Wuchtiger Stürmer: Jhon Cordoba.
+
Wuchtiger Stürmer: Jhon Cordoba.

FSV Mainz 05

Eine Maschine namens Cordoba

Der FSV Mainz 05 bleibt in der Bundesliga auf Europa League Kurs und profitiert beim Sieg über Tabellennachbar Bayer Leverkusen von seinem athletischen Mittelstürmer aus Kolumbien.

Von Jan Christian Müller

Als Christian Heidel vergangenen Sommer einen hierzulande unbekannten Kolumbianer namens Jhon Cordoba vom spanischen Erstligisten FC Granada zum FSV Mainz 05 holte, beließ es der Manager lieber bei einem Leihgeschäft. Denn Heidel konnte sich nicht sicher sein, ob der Mittelstürmer in der deutschen Bundesliga zurechtkommen würde. Also zahlte er eine überschaubare Leihgebühr von etwas mehr als einer halben Million Euro und bastelte eine Kaufmöglichkeit für den Sommer 2016 mit ein. Sollte Mainz 05 Cordoba über das Saisonende hinaus behalten wollen, wären noch mal 5,5 Millionen Euro fällig.

Wenn er so weitermacht wie am Sonntag beim überzeugenden Mainzer 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen, wird der robuste Angreifer diesen Betrag allemal wert sein. Der 22-Jährige war vor ein paar Wochen nur deshalb in die Mainzer Stammelf gerückt, weil sich der Japaner Yoshinori Muto Anfang Februar einen Außenbandanriss zugezogen hatte, und wusste gleich zu überzeugen. Mit seinen 188 Zentimetern Körpergröße versteht es Cordoba, sich auch kräftige Gegenspieler wie den Leverkusener Jonathan Tah vom Leib zu halten, der in manchen Zweikämpfen am lauf- und kampffreudigen Mainzer Mittelstürmer abprallte wie an einer Gummiwand. Cordoba dürfte ein wenig übertrieben haben, als er sagte: „Ich danke Gott, dass ich mit diesem Körper geboren wurde.“

Es ist auf alle Fälle ein Körper, der sich in hoher Geschwindigkeit fortzubewegen weiß. Gegen Leverkusen schaffte Cordoba beim schnellsten Sprint 34,6 Kilometer pro Stunde – ein Spitzenwert. Trainer Martin Schmidt nannte Cordoba „unsere Maschine“: „Der traut sich auch an die Größeren ran, das gibt unseren Spielern dahinter Sicherheit.“

Es verwunderte nach dem Spiel wenig, dass Torschütze Cordoba von den Fans auf den Zaun gebeten wurde. „Da war ich fast noch nervöser als im Spiel“, berichtete der Hochgelobte hinterher auf spanisch. Fußballerisch ist er schon weiter als sprachlich, nachdem er sich in Mainz anfangs mit diversen Wehwehchen herumgeschlagen hatte. „Es dauert einfach, bis Spieler aus Spanien sich an den viel körperlicheren Fußball in der Bundesliga gewöhnt haben“, erklärte Heidel die relativ lange Anlaufzeit, die Cordoba benötigte. Besonderes Lob vom scheidenden Manager wurde der Sturmspitze weniger für seine spektakulären Aktionen am Ball zuteil, sondern für seine Bereitschaft, bei gegnerischem Ballbesitz Räume zuzulaufen: „Wenn da ein Stürmer nicht mitmacht, hast du einen Spieler weniger auf dem Platz, mit Cordoba haben wir sogar einen Spieler mehr. Denn er läuft für zwei.“ Am Mittwochabend in München dürfte das hilfreich sein, um nicht unter die Räder zu geraten.

Herzchen für Anabel

Ob Cordoba, der seine Freundin Anabel mit nach Mainz gebracht hat und dieser nach seinem Tor zum 2:0 per Herzchen seine Liebe bekundete, über den Sommer hinaus in Mainz bleibt, hat dann nicht mehr Heidel zu entscheiden. Das soll die Aufgabe von Rouven Schröder werden. Indes: Die Mainzer wollen laut Präsident Harald Strutz keine Ablöse für den potenziellen Heidel-Nachfolger an dessen derzeitigen Arbeitgeber überweisen: „Werder Bremen kennt unsere Vorstellungen.“ Dumm nur für Strutz, dass Werder andere Vorstellungen hat und am längeren Hebel sitzt. Da Schröder in Bremen einen Vertrag bis 2017 besitzt, sieht es Sportvorstand Thomas Eichin nicht ein, den kundigen Direktor Profifußball kostenlos abzugeben. Strutz weist kühl darauf hin, Werder habe Schröder ja bereits „freigestellt oder suspendiert“, wie immer man das auch nennen möge. Es sei also im Interesse aller Beteiligten, die Personalie über die Bühne zu bringen. Christian Heidel, für den Mainz 05 wegen dessen Verdiensten für die Nullfünfer keine Ablöse von Schalke 04 kassiert hat, stellte angesichts der merkwürdigen Irritationen der vergangenen Tage schon mal klar: „Ich bin nicht der Verhandlungsführer.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare