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Dem Mainzer Clown verging in Frankfurt das Lachen.

Mainz 05

Ein erschreckendes Bild

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In diesem jämmerlichen Zustand dürfte es für die Rheinhessen noch nicht einmal für die Relegation reichen.

Vor dem Spiel und nach dem Spiel in Frankfurt hat der Mainzer Trainer Sandro Schwarz gesagt, es ginge nicht um ihn.  Es ginge um Mainz 05. Tatsache ist: Wenn es jetzt um Mainz 05 geht, geht es automatisch auch um Sandro Schwarz. Der 39-Jährige muss in der kompliziertesten Phase seiner Karriere nun beweisen, dass er einer extrem schwierigen Aufgabe gewachsen ist. Zu desaströs, zu peinlich, zu jämmerlich und fern jeglichen Bundesliganiveaus war der Auftritt der von Schwarz angeleiteten Nullfünfer beim 0:3 im Pokal beim Nachbarn in Frankfurt, als dass die beiden Auswärtsspiele bei der TSG Hoffenheim am Samstag und bei Hertha BSC am darauffolgenden Freitag als Bundesligaalltag betrachtet werden könnten.

Es gibt für den Betrachter von außen keine schlüssige Antwort auf die Frage, weshalb sich Mainz 05 am Mittwochabend republikweit zum Gespött gemacht und seinem ohnehin angekratzten Image eine weitere tiefe Furche hinzugefügt hat. Diese Antwort müssen nun die Betrachter von innen finden: allen voran Sandro Schwarz, der als  Cheftrainer die Hauptverantwortung für den erschreckenden Zustand seiner Mannschaft trägt, und Rouven Schröder, der als Sportchef für die Zusammenstellung einer Truppe  verantwortlich ist, die in dieser Formation weder physisch, technisch noch mental den Anforderungen an erstklassigen Fußball gerecht wird.

Mainz war in Frankfurt völlig überfordert

Langjährige Beobachter konnten sich nicht erinnern, jemals auf diesem Niveau eine derart chancenlose, überforderte und in sich zusammenfallende  Mannschaft erlebt zu haben wie Mainz 05 am 7. Februar 2018 in der Arena im Frankfurter Stadtwald. Für die verbleibenden 13 Bundesligaspiele sind das keine guten Aussichten, und  angesichts der frappierenden Schwäche vor fremden Publikum erst recht nicht für die nächsten beiden Auswärtsspiele. Hoffnung macht aus Mainzer Sicht weniger das eigene bescheidene Leistungsvermögen, als vielmehr die ähnlich gelagerten Probleme in Klubs wie Stuttgart, Hamburg und  Köln. Immerhin sind die Rheinhessen jetzt die Aussicht los, im Mai eine Dreifachbelastung aus Pokalfinale und zwei Relegationsspielen aushalten zu müssen. Sollte jedoch keine ersichtliche Reaktion kommen, wird es noch nicht einmal für die Relegation reichen.

Spieler, Manager und Trainer gingen hinterher mit der Nicht-Leistung von Frankfurt erwartungsgemäß kritisch um. „Wenn wir Samstag in Hoffenheim mit dieser Einstellung auftreten, verlieren wir dort 6:0“, unkte Daniel Brosinski, am Mittwochabend so etwas wie der Einäugige unter den Blinden. Kapitän Stefan Bell merkte an, die Mannschaft „hält sich oft nicht an Sachen, die wir vor dem Spiel besprechen“. Eine bedenkliche Aussage, die vom unglücklichen Torwart René Adler („Ich hatte Krieg mit meinen Füßen“)  gestützt wird: „Hoffentlich war das das letzte Hallo-Wach-Spiel.“

Trainer Schwarz holte seine Eleven unmittelbar nach Spielschluss in der Kabine zusammen, wo es das gab, was man im Fußballfachjargon als „Donnerwetter“ bezeichnet. Dieses Donnerwetter war aufgrund seiner Lautstärke bis weit in den Pressebereich hinein deutlich vernehmbar.  Schwarz sagte, es sei an der Zeit, „den Druck hochzuhalten“, die Spieler dürften jetzt „nicht in Watte gepackt“ werden, er erwarte, dass sie „aus sich heraus den Eigenantrieb entwickeln, so etwas nicht noch mal erleben zu wollen“, und er machte sich nichts vor:  „Das Bild, das Mainz 05 abgegeben“ habe, sei „so nicht zu rechtfertigen“. Mehrfach sprach Schwarz geradezu entgeistert davon, Spieler hätten „grob fahrlässig“ gehandelt. Eine sportjuristische Einschätzung, die sich aus den schweren individuellen Fehlern vor allen drei Gegentoren ableitete. Künftig  erwartet er, dass der Ball in prekären Situationen um den eigenen Strafraum herum nach vorn geschlagen wird.

Fußballerisch ist von Mainz 05 in dieser Saison noch weniger zu erwarten, als dem erschreckten Publikum  bisher ohnehin geboten wurde. Die Saison kann nur noch glimpflich, enttäuschend oder verheerend ausgehen.  

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