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Wird sich auf viel Arbeit gegen die Bayern einstellen müssen: Florian Müller

Mainz 05

Emotionen auf Mainzer Art

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Vor dem Bayern-Spiel schärfen die Nullfünfer ihr Profil als „geile Entwicklungsmannschaft“.

Das Thema Zuschauerschwund ist ein heikles beim FSV Mainz 05. Speziell Cheftrainer Sandro Schwarz und Sportvorstand Rouven Schröder können in der Causa nicht nur ungehalten, sondern für ihre Verhältnisse sogar unsachlich werden. Sie schimpfen zwar nicht auf wie die Führung des FC Bayern auf Presseleute, die das Grundgesetz missachten, aber Debatten darüber schätzen die beiden ungefähr so sehr wie Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß die Altherrenvorwürfe gegen ihre Stars.

Nun hat allerdings auf der Mainzer Mitgliederversammlung der Vereins- und Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann selbst den Finger in die Wunde gelegt, als er über das erschütterndste Ergebnis aus der Fan-Umfrage sprach: „Wir haben seit 2011 kaum Fans dazugewonnen.“ Trotz der Teilnahme an der Europa League sei es nicht gelungen, mehr Menschen für den Verein zu begeistern. „Das ist Fakt und diesem Thema müssen wir uns stellen.“

Insofern kommt das Heimspiel gegen den FC Bayern, der bekanntlich sehr darauf achtet, dass die Medien diesen Super-Super-Super-Verein würdevoll behandelt, zum richtigen Zeitpunkt: Am Samstag (15.30 Uhr) ist die Arena am Europakreisel mit 33 305 Plätzen erstmals ausverkauft. Dass endlich Gedränge nicht nur im Q-Block herrscht, kommt wie gerufen. Ganz gleich wie es gegen den Rekordmeister ausgeht: Nach dem fünften Heimspiel werden die Mainzer nicht mehr Letzter in der Zuschauertabelle sein. Und wenn auch das Heimspiel gegen Werder Bremen übernächsten Sonntag regen Zuspruch erfährt, dann werden die Nullfünfer in diesem Ranking gar die Abstiegsränge verlassen.

Doch mit dem zuschauerträchtigen Doppelpack droht anderes Ungemach: das Abrutschen in der einzig wahren Tabelle (Rummenigge würde es wohl faktische Tabelle nennen). Die Mainzer 0:4-Packung in Mönchengladbach könnte einen Vorgeschmack gegeben haben, dass der Kader gegen Spitzenteams an natürliche Grenzen stößt. Schwarz allerdings will deshalb morgen nicht vorher klein beigeben, sondern will „was Wildes und Verrücktes“ veranstalten. Um gegen die Bayern zu punkten, sollte man vor allem „eine Haltung“ haben: „Was wir machen, muss konsequent sein.“

Der 40-Jährige gab sich am Donnerstag insofern als kämpferischer Charakter zu erkennen, indem er auf der Pressekonferenz eine längere Gegenrede führte, seinem zuletzt etwas zu naiven Team müssten in der Winterpause vielleicht wieder 35-jährige Routiniers werden. Diese These geißelte der gebürtige Mainzer als kompletten Unfug. „Wir sind eine geile Entwicklungsmannschaft. Ich sehe jeden Tag das komplette Potenzial. Das Schlimmste wäre ein Cheftrainer, der den Weg infrage stellt.“ Schwarz war erkennbar in Rage geraten, ohne allerdings den Rummenigge-Hoeneß-Erregungsfaktor zu erreichen. Schröder bemängelte in diesem Zusammenhang etwas weniger emotional, dass von Journalisten generell „zu oft die falschen Schubladen gezogen würden.“ So besonnen kann Medienkritik auch gehen.

Das Mainzer Manko ist offensichtlich: Trotz insgesamt schon 109 Torschüssen – fünftbester Wert der Liga – ist das Team seit fünf Spielen torlos und hat überhaupt erst vier Treffer erzielt. Negativrekord in der Liga. „Das ist kein Kopfproblem“, befand Schwarz. Seine eingesetzten Akteure sind im Schnitt erst 24 Jahre jung. Der FC Bayern kommt auf einen Altersschnitt von fast 28. Schwarz: „Wir sind jung und dynamisch, verlieren aber an Effizienz vor der Kiste.“ Was dagegen tun? „Puls runterfahren, wenn der Ball auf dem Schlappen liegt und präzise abschließen.“

Schröder glaubt übrigens nicht, „dass wir auf einen Gegner treffen, der verunsichert ist.“ Der 43-Jährige hatte auf der Mitgliederversammlung ein sehr optimistisches Bild vom Ist-Zustand gezeichnet. „Unser Traum lebt – bodenständig, ohne Übermut. Wir sind nicht mehr die kleinen Mainzer. Wir müssen uns vor keinem verstecken. Wir gehören in die Bundesliga, und wir können richtig was reißen.“ Auch endlich vor vollem Haus gegen den FC Bayern München?

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