf dem Podium mit dem ansonsten immer etwas grimmig dreinschauenden Pal Dardai genüsslich ab. Beide hatten gerade nach links geblickt, eine an der Wand hängende Bundesligatabelle entdeckt, die Berliner auf Rang drei liegend, die Mainzer auf Platz eins gesetzt (natürlich nicht der Realität entsprechend), aber beide Fußballlehrer waren sich einig: „Das würde uns sehr gut gefallen“, sagte Schwarz. Dardai nickte. Beide grinsten.

Dabei gab es am Samstagnachmittag in der Mainzer Arena sehr wohl Situationen, die Schwarz richtig fuchsig hätten machen können, die ihm das Lächeln aus dem Gesicht hätten vertreiben können. Zuvorderst die eine in der 43. Spielminute.

Da wollte der erst 18-jährige Angreifer Jonathan Burkhardt die Nullfünfer Torflaute auf eigene Faust beenden, war einfach losgerannt und in den Berliner Strafraum hineingedribbelt. In die Zange genommen von zwei Hertha-Verteidigern, an der Hacke getroffen von Per Skjelbred sank Burkhardt zu Boden. Klare Sache, Elfmeter.

Eine Sekunde verging, die zweite, die dritte. Kein Pfiff. Sandro Schwarz konnte es nicht glauben. Er schlug die Hände vors Gesicht, stürmte auf den Vierten Offiziellen an der Seitenlinie zu, schlug wieder die Hände vors Gesicht, als dieser ihm zu verstehen gab, dass auch der Videoassistent im Kölner Keller kein strafstoßwürdiges Foulspiel gesehen hatte. „Wenn du diese Situation nicht siehst, dann brauchst du das auch nicht. Punkt. Sonst regst du dich nur darüber auf“, sagte Schwarz: „Das ist ganz klar ein Elfmeter. Und wenn ich in Köln sitze, dann muss ich das sehen, dann muss ich in dieser Situation eingreifen. Das ist ihr Job.“

Schwarz äußerte seine Kritik in deutlichen Worten. Er war ruhig, klar, sachlich, ohne Jähzorn. Der 39-Jährige wusste schlicht, dass er Recht hatte und ihm niemand widersprechen würde. Selbst die Berliner nicht. Den Elfer könne man schon geben, sagte etwa der In-die-Hacken-Treter Skjelbred. So brachte Schwarz es schließlich auf den Punkt: „Ich habe vollstes Verständnis, wenn ein Schiedsrichter das in der Livesituation nicht sieht. Aber jetzt monieren wir wieder‚ die Videoassistenten greifen nicht ein, und nächste Woche greifen sie wieder ständig ein. Das ist einfach keine Linie drin, das muss man klar sagen.“ Leider Tatsache.

Die zweite Tatsache an diesem Nachmittag war eine, die den Mainzer Trainer eigentlich nicht weniger hätte verärgern dürfen, ihn aber wieder nicht aus der Fassung brachte. Die Torflaute seiner Mannschaft. Vier Spiele sind die Nullfünfer nun schon ohne eigenen Treffer, überhaupt fielen erst acht in sieben Spielen mit Mainzer Beteiligung (4:4). Bundesligarekord. Böswillig könnte man sagen: So langweilig war’s noch nie bei einem Klub im deutschen Fußball-Oberhaus.

Gbamin verpasst die Mainzer Führung

Schwarz sah das anders, und das zu Recht. Denn die Gastgeber hatten eine durchaus guten Ball gespielt. Sie schossen 22 Mal auf den gegnerischen Kasten, brachten 85 Prozent der Pässe an den eigenen Mann, spielten sich vor allem durch das rautenförmig gestaffelte Vierermittelfeld angetrieben vom überragenden Pierre Kunde Malong immer wieder gekonnt nach vorne. „Wir waren mutig, hatten eine gute Kontrolle und haben versucht, fußballerische Lösungen zu finden“, sagte Schwarz.

Klar, natürlich habe im Abschluss manchmal die Ruhe gefehlt, „aber die Entwicklung ist sehr gut, das ist eine Basis, auf der wir aufbauen können.“ Zweimal verpasste der in die Spitze nach vorne geeilte Mittelfeldmann Jean-Philippe Gbamin die Mainzer Führung (38./63.), weil er jeweils freistehend nicht voll durchzog, stattdessen zu lasch abschloss. Einmal setzte der fleißige, aber zu wenig abgezockte Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta (70.) einen Kopfball knapp am langen Pfosten vorbei.

Da die Hertha, die nach dem 2:0-Coup eine Woche zuvor gegen den FC Bayern seltsam zurückhaltend agierte, auch nur einmal in Person von Vedad Ibisevic den Pfosten traf (26.), stand nach 92 Minuten eines ordentlichen Bundesligaspiels am Ende das ödeste aller Ergebnisse - ein 0:0.

Aber eben doch ein 0:0, das beide Trainer zufrieden stimmte. Pal Dardai, weil seine Mannschaft sich weiter in der Spitzengruppe der Liga etablierte, „und weil wir auch nicht mehr verdient hatten und deshalb den Punkt gerne mitnehmen.“ Sandro Schwarz, weil er trotz der falschen Nicht-Elfmeter-Entscheidung und der andauernden Torflaute seine Jungs „auf einem wirklich guten Weg“ sieht, um bald auch wieder Siege einzufahren. So saßen die beiden Fußballlehrer auf dem Podium vor den Reportern, klatschten sich ab, grinsten und waren einfach bester Laune.

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